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Ein historischer Moment, sechs Blickwinkel: Wie Merkel, Trump & Co. mit ihren G7-Fotos Politik machen

Das Foto des G7-Gipfels: Angela Merkel redet wütend auf trotzigen Donald Trump ein. Oder empörte sich doch eher Emmanuel Macron. Oder war doch alles anders und man lauschte eher gebannt den Wort des US-Präsidenten?
Das Foto des G7-Gipfels: Angela Merkel redet wütend auf trotzigen Donald Trump ein. Oder empörte sich doch eher Emmanuel Macron. Oder war doch alles anders und man lauschte eher gebannt den Wort des US-Präsidenten?

Alle Beobachter sind sich einig: Das Foto des G7-Gipfels von Angela Merkel, die auf Donald Trump wie auf ein bockiges Kind einredet, ist ein ikonischen Politik-Foto. Es wird mehr für das Image der Kanzlerin tun als es hunderte Reden könnten. Allerdings gibt es von den Minuten, in denen der Schnappschuss entstand, verschiedene Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven: Diese erzählen jeweils andere Geschichten – aus den Sichten von Trump, Trudeau, Abe und Macron.

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Als Erster twitterte Merkel-Sprecher Steffen Seibert das Bild, das sehr schnell zum globalen Symbolbild für das historische Debakel des G7-Gipfels wurde. Die Kanzlerin scheint engagiert für ihre Sache zu kämpfen. Neben ihr stehen der japanische Präsident Shinzō Abe und Emmanuel Macron. Donald Trump wirkt in diesem Moment wie ein trotziges Kind.

In dürren Worten erklärt Seibert zu dem Schnappschuss: “Zweiter Tag des #G7-Gipfels in Kanada: Beratungen am Rande der offiziellen Tagesordnung #G7Charlevoix”

Tatsächlich stritten in diesem Moment die Mächtigen über die Abschlusserklärung, die später von Trump widerrufen wurde, wodurch er den Gipfel via Twitter und aus der Air Force One heraus zum Debakel machte. All dies fasst das Bild von Jesco Denzel, dem offiziellen Fotografen der Bundesregierung bei diesem Termin, perfekt zusammen.

Das Foto ist zudem aber auch ein gutes Beispiel dafür, dass es gerade bei visuellen Darstellungen auf die Perspektive ankommt. Denn von den Minuten der intensiven Verhandlungen zwischen den mächtigsten Politikern der Welt gibt es unterschiedliche Fotodokumente – die jeweils eine andere (Bild)-Geschichte erzählen.

Da wäre der nette Märchenonkel Donald Trump. Auf diesem Foto eines Mitarbeiters des US-Präsidenten stehen sein Dienstherr und die englische Premierministerin Theresa May im Mittelpunkt. Trump scheint entspannt zu referieren, während die versammelten Staatschefs seinen Worten interessiert lauschen.

Da wäre der wütende Herr Macron. Es gibt das Foto des französischen Präsidenten, auf dem zu sehen ist, wie er voller Engagement auf den trotzigen Trump einredet. Der US-Präsident selbst ist dabei gar nicht zu sehen.

Da wären noch die Varianten, die das Team des kanadischen Gastgebers Justin Trudeau und des japanischen Präsidenten Abe verbreiteten.

Vielleicht war aber auch alles anders und die mächtigsten Menschen der Welt hatte jede Menge Spaß, wie dieses Foto suggeriert.

Wahrscheinlich geben die Darstellungen von Merkel und Macron die allgemeine Stimmung auf dem Gipfel am treffendsten wieder. Jedoch zeigen die anderen Fotos, dass ein Bild zwar mehr als tausend Worte sagen kann, dies aber nicht immer zwingend die absolute Wahrheit sein muss.

Tatsächlich sind die unterschiedlichen Bilder geradezu ein Lehrstück der politischen Kommunikation, darüber, wie man als Top-Politiker die Macht eines Fotos am besten für sich und sein Image nutzen kann. In der Vor-Trump-Ära war der Obama-Fotograf Pete Souza der erste Großmeister in der Politiker-Präsentation in den sozialen Netzwerken.

Das G7-Foto von Denzel zeigt, welche Meisterschaft Angela Merkel und ihr Team in dieser Disziplin mittlerweile erlangt haben. Allein ein Blick auf die Webseite von Denzel zeigt, dass der Fotograf ein echter Könner darin ist, die Kanzlerin als Politikerin zu inszenieren, der die Mächtigen der Welt zuhören.

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Alle Kommentare

  1. Das zeigt doch nur, dass die deutsche Propaganda es nach 70 jährigen Pause immer noch drauf hat und der einfältige Pöbel heute meistens nicht mehr auf Juden schimpft, sondern eben auf Trump, Putin, Erdogan, Assad, Kurz, etc.

    Gut gemacht Seibert, es zahlt sich eben aus, wenn man beim Staatsfunk die Propaganda von der Pike auf gelernt hat.
    Gibt sicher das Eiserne Kreuz aka Grimme Preis und Co.

  2. Der ewig gestrige Opa Friedrich sollte schleunigst einen guten Betreuer bekommen…

    1. hahahaha ich finde den Opa Friedrich echt gut mit diesem Post. 70 Jahre war 1948… und ewig gestrig ist das NOCH nicht..

  3. Da heißt es doch immer das Frauen Mimik besser deuten können und dann findet sich weit und breit keine , um zu erklären, was man da sehen kann?

    Für mich sieht der Japaner aus, als wär er angewidert von dem, was ihm da die Macrone gerade erzählt. Trump schaut für mich belustigt aus, als würde er gerade seinem Kind zuhören, welches vom letzten Spielplatzabenteuer erzählt. Beide sind in klarer Abwehrhaltung, siehe verschränkte Arme.

    Die GröKaZ hat mich spontan an das Bild vom GröFaZ erinnert, wo man den mit seinen Generälen über einer Karte brüten sieht.
    Auch sieht man gut, das Merkel Trump nur anstarrt und die ganze Körpersprache ausschaut, als wöllte sie gleich über den Tisch springen, derweil Trump Merkel nicht beachtet, sondern sein mokantes Lächeln ganz der Macrone schenkt.

    1. Lagebesprechung im Führerbunker im Kreise seiner Generäle….jetzt wo Sie es sagen….
      Volltreffer.
      Die Inszenierung hatte damals den gleichen Grund, wie heute:
      man hat es schlicht bitter nötig.
      Darüber kann auch all das Geplärre über Trump nicht hinwegtäuschen.
      Wo stünden Merkel und Co. nur ohne die deutsche “Medienvielfalt”?

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