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Viel Aufregung um müde „Maischberger“: Einmal Islam mit Allem, aber ohne scharf!

Bei "Maischberger" war das Thema diese Woche der Islam Foto: ard.de (Screenshot)

Teil 2 der Themenwoche Islam/Flüchtlinge bei den ARD-Talkshows. Nachdem „Hart aber fair“ bereits Kritik wegen der Verknüpfung der Begriffe „Flüchtlinge“ und „Kriminalität“ einstecken musste, erging es „Maischberger“ ähnlich mit dem Thema „“Sind wir zu tolerant gegenüber dem Islam?“. Auch diesmal war die Aufregung im Vorfeld nicht gerechtfertigt. Die Sendung geriet handzahmer, als zu befürchten war.

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Dass das Thema Islam stark emotionalisiert, zeigte sich bereits vor der aktuellen „Maischberger“-Sendung, die als Nachklapp zur Verfilmung des Houellebecq-Romans „Unterwerfung“ platziert war. Im Roman (und Film) wird in Frankreich eine islamische Partei an die Regierung gewählt und aus dem Nachbarland wird eine Art islamistischer Staat – sehr, sehr grob gesagt.

Der Titel der „Maischberger“-Sendung wurde von einigen als Provokation und – wie schon bei „Hart aber fair“ – Framing empfunden. Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli äußerte sich dahingehend prominent auf Twitter:

Auch eine Leistung, schon einen Tag vor der Sendung zu wissen, dass sie ein „Geht’s noch?“ locker hergibt. Bei Twitter machte auch eine Aufstellung von Talk-Themen aus ARD und ZDF die Runde, die wohl belegen sollte, dass die Shows einen Hang zur Flüchtlings-Thematik haben:

Diese Diskussion, dass man sich im Journalismus im Allgemeinen und bei den Talkshows im Besonderen von AfD & Co. das Thema Flüchtlinge aufdiktieren lässt, ist schon älter und latent unfair. Würden die Redaktionen dieses Thema meiden, so würden sie sich schnell dem Vorwurf aussetzen, das Thema totzuschweigen. Und tatsächlich ist das Thema immer noch stark präsent.

Das Buch „Unterwerfung“ ist in diesem Zusammenhang natürlich keine soziologische Ausarbeitung, sondern literarische Provokation und reine Fiktion. Das hielt auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zu Beginn der „Maischberger“-Sendung fest, als sie die Eingangsfrage, ob sie Angst vor einer Islamisierung Deutschlands habe kategorisch mit „Nein“ beantwortete und darauf hinwies, dass das Houellebecq-Buch nicht mit der wirklichen Welt zu verwechseln sei. Gut, dass dieser Punkt gleich zu Beginn abgehakt wurde.

Die restliche Diskussion bei „Maischberger“ verlief dann in überraschend geordneten Bahnen, was allerdings vor allem den relativ pflegeleichten Gästen geschuldet war, die tatsächlich den Mund hielten, wenn die sonst leicht zur Überforderung neigende Moderatorin sie Stift-schwenkend darum bat. Geladen waren neben Julia Klöckner der Vorsitzende der Migrationspartei BIG, Haluk Yildiz, Spiegel-Mann Jan Fleischhauer, die taz-Korrespondentin Bettina Gaus und die Soziologin und Publizistin Necla Kelek.

Der Erkenntnisgewinn der Debatte folgte vor allem aus den Streit-Gesprächen zwischen Yildiz auf der einen und Klöckner sowie Kelek auf der anderen Seite. Necla Kelek ist eine der profiliertesten Kritikerinnen des politisch aufgeladenen Islam. In der jüngeren Vergangenheit hat sie ihre öffentliche Präsenz spürbar heruntergeschraubt und man kann nur mutmaßen, ob das vielleicht mit den doch zahlreichen Anfeindungen zusammenhängt, denen sie sich immer wieder ausgesetzt sieht. Auch Yildiz war sogleich auf Zinne, als Kelek das Wort ergriff.

Julia Klöckner gab noch einmal ihre Anekdote zum Besten, als ihr ein Imam beim Besuch einer Einrichtung die Hand nicht reichen wollte und sie den Besuch deswegen absagte. Die CDU-Politikerin arbeitete gut heraus, dass es dabei nicht um den Handschlag als solchen ging, sondern um das Menschenbild dahinter. Yildiz‘ Versuche solcherlei Verhalten als kulturell zu rechtfertigen, wurden von ihr gekonnt entkräftet. Auf der anderen Seite der Runde hinterließen Fleischhauer als schmunzelnder Bonmot-Lieferant und die taz-Journalistin Gaus, die irgendwie für alles so ein bisschen Verständnis hatte, einen blasseren Eindruck. Ein Talk wie an der Döner-Bude: Einmal Islam mit Allem, aber ohne scharf.

Sandra Maischberger fragte brav der Reihe nach ab und irgendwann war dann die Sendung auch zu Ende. So ein bisschen schreckte man da im Sofa hoch und fragte sich, was den nun eigentlich die Conclusio der Debatte war. Mit solcherlei lästigen Fragen befasst sich „Maischberger“ aber schon länger nicht mehr. Die Moderatorin schien vielmehr fast erleichtert, dass nix allzu sehr aus dem Ruder gelaufen war und sie unfallfrei zu den „Tagesthemen“ überleiten konnte.

Wie schon „Hart aber fair“ am Montag, lieferte auch „Maischberger“ Talk-Dienst nach Vorschrift zu einem eigentlich nach wie vor brisanten Thema. Das ist für den Anspruch der ARD eigentlich zu wenig. Es verfestigt sich der Eindruck, dass die altgedienten Talkerinnen und Talker der ARD unter der Woche doch sehr, sehr müde geworden sind.

PS: Nebenbei zeigte die Vorab-Aufregung um die aktuelle „Maischberger“-Sendung einmal mehr, wie unsouverän die Redaktion dort mit Kritik in sozialen Medien umgeht. Als es Trouble gab wegen des Sendungstitels „Sind wir zu tolerant gegenüber dem Islam?“ wurde dieser Titel flugs umbenannt zu „Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“ Gerade so, als ob das irgendetwas anders oder besser machen würde. Und der entsprechende Tweet mit dem kritisierten Sendungstitel wurde auf Twitter kommentarlos entfernt. Gerade so, als ob das keiner merken würde.

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