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“Ich habe an Herrn Gauland zur Zeit keine Fragen”: AfD-Fraktionschef nach “Vogelschiss”-Zitat auch bei Anne Will unerwünscht

Wie umgehen mit AfD-Politiker Gauland nach seinem viel kritisierten “Vogelschiss”-Vergleich? Die öffentlich-rechtlichen Talker Anne Will, Sandra Maischberger und Maybrit Illner gehen auf Distanz
Wie umgehen mit AfD-Politiker Gauland nach seinem viel kritisierten "Vogelschiss"-Vergleich? Die öffentlich-rechtlichen Talker Anne Will, Sandra Maischberger und Maybrit Illner gehen auf Distanz

Sollen politische Talkshows Alexander Gauland nicht mehr einladen? “Hart aber fair”-Chef Frank Plasberg erklärte bereits, den AfD-Politiker nicht mehr als Gast anzufragen. Gegenüber MEEDIA erklärte auch Anne Will: “Ich persönlich habe an Herrn Gauland nach dieser verachtungswürdigen Relativierung des Holocaust zur Zeit keine Fragen.” Auch andere Talker beziehen auf Anfrage eine klare Position.

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Von Nora Burgard-Arp und Alexander Becker 

Bereits am gestrigen Montag hatte Plasberg gegenüber dem Tagesspiegel erklärt: “Wir werden Herrn Gauland nicht mehr in unsere Sendung ‘hart aber fair’ einladen”. Weiter sagt er: “Wer die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, kann kein Gast bei “hart aber fair” sein.”

Der AfD-Fraktionschef im Bundestag hatte am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt: “Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.” Der Satz fiel nach einem Bekenntnis zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten. Die Äußerung löste breite Empörung aus.

Gauland selber betonte am Montag, er habe die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht bagatellisieren wollen, sondern seine “tiefste Verachtung” für den Nationalsozialismus mit dem Begriff “Vogelschiss” zum Ausdruck bringen wollen.

Neben Gauland sprach Plasberg zudem gleich noch einen Bann gegen dessen Parteikollegen Björn Höcke aus.

MEEDIA fragte bei den anderen öffentlich-rechtlichen Talksshows nach, wie sie mit dem potentiellen Gast Alexander Gauland nach dessen Äußerungen umgehen werden. Anne Will erklärt:

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Das Spiel, das die AfD spielt, um die Grenze des bisher Sagbaren auszudehnen, ist nicht neu. Neu ist, dass die Talkshowredaktionen diese Grenze nun definieren sollen und ein gewähltes Mitglied des deutschen Bundestages, der zudem Partei- und Fraktionsvorsitzender der größten Oppositionspartei ist, öffentlich „ausschließen“ sollen. Das geht am eigentlichen Problem meilenweit vorbei. Als Redaktion eines ARD-Talkformats haben wir eine staatsvertraglich festgeschriebene Pflicht zu einer Berichterstattung, die alle gesellschaftlichen Kräfte angemessen berücksichtigt. Zugleich lassen wir uns nicht instrumentalisieren und bleiben bei unserem klaren Kurs: Wir entscheiden nach journalistischen Kriterien, wen wir einladen und wen nicht.

Ihre Statement gipfelt in einer sehr klaren Ansage in Richtung des AfD-Politikers:

Ich persönlich habe allerdings an Herrn Gauland nach dieser verachtungswürdigen Relativierung des Holocaust zur Zeit keine Fragen.

Ebenfalls auf MEEDIA-Anfrage sagte Sandra Maischberger, dass sich die Redaktion bei jedem Gast die Frage stelle, “was sie oder er zum aktuellen Thema inhaltlich einbringen kann – jenseits der Parteizugehörigkeit, Religion oder Herkunft.” Natürlich dürfe die Sendung nicht zur Plattform extremer Meinungen einzelner werden, die das Format missbrauchen würden. “Das haben wir in der Vergangenheit vermeiden können und werden es auch in Zukunft tun.“

Maybrit Illner wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass in diesem Jahr überhaupt erst einmal ein AfD-Politiker in ihrer Sendung aufgetreten sei. Nach Meinung der ZDF-Journalistin verdeutliche dies, wie sorgfältig und überlegt man bei Einladung von AfD-Vertretern entscheiden würde. “Herr Gauland war seit seiner AfD-Mitgliedschaft zwei Mal zu Gast bei ‘Maybrit Illner’, zuletzt 2016.”. Auch Illner formulierte eindeutig: “Wir sind in den letzten zwei Jahren bei keiner skandalösen Äußerung von Herrn Gauland auf die Idee gekommen, ihn einzuladen. Wir werden es auch kommenden Donnerstag nicht tun.”

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Alle Kommentare

  1. Wieso gibt auch ihr das “Vogelschiss” Zitat wieder so verkürzt wieder?
    Zuvor hat er gesagt:

    „Aber wir wollen weder in der Welt noch in Europa aufgehen. Wir haben eine ruhmreiche Geschichte, die länger dauerte als 12 Jahre. Und nur wenn wir uns zu dieser Geschichte bekennen, haben wir die Kraft, die Zukunft zu gestalten.

    Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die 12 Jahre. Aber, liebe Freunde, Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte.”

    Und weiter…

    ” Und die großen Gestalten der Vergangenheit von Karl dem Großen über Karl V. bis zu Bismarck sind der Maßstab, an dem wir unser Handeln ausrichten müssen. Gerade weil wir die Verantwortung für die 12 Jahre übernommen haben, haben wir jedes Recht den Stauferkaiser Friedrich II., der in Palermo ruht, zu bewundern. Der Bamberger Reiter gehört zu uns wie die Stifterfiguren des Naumburger Doms.

    Liebe Freunde, denken wir immer daran, dass ein deutscher Jude, Ernst Kantorowicz, den Ruhm des Stauferkaisers beschrieben hat. Nein, der Islam gehört nicht zu uns. Unsere Vorfahren haben ihn 1683 vor Wien besiegt. Aber das deutsche Judentum von Ballin und Bleichröder über Rathenau und Kantorowicz war Teil einer deutschen Heldengeschichte, die Hitler vernichten wollte.

    Liebe Freunde, uns muss man nicht vom Unwert des Nationalsozialismus überzeugen. Wir haben diesen Unwert im Blut. Aber, liebe Freunde, wer eine Rot-Kreuz-Flagge aus den letzten Tages des Kampfes um Berlin entsorgt, hat keine Achtung vor soldatischen Traditionen, die es jenseits der Verbrechen auch in der Wehrmacht gab.“

    https://www.afdbundestag.de/wortlaut-der-umstrittenen-passage-der-rede-von-alexander-gauland/

    1. Danke für diese Langfassung. Jetzt wissen wir, dass Herr Gauland nicht nur den Nationalsozialismus geringreden wollte. Jetzt haben wir auch mal schwarz auf weiß, wie wirr es in seinem Kopf zugeht. “Derr doitsche Joodä warr ein Helld, ond dessholb isst ächtes Doitschtum jöödisch, aberr nöcht öslamösch, und echte Doitsche köönnen garr keine Nationalsotzialissten seiin, sondärrn immer schon Wiederrstandskämpfferr gewäsen odrr Jooden, jädenfalls können wirr hööchst stollz sein …

      Man möchte eine Wiederholung der Schulklassen 1 bis 10 empfehlen, dann eine solide Handwerkslehre.

  2. Entlarvend, wie die Hohepriesterin der öffentlich-rechtlichen Fernsehgewalt, Maybrit Illner, stolz darauf verwiest, “dass in diesem Jahr überhaupt erst einmal ein AfD-Politiker in ihrer Sendung aufgetreten sei”. Dies “verdeutliche, wie sorgfältig und überlegt man bei Einladung von AfD-Vertretern entscheiden würde“, sagt die ZDF-Tante ohne Scham. Hat sie auch parat, wie oft Vertreter anderer Bundestags(oppositions)parteien in ihrer Quatschsendung aufgetreten sind? Wieviel mal mehr als die größte Oppositionsfraktion? Zweimal, dreimal mehr oder noch mehr?

  3. Was soll’s? Die Entscheidung der Talkshow-Popel à la Illner und Plaßberg wird der AfD nur weitere Wähler bringen. (Ich bin einer dieser AfD-Wähler, ursprünglich mal „Linker“.)

    Es ist wie mit den Verbrechensmeldungen in den Medien: Wenn keine Nationalität oder kein Vorname genannt wird, ist sofort klar: „Aha, ein Ausländer“. Wenn der „mutmaßliche Täter“ als „Deutscher“ bezeichnet wird, weiß hingegen jeder: „Aha, höchstwahrscheinlich ein Paß-Deutscher, dem man die deutsche Staatsbürgerschaft zugeschustert hat.“

    Unsere Landsleute haben mittlerweile gelernt, den Medien fast so gründlich zu mißtrauen, wie das in Rußland allgemein üblich ist. Nicht nur den Öffis, sondern auch den Privaten. Es ist alles die gleiche Anpasser- und KarrieristInnen-Soße.

    Viele gutintegrierte Landsleute mit türkischem Migri-Hintergrund haben Sympathien für die AfD. „Wenn ich kein Türke wäre, würde ich auch AfD wählen.“ Ich habe beruflich viel mit Ausländern oder Neudeutschen zu tun, und das habe ich mehrmals so oder ähnlich gehört.

    Deutsch ist man durch das Herz und nicht durch das Blut.

    Gut, dann sollen diesen Medien-Spacken halt keine Vertreter der größten Oppositionspartei im deutschen Bundestag mehr „einladen”. Bestens. Gibt jeweils zehntausend Stimmen mehr für die AfD bei der nächsten Landtagswahl.

    1. ein interessantes Beispiel der These, die Linken wechseln dann zur Rechten, wenn es opportun ist. Das war schon bei den früheren 68-er so . . . siehe Schily, Mahler etc. Auch ein Denkanstoß dafür, wie ernst man manchen fulimant vorgetragenen politischen (populistischen) Beitrag nehmen muss. Manches erweist sich später als – pardon: – politischer Dünnschiß

      1. Tja, dieses Konvertitentum zwischen „ganz rechts“ und „ganz links“ ist immer eine spannende Sache – egal in welche Richtung. Meines Erachtens allemal sympathischer als die seimige Anpasserei an die „gesellschaftliche Mitte“.

        Otto Schily ist ein schlechtes Beispiel, weil er als Großbürgerssohn recht bald wieder in dieser Mitte (nämlich der SPD) angekommen ist.

        Aber denk an Gustav Noske, an so viele 1848er, an den Capitanul, an José Antonio, an Historiker wie Onno Klopp, gerade auch an Mussolini. Oder an die Strasser-Brüder. An General Vinzenz Müller und an Bodo Uhse. An König Eduard VIII. von England. Und, und, und…

        Das waren einfach spannendere und interessantere Leute als Annegret Knumpf-Knarrenbrummer oder das Merkel-Wesen.

    2. Donnerwetter, Sie müssen vorher ja unheimlich weit links gestanden haben! Aber zu Ihrem Kommentar:

      Wer schon von Vornherein solche Ansichten über mögliche Täter in den Nachrichten hat, der hat schon ein vorgefertigtes Weltbild und ist nur an der Bestätigung seiner Meinung interessiert!

      Schön zwar, dass Sie auch ein paar „gutintegrierte [sic!] Landsleute mit türkischem Migri-Hintergrund“ kennen, wobei gut integriert (für Sie) natürlich sehr wichtig ist, und noch schöner (für Sie), dass die auch noch AfD wählen würden. Bei den türkischen Landsleuten, die ich kenne, sieht es jedoch genau gegenteilig aus. Wer wählt schon seinen eigenen Untergang?

      Das haben meiner Erfahrung nach nur die deutschen Wähler am Ende der Weimarer Republik gemacht – und Trump-Wähler von heute. Letzteres aber nur nebenbei angesichts Ihrer Trump-freundlichen Kommentare weiter unten.

      Ihre Behauptung, dass die AfD noch zahlenmäßig steigerungsfähig ist, wage ich mal stark zu bezweifeln. Liest man doch z. B. hier immer wieder, welchen kruden Ansichten deren braun-blaue Wählerschaft doch nachhängt! Denn genauso, wie es AfD-„Politiker“ tun, nämlich sich dauernd selbst ins Abseits zu stellen, so gelingt dies auch deren braun-blauer Wählerschaft immer wieder!

      1. Tjoar, wo und bei wem denn „ins Abseits stellen“? Trump hat sich bei den Social-Media-Spatis an den amerikanischen Küsten und in Westeuropa „ins Abseits gestellt“, ferner u.a. bei den deutschen Leitmedien.

        Gewählt worden freilich ist er trotzdem – und wird vielleicht auch wiedergewählt werden. Ich mag Trump wegen seiner Unberechenbarkeit nicht, kann aber die Amerikaner, die ihn gewählt haben, bestens verstehen. Dafür, daß das US-amerikanische Wahlrecht aus dem Postkutschen-Zeitalter stammt, kann Trump nichts.

        Trump-Kritik ist zu einer billigen Methode der Selbstvergewisserung und des gegenseitigen Schulterklopfens der Bien-Pensants und des Juste milieus geworden. Ein Korrektheits-Ausweis.

        Was „türkische Landsleute“ sein sollen, muß vollends schleierhaft bleiben. Ich bin Deutscher. Ein bekennender und mentaler Türke wird immer ein Ausländer bleiben, und wenn er fünf deutsche Pässe hat. Ein Türke, der sich zum Deutschtum bekennt, ist hingegen jederzeit willkommen. Und es gibt genug Türken, die gerne Deutsche wären – in der Regel strukturell konservativ, aber islamkritisch. Die AfD hätte, wenn sie denn klug genug wäre, hier ein sechstelliges Wählerpotential.

        Tja, im Moment liegt die AfD in Umfragen bei 16 %, weit vor den Grünen, knapp hinter der SPD. Und im Herbst sind erstmal Hessen und Bayern dran. 🙂 Nur ein Narr kann glauben, daß der Einzug da nicht gelingen wird. So einen Blitzstart hat noch nie eine Partei hingelegt.

        Ich habe übrigens, um Deine arg nervtötende und in jedem Fall für Dich sehr peinliche persönliche Frage an mich zu beantworten, jahrelang teils Die Linke, teils die DKP gewählt.

  4. Ob man das so äußern darf, weiss ich nicht. Aber die drei zu Gauland befragten öffentlich-rechtlichen Damen eiern . . . Zu Plasberg: Gauland wird sich in die Ecke der von den Medien gemiedenen Politikrelevanz zurückziehen. Es hätte genügt, Gauland, Höcke und Konsorten einfach zu ignorieren.

  5. Genau wegen solchen Lügenpresse-Vertreterinnen wählen die Menschen doch die AfD. Jetzt glauben diese Gestalten, sie bekämen mal wieder durch eine verzerrte Darstellung der Fakten den Ritterschlag um mit dem Totschweigen der AfD offiziell weiterzumachen. Sollen sie doch. Kein Verlust für die AfD. Es gibt ja noch genug gerngesehene Proleten und Dummschwätzer wie Nahles, Schulz und Co. die den Bürger mit Entsetzen zurücklassen.

  6. Gauland nimmt bewusst keine qualitative Bewertung der 12 Jahre vor, sondern er sieht die 12 Jahre auf einer Art “Zeitstrahl” der Geschichte und hier sind 12 Jahre wirklich nichts. Wie antwortet der Mainstream ? Mit einer gleichgeschalteten Sprachregelung und Auftrittsverbot im ÖR. Die sog. Brüllrunden des ÖR sind eh obsolet – es ist eher eine Auszeichnung dort nicht eingeladen zu werden bzw. aufzutreten. Immer die gleichen Protagonisten zu den immer gleichen Themen mit den gebetsmühlenartig vorgetragenen “Sprachregelungen” der Parteien. Will kaum noch jemand hören, entsprechend die Einschaltzahlen.

  7. Selbst Juni 2018 haben die Kartellmedienkasper immer noch nichts aus er Trump-Wahl gelernt.

    Wir erinnern uns wie seinerzeit tagtäglich auf allen Kanälen die öffentlich rechtlichen Murmeltiere unisono grüßten: ‘Nun ist es aber endgültig vorbei mit Donald – damit hat er sich entgültig ins politische Abseits katapultiert usw usw’
    Na sicher doch. Verteufelt ihn! Ächtet ihn! Ignoriert ihn! Am Ende gewinnt er, denn diese Medien bilden nicht das demokratische Spektrum ab, sondern verfälschen es nach Kräften.

    Weiter so!

    1. Schauen wir doch erst einmal, wie lange er sich überhaupt wird im Amt halten können! Sie wissen doch: Man soll den Tag nicht …

      Ich frage mich nur, warum jemand, der ein so offensichtliches Misstrauen gegenüber den Medien hegt, sich z. B. ausgerechnet hier immer wieder herumtreiben muss!

      1. Ganz einfach, um den Status des medialen Niedergangs zu verfolgen und zu kommentieren (solange es noch möglich ist).

  8. Die „Ausladung“ erfolgte, nachdem sich Hart aber Fair unter dem Hashtag #alternativefuerplasberg (trendet grad auch mit Maischberger bei twitter) dem Vorwurf des Framings ausgesetzt sah. Dabei gibg es um die Themenauswahl (Geflüchtete).

    Man sollte sich bei den ÖR fragen, ob es sinnvoll ist einen Polittalker zum Produzenten der eigenen Sendung zu machen.

    Das führt zu einer Quotenorientierung, die der ÖR Rundfunk nicht nötig hat.

  9. (Ohgottogott, daß irgendein teutonischer Langweiler mit „Föörer“-Parodien angedackelt kommen würde, war so etwas von absehbar. Manchmal schämt man sich *wirklich*, Deutscher zu sein.)

    So.

    Ich finde den zweiten Teil von Gaulands Bemerkung eigentlich zweifelhafter als das mit dem „Vogelschiß“, an dem sich jetzt die BRD-Empörungskultur austobt.

    Die deutsche Geschichte war eben nicht über „tausend Jahre erfolgreich“, jedenfalls nicht nur.

    Man denke an das nach außen machtlose Heilige Römische Reich, man denke an die Raubkriege Ludwigs XIV., man denke an die Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges. Man denke an den Verlust der Schweiz im Hochmittelalter, Böhmens und der Niederlande in der FNZ und schließlich Österreichs und der Ostgebiete nach 1945. Oder auch an die Armut in Nord- und Ostdeutschland bis ins 20. Jahrhundert hinein.

    Deutschland war oft (aber auch keineswegs immer und überall) wirtschaftlich und kulturell stark – politisch und militärisch hingegen meistens schwach. Das ist jedenfalls keine „tausendjährige Erfolgsgeschichte“!

    *Keine* Nation hat eine „tausendjährige Erfolgsgeschichte“ – nicht einmal England und Frankreich. Und Deutschland noch viel weniger.

    1. „Föörer“-Parodien sind immer wieder gut; schade nur, dass es keine neuen gibt: Die AfD böte wirklich reichlich Stoff dafür.

      Interessant übrigens, dass Ihre Lektion in Geschichte auffällig viele Landverluste als Beispiel dafür anführt, warum die deutsche Geschichte keine durchgängig erfolgreiche war! Sehr vielsagend …

      1. Interessant übrigens, dass Ihre Lektion in Geschichte auffällig viele Landverluste als Beispiel dafür anführt, warum die deutsche Geschichte keine durchgängig erfolgreiche war! Sehr vielsagend …

        Sag mal, kannst Du nicht lesen? Ich habe explizit von politischer und militärischer Schwäche gesprochen. Wie soll man das besser verdeutlichen als durch die Gebietsverluste des Reiches?

        Niemand wird bestreiten, daß Deutschland fast immer die kulturell, wissenschaftlich und geistig führende Nation Europas war. In England gab es nie nennenswerte Komponisten, in Frankreich nur halbwegs lächerliche Dichter (wie etwa Molière oder Voltaire).

        Wir Deutschen sind eben das Volk der Dichter und Denker.

        Aber wir haben nun einmal aus politisch-militärischer Schwäche heraus viele Gebiete verloren und haben auch keine nennenswerte Kolonialgeschichte. Eine Ausnahme ist vielleicht das Baltikum (also in etwa das heutige Lettland und Estland, nicht hingegen das historisch mit Polen verbandelte Litauen): 700 (!) Jahre deutsche Herrenschicht mit lettischen und estnischen Knechten. Nur hat das Baltikum eben nie zum Reich gehört.

        Das deutsche Militär ist normalerweise (und bis heute) chronisch schwach und unterfinanziert – und konnte das nur in zwei verlorenen und in Katastrophen endenden Kriegen im 20. Jhdt. vergeblich versuchen zu kompensieren.

        Mit der Wirtschaft ist es noch komplizierter. Jede Nation hat ihre Inneren Peripherien im Wallersteinschen Sinne. Frankreich das Midi, Deutschland z.B. meine niedersächsische Heimat oder die Regionen der ostdeutschen Gutswirtschaft. In England wäre es Irland. Aber (Nord)italien zum Beispiel war jahrhundertelang eine der wirtschaftlich und kulturell führenden Gegenden Europas – heute hängt es am Tropf Deutschlands.

        Ich habe mir erlaubt, den Begriff der modernen Nation in die Vergangenheit zurück zu projizieren, obwohl ich natürlich (im mußmaßtlichen Gegensatz zu Dir) weiß, was „Nationsbildung“ bedeutet.

        Lies einfach mal ein paar Bücher und glotz weniger Föörer-Videos auf Youtube.

  10. Amüsant waren übrigens auch die Tagesschau und die Tagesthemen von vorgestern. Bekanntlich (und leider) werden heute auch diese Sendungen von ihren Sprechern vom Telepromptern abgelesen – die Zettel sind mehr oder weniger traditionsheuchelndes Zierat.

    Nur als die olle Judith Rakers das Wort „Vogelschiß“ aussprechen mußte, hat sie in beiden Sendungen mit gespielt angewidertem und leidenden Gesicht nach unten geschaut und damit so getan, als müsse sie das von ihren Zettel ablesen. 😀 Man hätte ihr zum Trost ein Fläschchen Wassenstoffsuperoxid spendieren mögen…

  11. Dissident Biermann wurde seinerzeit von den SED-Genossen aus politischen Gründen ausgewiesen. 30 Jahre nach Zusammenbruch des linken Marx-Experiments fordert die Fraktionsvorsitzende der Partei in SED-Rechtsnachfolge Wagenknecht schon wieder die Ausweisung eines politisch Andersdenkenden (R. Grenell) – demnächst ohne Not auch bei Will & Co, denn unerwünscht scheinen die SED-Methoden ja nicht zu sein, wenn Ex-Stasi Kahane & Prügel-AntiFa darüber entscheiden, was gesagt werden darf und was nicht.

    Genau das kommt eben dabei raus, wenn 68er politische Bildung betreiben. Der institutionalisierte Linkspopulismus hierzulande kann nurmehr von außen durchbrochen werden.

    1. 1. Die Type ist kein „Andersdenkender“ und auch nicht Twitter-Spasti XY, sondern ein Diplomat. Er hat sich als Botschafter nicht in die inneren Angelegenheiten seines Abordnungslandes einzumischen. Er hätte schon nach seinen Ermahnungen der deutschen Wirtschaft hinsichtlich unserer Freunde im Iran sofort zur persona non grata erklärt werden müssen. Und jetzt erst recht.

      2. Wagenknecht ist (glaube ich) Jahrgang 1969 und somit kaum eine „68erin“.

      3. Zur „Ausweisung“ dem grottigen Möchtegern-Dichters Biermanns gibt es ein schönes Zitat von Peter Hacks – also von dem bis auf weiteres letzten großen deutschen Dichter:

      Böll, man kennt ihn, ist drüben der Herbergsvater für dissidierende Wandergesellen. Biermann hat in seinem Bett übernachtet, und ich hoffe, er hat nicht noch Solschenizyns Läuse darin gefunden.

      1. 1. Wenn ‘die Type’ kundgetan hätte sich im Sinne Ressettlement, Grüne, Open Border… hierzulande einzumischen, wäre er der Darling mit wöchentlichen Termin zum Essen beim Genossen Frank-Walter.

        2. Der Marsch in die Institutionen begann 68. Jetzt hocken sie und ihre Kinder drinnen. Deshalb bekommen wir ja für gewöhnlich auch nur die halbe Wahrheit über den 68er Gründungsmythos zu hören. Benno Ohnesorg wurde von Karl-Heinz Kurras erschossen. Einem zu dem Zeitpunkt seit 12 Jahren im Westberliner Polizeiapparat bestens implemetierten SED-Agenten. Sein Parteiauftrag: Destabilisierung der Bundesrepublik. Hat super funktioniert – Regierender Bürgermeister trat zurück. Radikalisierung. Linksextremismus. Terrorismus.*
        Gewalt ist schon wieder legitim. Welcome to hell.

        3. Grottige Möchtegern-Dichter abseits der Parteilinie muss man ausweisen? Jawoll Genosse. Oder gleich erschiessen. (Sarcasm off)

        *Leseempfehlung: ‘So macht Kommunismus Spaß’ von Bettina Röhl (Tochter der RAF-Meinhof)

      2. Ja, es gibt diese reichen, linksliberalen und volksfeindlichen Eliten ohne Zweifel – In Washington und New York, in London, in Berlin und sonstwo. (Sage ich mal so als AfD-Wähler.)

        Ja, es besteht ein Nexus zu „1968“. (In Deutschland war das entscheidende Jahr übrigens 1967, nicht 1968.)

        Aber: Nein, wann wird den Linksliberalen nicht beikommen können, indem man sich wie ein Twitter-Prolet benimmt. Und als Botschafter, der wie wie Möchtegern-Kolonialherr auftritt, schon mal gar nicht. Die Type (Grenell? Kann mir den Namen nicht merken…) muß unbedingt rausgeschmissen werden. Damit hat Wagenknecht vollkommen recht. Wir sollten da unsere Standards und unseren Ehrenkodex haben.

        Wäre ich US-Amerikaner, hätte ich auch Trump gewählt, klar. Schon um die entsetzliche Hillary C. zu verhindern. Aber der Mann mit seiner Entourage ist einfach ein unberechenbares Sicherheitsrisiko. Wir sollten uns an Rußland und an den Iran annähern. Eurasien eben.

        Deine Bemerkungen über die Ermordung Benno Ohnesorgs halte ich für Springerpressen-Unfug.

      3. Der ‘Springerpressen-Unfug’ wird durch Dokumente aus der Birthler-Behörde belegt.

        ‘Die jetzt eilig diskutierte Frage, was hätten die Studenten anders gemacht, oder die an den Haaren herbei gezogene Frage, was die Springerpresse – die einzige, die damals einen kühlen Kopf bewahrte – anders gemacht hätte, wenn sie gewusst hätte, wer Kurras war, sind typische Produkte der routinemäßig geklitterten 68er-Geschichte.

        Es ist völlig irrelevant, was die damaligen Radikalen anders gemacht hätten. Die eigentliche Frage lautet nämlich, wie oben ausgeführt: was hätte die Berliner Regierung anders gemacht? Was hätte Heinrich Albertz anders gemacht? Diese Frage ist leicht beantwortet: er wäre nicht zurück getreten. Die Gesellschaft hätte den radikalen Studenten unter diesen Umständen womöglich kein Gehör geschenkt und ihnen die völlig aufgeblähte Bedeutung versagt. Es hätte diesen Sieg der APO nicht gegeben und die Bundesrepublik wäre eine andere geworden.’

        https://www.welt.de/debatte/weblogs/Sex-Macht-und-Politik/article6065978/Tod-von-Benno-Ohnesorg-Staatsmord-aus-Ostberlin.html

  12. Gestern wurden erste Resultate einer dänischen Studie veröffentlicht, welche die politischen Einstellungen von Medienschaffenden in 17 entwickelten Ländern untersucht hat.

    Die ersten Resultate der dänischen Studie unterstreichen das verbreitete Vorurteil. Am häufigsten stehen die Journalisten grünen Ideologien nahe, gefolgt vom Feminismus. Es gibt in den Redaktionen durchschnittlich drei Mal so viele Grüne und Feministen wie im Rest der Bevölkerung. Auf Platz drei liegt der Sozialliberalismus, gefolgt von Kommunismus und einer pro-europäischen Haltung. Diese drei Einstellungen sind bei den Medien doppelt so häufig vertreten wie in der Bevölkerung. Am seltensten ist eine nationalkonservative Haltung. Sie ist in der Bevölkerung rund sechs Mal häufiger vertreten als bei den Journalisten.

    Der Begriff ‘Lückenmedien’ ist insofern noch milde. Das ist häufig nurmehr AgitProp wie ihn Lenin vor 100 Jahren einforderte und in Form der ‘Prawda’ zum Klassiker wurde.

  13. Deutsche Geschichte reduziert auf 12 Jahre …. furchtbare Jahre, eine ganz schlimme Zeit … aber mal im ernst …. Deutsche Geschichte ist mehr als die Nazizeit …. ihr spielt den Spinnern der AfD doch nur zu mit dem Selbsthass auf die eigene Geschichte …. kein anderes Land ist jemals für seine Schuld so sehr eingestanden wie Deutschland … weder England, die USA oder Frankreich … und besonders nicht die Russen für Stalin. Die Nazizeit war nur ein Funken in der deutschen Geschichte … leider ein sehr intensiver mit viel Leid und Grausamkeit aber das ist doch nicht das Alleinstellungsmerkmal eines Landes . Was wir an Wiedergutmachung geleistet haben ist nicht im Bruchteil von anderen Ländern für ähnliche Verbrechen geleistet worden. Ok, Krieg verloren …. was auch gut war … aber das ist wohl das einzige Kriterium für die ewige Schuld. Was denken wohl die Indianer, die Australischen Ureinwohner oder die Menschen im Kongo? Heute gerade heute. Unser Leid steht auf ewig hinten an. Interessiert niemanden, weil Genozid nur angeprangert wird wenn es politisch oder idiologisch passt. Was hat die AfD stark gemacht? Mal nachdenken. Und es wird sicher nicht besser wie man zurzeit in Europa, Russland und den USA sieht. Populisten und Rechte sind auf dem Vormarsch …. und die Schuld liegt eindeutig an den Verweigerern der Realität. Schönreden und Verleugnen stärkt nur die Position der Extremen. In 50 Jahren war dann wieder keiner Schuld …. Deja Vu ….

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