Anzeige

„Ich habe an Herrn Gauland zur Zeit keine Fragen“: AfD-Fraktionschef nach „Vogelschiss“-Zitat auch bei Anne Will unerwünscht

Wie umgehen mit AfD-Politiker Gauland nach seinem viel kritisierten "Vogelschiss"-Vergleich? Die öffentlich-rechtlichen Talker Anne Will, Sandra Maischberger und Maybrit Illner gehen auf Distanz

Sollen politische Talkshows Alexander Gauland nicht mehr einladen? “Hart aber fair”-Chef Frank Plasberg erklärte bereits, den AfD-Politiker nicht mehr als Gast anzufragen. Gegenüber MEEDIA erklärte auch Anne Will: “Ich persönlich habe an Herrn Gauland nach dieser verachtungswürdigen Relativierung des Holocaust zur Zeit keine Fragen.” Auch andere Talker beziehen auf Anfrage eine klare Position.

Anzeige

Von Nora Burgard-Arp und Alexander Becker 

Bereits am gestrigen Montag hatte Plasberg gegenüber dem Tagesspiegel erklärt: „Wir werden Herrn Gauland nicht mehr in unsere Sendung ‚hart aber fair‘ einladen“. Weiter sagt er: „Wer die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert, kann kein Gast bei „hart aber fair“ sein.“

Der AfD-Fraktionschef im Bundestag hatte am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach gesagt: “Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.” Der Satz fiel nach einem Bekenntnis zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus mit Millionen ermordeten Juden und Millionen Kriegstoten. Die Äußerung löste breite Empörung aus.

Gauland selber betonte am Montag, er habe die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht bagatellisieren wollen, sondern seine “tiefste Verachtung” für den Nationalsozialismus mit dem Begriff “Vogelschiss” zum Ausdruck bringen wollen.

Neben Gauland sprach Plasberg zudem gleich noch einen Bann gegen dessen Parteikollegen Björn Höcke aus.

MEEDIA fragte bei den anderen öffentlich-rechtlichen Talksshows nach, wie sie mit dem potentiellen Gast Alexander Gauland nach dessen Äußerungen umgehen werden. Anne Will erklärt:

Das Spiel, das die AfD spielt, um die Grenze des bisher Sagbaren auszudehnen, ist nicht neu. Neu ist, dass die Talkshowredaktionen diese Grenze nun definieren sollen und ein gewähltes Mitglied des deutschen Bundestages, der zudem Partei- und Fraktionsvorsitzender der größten Oppositionspartei ist, öffentlich „ausschließen“ sollen. Das geht am eigentlichen Problem meilenweit vorbei. Als Redaktion eines ARD-Talkformats haben wir eine staatsvertraglich festgeschriebene Pflicht zu einer Berichterstattung, die alle gesellschaftlichen Kräfte angemessen berücksichtigt. Zugleich lassen wir uns nicht instrumentalisieren und bleiben bei unserem klaren Kurs: Wir entscheiden nach journalistischen Kriterien, wen wir einladen und wen nicht.

Ihre Statement gipfelt in einer sehr klaren Ansage in Richtung des AfD-Politikers:

Ich persönlich habe allerdings an Herrn Gauland nach dieser verachtungswürdigen Relativierung des Holocaust zur Zeit keine Fragen.

Ebenfalls auf MEEDIA-Anfrage sagte Sandra Maischberger, dass sich die Redaktion bei jedem Gast die Frage stelle, “was sie oder er zum aktuellen Thema inhaltlich einbringen kann – jenseits der Parteizugehörigkeit, Religion oder Herkunft.” Natürlich dürfe die Sendung nicht zur Plattform extremer Meinungen einzelner werden, die das Format missbrauchen würden. “Das haben wir in der Vergangenheit vermeiden können und werden es auch in Zukunft tun.“

Maybrit Illner wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass in diesem Jahr überhaupt erst einmal ein AfD-Politiker in ihrer Sendung aufgetreten sei. Nach Meinung der ZDF-Journalistin verdeutliche dies, wie sorgfältig und überlegt man bei Einladung von AfD-Vertretern entscheiden würde. “Herr Gauland war seit seiner AfD-Mitgliedschaft zwei Mal zu Gast bei ‚Maybrit Illner‘, zuletzt 2016.”. Auch Illner formulierte eindeutig: “Wir sind in den letzten zwei Jahren bei keiner skandalösen Äußerung von Herrn Gauland auf die Idee gekommen, ihn einzuladen. Wir werden es auch kommenden Donnerstag nicht tun.”

Anzeige