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Framing, Flüchtlinge und Audience Flow: “Hart aber fair” hat seine besten Tage hinter sich

Flüchtlings-Talk bei “hart aber fair”
Flüchtlings-Talk bei "hart aber fair"

Kritik gab es diesmal schon vor der Ausstrahlung der ARD-Talkshow "Hart aber fair". Nachdem auf Twitter das Thema "Flüchtlinge und Kriminalität" angekündigt worden war, zeigte sich, dass die Redaktion mit dem Begriff Framing offenbar nichts anzufangen weiß. Die Show selbst zeigte dann, warum "Hart aber fair" als Format die besten Tage wohl hinter sich hat.

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Zunächst einmal ist es schon ein bisschen peinlich, wenn eine ARD-Talkshow-Redaktion öffentlich kundtut, den Begriff “Framing” nicht zu kennen.

Gemeint ist mit Framing das In-Beziehung-Setzen von Worten und Begriffen. Beim Titel “Flüchtlinge und Kriminalität” werden die beiden Begriffe automatisch in Beziehung zueinander gesetzt und verbunden. Im Kopf entsteht das Bild des kriminellen Flüchtlings. It’s Kontext, Baby! Dass dies im Falle “Hart aber fair” vermutlich nicht so gemeint war – geschenkt. Zumal die “Hart aber fair”-Ausgabe eine Fortsetzung der zuvor gelaufenen Doku “Das Mädchen und der Flüchtling” war, in der es um den Fall Kandel ging, bei dem ein Flüchtling seine deutsche Ex-Freundin mit einem Messer getötet hat.

Der Fachbegriff für diese Art von Themen-Erweiterung lautet “Audience Flow”. Man reicht die Zuschauer praktisch von Sendung zu Sendung weiter. Gerade “Hart aber fair” hat damit recht gute Erfahrungen gemacht, zumindest was die Quote angeht. Das führte in der Vergangenheit freilich schon mal dazu, dass in der einstmals politischen Talkshow über die Reißfestigkeit von Bluejeans debattiert wurde, weil vorher halt der “Markencheck” zum Thema Jeans lief. Eine beitragsfinanzierte Talk-Sendung sollte solche Quoten-Kinkerlitzchen eigentlich nicht nötig haben – sollte man meinen.

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Und so war auch das Thema diesmal zwar nicht so banal wie Beinkleidung aber doch auch irgendwie daneben. “Flüchtlinge und Kriminalität” ist ein derart weit gefasstes Thema, dass es immer gleichzeitig passend und unpassend ist. Moderator Frank Plasberg hätte auch über den Skandal rund um das BAMF diskutieren lassen können – ein Thema von weitaus aktuellerer Brisanz aber das hätte dann eben nicht zur vorher gelaufenen Doku gepasst.

Die Sendung selbst, u.a. mit Grünen-Chefin Annalena Baerbock und CSU-Generalsekretär Markus Blume, war dann weder schlimm, noch gut. Es wurden sattsam bekannte Argumente ausgetauscht, wie dass man Flüchtlinge nicht über einen Kamm scheren darf, dass in einigen Ländern noch mittelalterliche Vorstellungen von der Rolle der Frau herrschen, dass man auch das Positive sehen soll, das Migranten einbringen können, dass man aber Kriminalität natürlich nicht verschweigen darf und so weiter und so fort und so vorhersehbar. Teilweise hatte man das Gefühl, man konnte die ausgetauschten Stanzen mitsprechen.

Als die ARD einst ihre Talkshows wegen der Verpflichtung von Günther Jauch durcheinander rührte, landete “Hart aber fair” auf dem unglücklichen Montags-Sendeplatz und hat sich nie wieder so recht davon erholt. Am Sonntag greift “Anne Will” in der Regel die Agenda-Themen mit den Top-Gästen ab, Plasberg und seine Truppe muss schauen, was vom Tage übrig bleibt.

Hinzu kommt das Problem, dass das Format der Sendung spürbar in die Jahre gekommen ist. Der Vorteil früher war mal, dass “Hart aber fair” einiges anders machte, als herkömmliche Talkshows. Die Diskutanten sitzen an einer Art Pult, der Moderator steht und geht auch mal dazwischen. Das Hineingrätschen in allzu schwafelige Ausführungen oder der Verweis auf einen “Faktencheck” nach der Sendung waren mal frisch, originell und dynamisch. Mittlerweile ist der einstige Oberlehrer Plasberg müde geworden und der Hinweis auf den Faktencheck scheint nur noch ein probates Mittel, um unliebsame Ausführungen effektiv abdrehen zu können. Was “Hart aber fair” einst auszeichnete, ist zum erstarrten Ritual verkommen.

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Alle Kommentare

  1. Nur noch Herrn Winterbauers Artikel können auf meedia.de kommentiert werden. Respekt dafür. Ansonsten gilt “Agitprop-Kommandos vor, Kommentare zu”. Lohnt sich nicht mehr sich mit meedia.de zu beschäftigen.

    1. Was gibt es daran auszusetzen? Lesen können Sie die Beiträge ja immer noch! Aber anscheinend geht es Ihnen nur darum, dass blau-braunen Bessermenschen nun ein Forum genommen wird, in dem sie bislang nach Lust und Laune trollen konnten. So liest sich Ihr Kommentar wie das Heulen eines Kleinkindes, dem ein Spielzeug weggenommen wurde. Buhuu!

  2. Vielleicht erledigt sich die mediale Causa Plasberg noch vor der medialen Causa Gauland. Beides wären gute Nachrichten.

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