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Witzig oder rassistisch? Satiremagazin Charlie Hebdo stellt muslimische Studentenführerin als Affen dar

Links: Maryam Pougetoux, Führerin der Studentenunion UNEF, im Interview mit “Le 19:45”; rechts: Cover von Charlie Hebdo
Links: Maryam Pougetoux, Führerin der Studentenunion UNEF, im Interview mit "Le 19:45"; rechts: Cover von Charlie Hebdo

Das Satire-Magazin Charlie Hebdo ist mit seinen religionskritischen Karikaturen weltweit berühmt geworden und nahm sich auch nach dem fürchterlichen Anschlag 2015 nicht zurück. Mit ihrer aktuellen Ausgabe liefert die Redaktion wieder Gesprächsstoff für die Debatte über die Freiheiten und Grenzen von Satire: Auf Seite eins zeichnet Charlie Hebdo eine muslimische Frau als Affen.

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Die Frau auf dem Cover soll eine Abbildung von Maryam Pougetoux sein. Sie ist Vorsitzende der Studentenunion UNEF an der Pariser Universität Sorbonne. Pugetoux wurde in der Vergangenheit wegen ihres Hijab kritisiert, den sie auch in einer Dokumentation über die Proteste zur französischen Bildungsreform trug. Seit 2004 ist das Tragen von Kopftüchern und anderen auffallenden, religiösen Symbolen in Schulen verboten. Der französische Innenminister empfand das Auftreten als Provokation.

Der Karikaturist Laurent Sourisseau hat sich für seine Titelseite wohl von einem Beitrag aus der französischen Nachrichtensendung “Le 19:45” inspirieren lassen. Der hat Pougetoux ein Interview gegeben. Allerdings wurde die Studentenunionsführerin soweit entfremdet, dass sie Ähnlichkeiten mit einem Affen aufweist: aufgerissener, sabbernder Mund, hervorstehende Zähne, große Zunge. In der Zeichnung sagt sie “Sie haben mich gefangen, um den UNEF zu leiten.”

Zahlreiche Twitter-Nutzer hinterfragen die Karikatur, darunter auch die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli:

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Der Nahost-Journalist von Spiegel Online, Christoph Sydow, verglich die Karikatur mit der jüngst erschienenen und stark kritisierten Zeichnung von Dieter Hanitzsch in der Süddeutschen Zeitung, die als antisemitisch bezeichnet wurde. Er schreibt, dass die SZ-Karikatur im Vergleich ein Waisenknabe sei. ”Eine 19-jährige Muslima als Affen darzustellen, gilt in Frankreich im Jahr 2018 als Satire.” Daniel Bax, Projektleiter beim Mediendienst Integration, sieht die letzten Zweifel ausgeräumt, dass das Satiremagazin ein “rassistisches Deckblatt” sei und begründet seine Meinung mit der Satire-Definition von Publizisten Kurt Tucholsky, der zwar erst gesagt hatte, dass Satire alles dürfe, seine Definition aber später ergänzte.

Charlie Hebdo ist bekannt wie auch umstritten für seine religionskritischen Karikaturen und wurde bereits mehrfach auffällig dabei, vor allem mit dem Islam besonders kritisch umzugehen. Oft sind die Titelseiten des Magazins Anlass für Diskussionen über die Grenzen der Satire. Im Januar 2015 kam es auf die Redaktion des Magazins zu einem grausamen Terroranschlag.

(lk)

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