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Wochenrückblick: Warum Kai Diekmanns “Zaster” Content-Marketing ist

“Zaster”, das Gespenst DSGVO, Kapitän Burger und Sparfuchs Scholz
"Zaster", das Gespenst DSGVO, Kapitän Burger und Sparfuchs Scholz

Sascha Hehn, aka Kapitän Victor Burger, geht beim ZDF-"Traumschiff" von Bord. Kai Diekmanns Kapital-Portal "Zaster" ging an den Start. Finanzminister Olaf Scholz hat ein Sparbuch und die DSGVO bringt alle durcheinander. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Es gibt wenige Nachrichten, die mich derartig emotional fesseln wie jene, dass Sascha Hehn als Kapitän des ZDF-“Traumschiffs” von Bord geht. Das hat die Bild am heutigen Freitag enthüllt und in allerfeinster Medienjournalistenmanier möchte ich formulieren: Das ist ein Paukenschlag! Ich muss vielleicht erklären, dass ich ein gewisses Faible für das “Traumschiff” pflege. Die Mixtur aus fröhlich-buntem Kultur-Imperialismus (Alle sprechen deutsch, Eingeborene haben zu tanzen), den an den Haaren herbeigezogenen und trotzdem allzeit vorhersehbaren Drehbuch-Volten und der Schauspielerei irgendwo zwischen Knallchargen und Selbst-Persiflage zog mich jahrelang zu Weihnachten und Ostern in den Bann. Den Höhepunkt erreichte die Reihe mit der legendären Folge, als die “Traumschiff”-Crew nach abenteuerlichen Handlungskapriolen und Hubschrauberflügen in Las Vegas aufschlug und “Beatrix von Ledebur” sich bei Siegfried und Roy “verzaubern” ließ. Aber: Tempi schon lange passati. Das Hehnchen galt als perfekter Kapitäns-Nachfolger für den leider mittlerweile verstorbenen Siggi Rauch. Sascha Hehn war nämlich als Victor Burger in den allerersten Folgen schon mal als Steward an Bord. Schnell stellte sich heraus, dass der neue Kapitän Hehn bei weitem nicht so ein guter Darsteller ist, wie er vermutlich meint. Nun gab er in Bild zu Protokoll, die Serie habe ihren Charme verloren. Da hat er freilich nicht unrecht. Der Wechsel des Schiffs von der MS Deutschland zur Amadea, der mittlerweile komplette Austausch der Alt-Besatzung (zuletzt wurde Heide “Schlachtschiff” Keller durch Barbara Wussow ersetzt), der Tod von Produzent Wolfgang Rademann. All dies hat Spuren beim einstigen Quoten-Liebling “Traumschiff” hinterlassen. Die Geschichten sind kein wohliges Vollbad im Klischee mehr, sondern nur noch wirr zusammengestückelter Unfug. Die Regie lässt den Darstellern jedes Mätzchen durchgehen. Liebgewonnene Rituale, wie der Tortenmarsch am Ende, werden mit Füßen getreten. Der Ausstieg von Sascha Hehn setzt die Produktion nun nochmals unter Druck. Bin gespannt, wie das ZDF damit umgeht, ob man nochmal die Kurve kriegt oder das Format entschlummern lässt.

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Diese Woche ging dieses Finanzportal von Ex-Bild-Chef Kai Diekmann online, das auf den Namen “Zaster” hört. Das soll wohl betont locker und jugendlich klingen, ist aber ein Wort, das man eher aus dem Munde der von Dr. Erika Fuchs betexteten Panzerknackerbande vermuten würde. Da gehörte es auch hin. “Zaster”, das Medium, soll das Thema Geld und Finanzvorsorge unterhaltsam, frisch und frech aufbereiten. Ich würde sagen, das ist eher so mittel gelungen. Vieles von dem, was ich bei bei “Zaster” so lese, klingt dann doch ein bisschen arg gewollt originell. Das Grundproblem der Seite ist freilich, dass Diekmanns “Zaster” letzten Ende doch Corporate Publishing, bzw. Content Marketing ist. Das verrät schon die Webadresse, bei der “Zaster” nämlich nur eine Sub-Domain des “Zukunftsfonds” ist, den Diekmann mit seinem Buddy, dem Ex-Banker Lenny Fischer, unter die Leute bringen will. Dass der “Zukunftsfonds” in der “Zaster”-Berichterstattung nicht auftaucht, tut dabei nichts zur Sache. Der “Zukunftsfonds” taucht auch in den Content-Anzeigen, die in Bild und Welt geschaltet wurden, nicht namentlich auf, trotzdem sind es Anzeigen. Dass der Vollblut-Journalist Diekmann nun landläufig erklärt, “Zaster” sei als Medium “unabhängig” von seinem “Zukunftsfonds”, irritiert.

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Laut “Zaster” wäre der deutsche Finanzminister Olaf Scholz ein ziemlicher Nixblicker. Der verriet der Bild am Sonntag nämlich, dass er sich um seine eigenen Finanzen gar nicht kümmert, bzw. sein Geld auf dem Sparbuch liegen hat, was laut “Zaster”-Experten ja so ziemlich das Dümmste ist, was man mit seinem Geld machen kann. In der Tat ist das Sparbuch-Bekenntnis des Olaf Scholz nicht wirklich superschlau. Falls er den BamS-Fragern damit Bodenständigkeit suggerieren wollte, ist das gründlich in die Hose gegangen.

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Heute ist der Tag der großen DSGVO-Verwirrung.

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Gemeint ist natürlich die EU-weite Datenschutzgrundverordnung, von der immer noch nicht ganz klar ist, was sie schützt und wem sie nützt. Die DSGVO führte jedenfalls in den vergangenen paar Tagen zu einer Flut an Torschlusspanik-Mails von allen möglichen Einrichtungen, die einem sonst mehr oder weniger ungefragt E-Mails in die Inbox liefern. Schon erstaunlich, dass die ganzen Firmen erst einen Tag vor Inkrafttreten der DSGVO daran denken, nun aber noch schnell eine Privacy-Policy-Mail rauszuhauen. Einige internationale Medien wie etwa die LA Times oder die Chicago Tribune (gehören beide zur Tronc-Gruppe) waren an diesem Freitag von der EU aus gar nicht mehr zu erreichen, weil man dort besonders tief gepennt hat. Und auch der durchaus beliebte Später-Lesen-Service Instapaper hat erstmal in der EU den Stecker gezogen. Dabei kam die DSGVO in etwa so überraschend wie jedes Jahr Weihnachten. Die für mich schönste Torschluss-Mail kam übrigens von der englischen Dependance des Ticketverkäufers Eventim. Oben drüber stand “Another one”, die Betreffzeile lautete “A lovely Privacy Policy email just for you …” und auch aus dem Text sprach eine gewisse Lakonie:

As you’ve probably already guessed, we’ve updated our Privacy Policy – you can read the updated version here.

You can also update your email marketing preferences here.

If you have any further questions, please contact us here.

Fan-tastic.

Eventim HQ

Ihnen ein Fan-tastic Weekend!

PS: In der aktuellen Ausgabe des Medien-Podcasts “Die Medien-Woche” spreche ich mit Kollege Christian Meier von der Welt natürlich auch über den Abgang von Sascha Hehn beim “Traumschiff”. Außerdem geht es um die bizarre Anhörung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem EU-Parlament und das Medienkonzentrations-Special der Satire-Show “Die Anstalt”.

Korrekturhinweis: In einer alten Version des Textes hieß es, für „Zaster“ seien auch Content-Anzeigen bei t-online.de geschaltet worde. Dies war nicht korrekt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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