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Paukenschlag bei DuMont und Madsack: Verlagshäuser gründen gemeinsame Hauptstadt-Redaktion

Madsack-Manager mit Machtzuwachs: Wolfgang Büchner und Uwe Dulias grüßen künftig als Geschäftsführer der Berliner RND-Zentrale
Madsack-Manager mit Machtzuwachs: Wolfgang Büchner und Uwe Dulias grüßen künftig als Geschäftsführer der Berliner RND-Zentrale

Überraschender Coup in der hart umkämpften Branche der Regionalzeitungen: Die Verlage Madsack und DuMont schließen sich zu einer strategischen Partnerschaft zusammen, um eine gemeinsame Redaktion für Politik und Wirtschaft in Berlin zu gründen, die von der Zeitungsgruppe aus Hannover dominiert wird. Damit dürfte aber die journalistische Vielfalt der Zeitungen weiter leiden.

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Wie die beiden Unternehmen mitteilen, wollen die beiden Verlage die RND Berlin GmbH ins Leben rufen. Daran soll das zu Mediengruppe Madsack gehörende RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zu 75 % und DuMont zu 25 % beteiligt werden, heißt es. Die neue gemeinsame Hauptstadtredaktion soll alle journalistischen Inhalte aus den überregionalen Themenfeldern Politik und Wirtschaft für beide Mediengruppen liefern, teilt die Unternehmen mit. Zudem würden sechs Titel von DuMont damit Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland, das dann täglich bis zu 6,8 Mio. Leser von über 50 Tageszeitungen erreichen wird.

Die tägliche Gesamtauflage aller Titel beträgt 2,3 Mio. Exemplare. „Die publizistische Relevanz unseres RedaktionsNetzwerks Deutschland nimmt durch die Partnerschaft nochmals deutlich zu“, sagt Madsack-Chef Thomas Düffert. „Das ist Ansporn und Verantwortung zugleich. Mehr denn je bin ich von der Stärke regionaler Tageszeitungen im Verbund überzeugt. Das ist der Weg, um Qualitätsjournalismus weiter zu stärken“, so Düffert. Auch Christian DuMont Schütte, Aufsichtsratsvorsitzender von DuMont und Herausgeberm, sieht die Allianz positiv. „Mit unserem hohen Qualitätsanspruch und der bemerkenswerten Reichweite ist dieses journalistische Netzwerk in Zeiten politisch wie gesellschaftlich großer Herausforderungen ein klares publizistisches Signal. Die Partnerschaft stellt noch intensivere Recherche und hervorragende Berichterstattung relevanter Themen aus Politik und Wirtschaft sicher“, betont Schütte. Die RND Berlin GmbH soll ihren Sitz im bisherigen Hauptstadtbüro des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) im Gebäude der Bundespressekonferenz haben, heißt es. Fraglich ist hierdurch, ob damit die journalistische Vielfalt in Gefahr gerät.

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Geschäftsführer des RND Berlin werden die RND-Chefs Wolfgang Büchner sowie Uwe Dulias. Büroleiter in Berlin bleibt der aktuelle Büroleiter des RND, Gordon Repinski. Auch die weiteren in Berlin ansässigen Journalisten des RND wechseln in die neue Gesellschaft. Mit der Neuausrichtung wollen die beiden Verlage darüber hinaus die Anzahl der beim RND Berlin beschäftigten Journalisten mehr als verdoppeln. Die neuen Stellen sollen nach der Gründung der Gesellschaft kurzfristig ausgeschrieben und besetzt werden.

Die Neuausrichtung hat auch Konsequenzen für die DuMont-Zeitungstitel Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Mitteldeutsche Zeitung sowie der Express, die Hamburger Morgenpost und der Berliner Kurier. Sie sollen vom 1. Oktober 2018 überregionale Inhalte aus den Bereichen Politik und Wirtschaft des RND erhalten, heißt es. Die Produktion der Seiten erfolge wie für alle Partner des RND am Madsack-Standort in Hannover. Die Zusammenarbeit steht steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt.

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Alle Kommentare

  1. Der einzelnen Leserin und dem einzelnen Leser dürfte kein nennenswerter Nachteil entstehen, ob die Berichte nun aus der einen oder aus der anderen Zentralredaktion kommen.

    Die wichtige Frage geht in die andere Richtung: Die fusionierte Zentralredaktion der beiden Konzerne hätte eine enorme publizistische und politische Macht gegenüber Politik, Wirtschaft und allen anderen Personen und Organisationen der Berichterstattung. Mit der Funke-Zentralredaktion existiert bereits ein weiterer Riese.

    Es ist doch absehbar, dass diese publizistische Konzentration schnell voranschreiten wird. Und man muss nicht sonderlich prophetisch begabt sein, um vorherzusehen, dass mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern, einer Handvoll Zeitungs-Großredaktionen und einigen großen Magazinen in Deutschland nur noch höchstens ein Dutzend ernstzunehmende Nachrichtenredaktionen existieren werden.

    Was passiert, wenn ein auf ein Fachgebiet spezialisierter Politiker einen der wenigen mächtigen Journalisten in diesem Ressort ärgert? Und wie wird die Heerschar von Lobbyisten und PR-Spezialisten auf diese wenigen und als Beute lohnenden Journalisten losgehen?

  2. In Zeiten, als es noch pluralistische Medien in diesem Land gab und kontroverse Ansichten noch öffentlicht diskutiert wurde, war es wichtig, dass unterschiedliche Medien die divergierenden Ansichten publizistisch vetraten. Da seit einigen Jahren der Meinungskorridor immer kleiner wird, ist es nur folgerichtig, dass man sich das Geld spart, um in unterschiedlichen Redaktionen deckungsgleiche Artikel zu erstellen. Die meisten überregionalen Artikel werden übrigens bereits heute von der dpa beigesteuert. Es wird sich also nicht viel durch die Fusion ändern.

  3. 3 Antworten:
    1) die Regonalzeitungen sehen jetzt schon aus wie Autos: mainstream, alles gleich, links eine Spalte, rechts eine, dazwischen 4-spaltiger Layoutkitsch. Ein Hoch auf die vielgerühmten Zeitungs-Designer: Alles Deppen!
    2) Die Zeitungen gleichen sich nicht nur im Layout. Auch im Inhalt. Man sortiere mal die Eigner der jeweiligen Verlage – verdächtig oft: dvvg – sprich: SPD. Die Partei hat ihre politsche Amplitude ins Mediengeschäft verlagert.
    3) den Wurf im Digitalgeschäft hat keine Zeitung, hat kein Verlag ernstzunehmend beantwortet.
    In Summa: die Verleger haben es nicht gepackt – aber die Leser sollten nicht die Nase rümpfen: es lag an Ihnen, dem Frevel Einhalt zu gebieten.

  4. Die “westdeutsche” Presse erinnert mich immer mehr an die Blockparteizeitungen der untergegangenen DDR.
    Die Zeitungen hatten auch verschiedene Namen und manchmal noch ein anderes Bild auf der Titelseite, in allen stand praktisch dasselbe.
    (“Tolle Regierung”, “Aufschwung ohne Ende”, usw.) Kommt Ihnen dies bekannt vor ?

    Auch der regionale Teil wird immer kleiner und kleiner. Meist wird über große “Events” berichtet, z.B. Rockkonzerte oder Sportturniere, die zudem überregional sind und in vielen “Lokalzeitungen” parallel abgedruckt werden können, aber was lokal in den Stadtteilen passiert liest man in der “Lokal-” Zeitung kaum noch. Da bieten die Gratis Anzeigenblätter fast mehr.
    Überall nur Kosten einsparen, keine Comics mehr, weniger Rätsel, immer weniger Mitarbeiter, die immer mehr und schneller schreiben müssen (Rechtschreibfehler en masse !), alles austauschbar. Eine Lokalzeitung lebt(e) aber eigentlich von der Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit.
    Damit wird sich der Niedergang nur noch beschleunigen. Wo Madsack und Dumont sparen, spart sich dann auch ein Großteil der Leser bald diese Zeitungen.

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