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“Entspricht nicht den Standards der NZZ”: Neue Zürcher Zeitung entschuldigt sich für unwidersprochenes antisemitisches Zitat

Artikel auf NZZ.ch mit antisemitischem Zitat
Artikel auf NZZ.ch mit antisemitischem Zitat

Die Neuer Zürcher Zeitung hat in einem Artikel ein antisemitisches Zitat der Psychotherapeutin Ursula Hauser verbreitet. Der Autor hat die Aussage kommentarlos stehen lassen. Bei der so genannten "Brunnenvergiftung" handelt es sich um eine Jahrhunderte alte antisemitische Lüge. Die NZZ entschuldigt sich und löscht die Passage.

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Am heutigen Freitag hat die Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) ein Portrait über Ursula Hauser veröffentlicht. Die Psychotherapeutin engagiert sich in Krisengebieten wie Israel und Palästina. In der NZZ fällt sie nun mit einer antisemitischen Äußerung auf. In dem Text von Beat Grossrieder geht es vor allem um ihre Erfahrungen im Gaza-Streifen, den sie vor kurzem besucht hat. Sie sagt, seit die Terrororganisation Hamas das palästinensische Gebiet kontrolliere und Israel stärker auf Konfrontationskurs gehe, sei die Lage brenzlig geworden. Grossrieder zitiert sie dann folgendermaßen: “Die Situation ist desolat, es gibt nicht einmal mehr Trinkwasser, weil man alle Brunnen vergiftet hat.”

Die angebliche “Brunnenvergiftung” ist eine Jahrhunderte alte antisemitische Verschwörungstheorie. Sie wurde zum Beispiel im Mittelalter während sich die Pest verbreitete in Umlauf gesetzt, worauf es zu europaweiten Judenverfolgungen kam. Problematisch ist, dass der der Autor des Textes dieses Zitat vollkommen kommentarlos und unwidersprochen stehen lässt. Es fehlt jede Nachfrage, jede Einordnung, jede Kritik an dieser Aussage.

Die NZZ hat den Fehler mittlerweile eingesehen und reagiert auf Twitter, nachdem es zahlreiche Beschwerden gab. Zuerst machte Aras Nathan auf die Passage aufmerksam.

In einem ersten Tweet will die Zeitung den Fehler noch nicht vollumfänglich eingestehen: “Es handelt sich um ein direktes Zitat und die Porträtierte beschuldigt niemanden direkt (‘man’)”, schreibt die NZZ auf Twitter. Nathan antwortete: “Ob dann ‘man’, ‘die Israelis’ oder gleich ‘Juden’ geschrieben wird macht in der Bedeutung keinen Unterschied.” Die Schweizer Zeitung entschuldigt sich zudem. “Wir hätten nachfragen und das Zitat im Text kritisch einbetten müssen.”

Am Nachmittag entfernte die NZZ dann das Zitat im Artikel. Vermerkt ist nun in einer Fußnote folgende Anmerkung:  “Dieser Artikel enthielt in einer früheren Version ein problematisches direktes Zitat, das nicht den Standards der NZZ entspricht. Dafür entschuldigen wir uns.” Dass hier eine antisemitische Lüge unwidersprochen verbreitet wurde, gesteht die NZZ nicht ein. Auch die Frage von MEEDIA diesbezüglich lässt eine Unternehmenssprecherin unbeantwortet.

Weiter schreibt die NZZ auf Twitter, dass Grossrieder Hauser kontaktiert habe. Eine Antwort von Hauser steht auf MEEDIA-Anfrage noch aus.

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