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“Hätte aus dem Stürmer stammen können” – Süddeutsche Zeitung entschuldigt sich wegen antisemitischer Karikatur

Die Karikatur von Dieter Hanitzsch und SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach
Die Karikatur von Dieter Hanitzsch und SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach

Die Süddeutsche Zeitung entschuldigt sich für eine Karikatur von Dieter Hanitzsch, die in der Ausgabe am gestrigen Dienstag erschienen ist. Sie könne als antisemitisch aufgefasst werden, schrieb der Chefredakteur der SZ, Wolfgang Krach. Es kam zu einer Diskussion in der SZ-Redaktion und im Netz. Dem Presserat liegen mehrere Beschwerden vor.

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In der Karikatur ist der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in Gestalt der Gewinnerin des Eurovision Song Contest (ESC), Netta, abgebildet. Netanjahu steht dabei in einer Konzerthalle mit der Aufschrift “Eurovision Song Contest”, streckt eine Rakete in die Höhe, auf der ein Davidstern abgebildet ist, und sagt: “Nächstes Jahr in Jerusalem!”. Der Premier ist mit großen, abstehenden Ohren dargestellt, ein typisches antisemitisches Stereotyp. Der Karikaturist ersetzte zudem das “v” in Eurovision mit einem Davidstern.

Nach Angaben von Krach hat die Zeichnung innerhalb der Redaktion zu Diskussionen geführt. Aber auch im Netz wurde die SZ stark kritisiert.

Einige Nutzer verglichen die Süddeutsche Zeitung auch mit der nationalsozialistischen Wochenzeitung Der Stürmer (1923-1945):

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Die Berliner Niederlassung der US-Nichtregierungsorganisation American Jewish Committee kommentierte die Karikatur folgendermaßen:

Laut dem SZ-Chefredakteur wollte Hanitzsch mit seiner Darstellung lediglich darauf hinweisen, dass das nächste ESC-Finale 2019 in Jerusalem stattfinden soll. Gegenüber der Jüdischen Allgemeinen sagte der Karikaturist, dass ihn der Vorwurf eine antisemitische Zeichnung veröffentlicht zu haben, nicht treffe. Er erklärte weiter: “Habe es so nicht gemeint. Die Politik Netanjahus möchte ich kritisieren können, auch als Deutscher.” Die Rakete mit dem Davidstern sei ein “Symbol für seine nicht sehr friedensfördernde Politik”. Er möchte sich zudem nicht für die Karikatur entschuldigen, bekräftigte er gegenüber der Zeitung.

Im Gegensatz zur SZ. Chefredakteur Wolfgang Krach entschuldigte sich für die Veröffentlichung und gesteht einen Fehler ein. Beim Presserat sind bis Mittwochvormittag vier Beschwerden eingegangen, wie eine Sprecherin gegenüber MEEDIA erklärte.

In der digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung wurde die Karikatur schon entfernt.

Links: Die ursprüngliche digitale Ausgabe der SZ, rechts: die aktualisierte Fassung ohne Karikatur

Der Karikaturist Hanitzsch ist in der Vergangenheit schon einmal wegen einer Karikatur zum transatlantischen Handelsabkommen TTIP, die eine Anlehnung an eine antisemitische Karikatur des Stürmers vermuten ließ, kritisiert worden. Und auch der SZ wurde bereits des öfteren Antisemitismus vorgeworfen.

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