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Zoff um Führungsstruktur: Warum die Ex-Bild-Managerin Donata Hopfen Verimi verlässt

Wenige Wochen nach Launch: CEO Donata Hopfen verlässt Login-Allianz Verimi
Wenige Wochen nach Launch: CEO Donata Hopfen verlässt Login-Allianz Verimi

Die frühere Bild-Managerin Donata Hopfen gibt wenige Wochen nach dem Marktstart die Führung der Login-Allianz Verimi ab. Auslöser hierfür war ein heftiger Streit über die künftige Struktur in der Geschäftsführung. Denn die ehemalige Bild-Managerin wollte offenbar die alleinige Macht in der dreiköpfigen Geschäftsführung besitzen. Sie eckte dabei an und stellte deshalb ihren Posten zur Verfügung. Das Führungsgerangel kommt zur Unzeit. Es schadet dem Unternehmen kurz vor der geplanten E-Privacy-Verordnung.

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Für Donata Hopfen war die Aufgabe einzigartig und visionär. Als ehemalige Bild-Geschäftsführerin wechselt sie im vergangenen Jahr zur Daten-Allianz Verimi. Dort wollte sie eine Art Master-Login aufbauen, die ein Gegengewicht zu den digitalen Giganten Google, Facebook & Co schaffen sollte. Im Oktober übernimmt sie die Leitung der Geschäftsführung der digitalen Plattform, deren Name sich aus den englischen Begriffen verify (prüfen) und me (mich) ableitet.

Jetzt ist für die Spitzenmanagerin bereits wieder Schluss. Sie scheidet wegen „unterschiedlicher Auffassungen in der strategische Führung des Unternehmens“ aus, teilte Verimi am Donnerstag überraschend mit. Hinter den dürren Worten steckt offenbar ein heftiger Streit um ihre Führungsrolle in der Gesellschaft. Eigentlich hatte Hopfen die Geschäftsführung mit dem Anspruch angetreten, dass sie in der Form eines CEO die alleinige Macht in der dreiköpfigen Geschäftsführung besitzt. Damit wollte sie die weiteren Geschicke des Unternehmens steuern, um das Wachstum voranzutreiben.

Damit wären aber ihre beiden anderen Geschäftsführer-Kollegen Holger Friedrich, der unter anderem für die Technik verantwortlich ist, sowie Torsten Sonntag, zuständig für Finanzen, Weisungsempfänger. Das war den beiden Geschäftsführern aber nicht recht. Sie verwiesen angeblich auf einen Passus im Gesellschaftervertrag von Verimi, der eine gleichberechtigte Geschäftsführung vorsah. Damit war aber offenbar Hopfen nicht einverstanden, heißt es in Firmenkreisen. Sie pochte bei den Gesellschaftern auf ihre Führungsrolle. Doch damit eckt sie an und stellte ihr Amt auf der Gesellschafterversammlung am 24. April zur Verfügung.

Tatsächlich ist es nicht ganz nachvollziehbar, dass die Gesellschafter offenbar nun auf Gleichberechtigung der Top-Manager pochen, während sie doch zuvor mit Hopfen eine CEO geheuert haben – in ganzen Worten: Chief Executive Officer.

Branchenkreisen zur Folge ist überdies davon auszugehen, dass Hopfen ihren hochdotierten Job als Bild-Verantwortliche im Springer-Konzern kaum für eine subalterne Führungsrolle aufgeben hätte. Was jetzt auf Unternehmensseite als Griff nach der absoluten Macht gedeutet wird, dürfte vermutlich eher eine wechselseitig enttäuschte Erwartung an die Führungsposition gewesen sein.

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Nun übernimmt Jeannette von Ratibor, stellvertretende Vorsitzende der Verimi-Gesellschafterversammlung, ihre Aufgaben interimistisch. Bis ein neuer Geschäftsführer nachrückt, wollen sich die Gesellschafter über die künftige Führungsstruktur mehr Klarheit verschaffen. Fraglich ist, ob und in welcher Form ein neuer Geschäftsführer als primus inter pares mit eigenem Ressort eine Sprecherrolle in dem Gremium übernimmt. „Es ist die feste Überzeugung der Gesellschafter, dass die Verimi Geschäftsführung gleichberechtigt agieren muss. Das ist bei der Fülle der Aufgaben und den komplexen inhaltlichen Herausforderungen genau der richtige Antritt“, erklärt ein Verimi-Sprecher gegenüber MEEDIA.

Für die machtbewusste Hopfen bedeutet der abrupte Abgang ein erheblicher Einschnitt in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn. Nach knapp 14 Jahren hatte die Mutter von Zwillingen im Spätsommer 2017 ihren langjährigen Arbeitgeber Axel Springer verlassen. Als Geschäftsführerin hatte sie hier die Geschicke der Bild-Gruppe geleitet, dem journalistischen Flaggschiff von Springer. Sie wechselte dabei aus den tradierten Strukturen des Berliner Großkonzerns zu einem im Aufbau befindlichen Start-up.

Bei ihrem Einstieg ins Unternehmen fehlte eine fertige Produktpalette sowie eine Organisationsstruktur, um das junge Unternehmen voranzubringen. Sie suchte geeignete Leute, um die Gesellschaft auszubauen. So standen noch viele Büroräume am Unternehmenssitz leer, einem Gebäude der Bundesdruckerei in Berlin-Mitte, als MEEDIA Hopfen im März zum Interview traf. Doch in Windeseile stampft die Managerin das Unternehmen aus dem Boden und erzielt schnell erste Erfolge. Sie gewinnt neue Partner hinzu und startet ihre Plattform mit dem grünen Button noch vor der Konkurrenz netID. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus RTL, Pro Sieben Sat 1 und Zalando. Die Login-Allianz verfolgt aber zu Verimi etwas anders gelagerte Interessen. Sie will vor allen mediennahe Unternehmen auf die Veränderungen der geplante e-privacy-Regelung vorbereiten. Verimi hingegen will sich breiter aufstellen, um möglichst viele Branchen abzudecken – von der Finanz- bis zur Gesundheitsindustrie. Geplant ist in einem zweiten Schritt, auch Unternehmen aus anderen EU-Ländern einzubinden.

Von Anfang an stand Hopfen jedoch beim Aufbau von Verimi vor großen Herausforderungen. Anders als bei Axel Springer mit der bestimmenden Mehrheitsaktionärin Friede Springer sah sich die Geschäftsfrau bei der Login-Allianz einem größeren Gesellschafterkreis gegenüber. Dazu gehören Schwergewichte der deutschen Wirtschaft – darunter die Deutsche Bank, der Versicherungsriese Allianz oder die Deutschen Telekom. Da die neue Plattform langfristig digitale Behördengänge ermöglichen will, ist auch die Bundesdruckerei an Bord. Vor allem die Deutsche Bank hat nach dem Wechsel ihres Vorstandsvorsitzenden zu Christian Sewing großes Interesse daran, dass die Plattform einem breiten Zuspruch bei ihren Nutzern findet. Für die verimi-Gesellschafter kommt der Führungsstreit zur Unzeit. Denn die geplante e-privacy-Regelung steht vor der Tür. In der derzeitigen Fassung jedoch belastet sie vor allem alle journalistischen und nicht-journalistischen Online-Seiten. Die Digitalbranche rechnet mit finanziellen Einbußen von bis zu 500 Millionen Euro.

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