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Wochenrückblick: die Fragezeichen der Belästigungsaffäre – wie “normal” ist der WDR?

Zuck, “Maischberger”, BW-PR, Gebhard Henke
Zuck, "Maischberger", BW-PR, Gebhard Henke

Iris Berben verteidigt WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke gegen Belästigungsvorwürfe. Charlotte Roche erklärt im Spiegel, er habe sie am Po angegrabscht. Was ist da los? Die re:publica und ihr Problem mit der Bundeswehr. Der feixende Herr Zuckerberg. Und ein lohnendes "Maischberger Mashup. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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WDR-Intendant Tom Buhrow hat sinngemäß gesagt, dass der WDR kein größeres Problem mit sexuellen Belästigungen hat, wie jede andere Firma auch. Das mag sein. Allerdings ist es der WDR, bei dem aktuell in unschöner Regelmäßigkeit immer neue Fälle auftauchen. Zuletzt wurde der Fernsehfilm-, Kino- und Serienchef Gebhard Henke wegen Vorwürfen sexueller Belästigung freigestellt. Dieser Fall ist besonders bemerkenswert. Zum einen ist Henke ein wirklich hochrangiger und mächtiger Mann beim WDR. Zum anderen ging er selbst an die Öffentlichkeit und stritt alle Vorwürfe ab. Über einen Anwalt forderte er den WDR auf, die Vorwürfe zu konkretisieren oder die Freistellung zurückzunehmen. Das war ein starkes Signal. Dann gab es einen offenen Brief von 16 Frauen aus der TV-Branche, die für ihn Partei ergriffen. Unterzeichnet haben u.a. die Schauspielerinnen Iris Berben und Barbara Auer. Die öffentliche Meinung schien sich zu Gunsten Henkes zu drehen. Just da erscheint der Spiegel mit den Aussagen von sechs Frauen, die neue Vorwürfe gegen Henke erheben, darunter Bestseller-Autorin Charlotte Roche (“Feuchtgebiete”). Sie gibt gegenüber dem Spiegel zu Protokoll, Henke habe sie am Po angegrapscht, als es um die Verfilmung eines ihrer Bücher ging. Henke streitet ab. Tja. Einer lügt hier. Aber warum sollte Charlotte Roche die Po-Grabscherei erfinden? Andererseits: Wenn Henke tatsächlich übergriffig gewesen sein sollte, wird er das ja wohl wissen. Warum dann dieser Gang in die Öffentlichkeit mit Unschuldsbekundungen? Diese ganze WDR-Belästigungs-Affäre hat noch viele Fragezeichen. Ob die Situation beim WDR so normal ist wie in jeder anderen Firma ist eines davon.

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Die Berliner re:publica hat nun wirklich alles, was einen internationalen Digitalkongress von Rang auszeichnet: oversized Badges, überfüllte Säle, überteuerte vegane Sandwiches. Dass die Veranstalter die Bundeswehr nicht dabei haben wollten bei ihrer Sause, ist natürlich ihre Sache. Einen besonders guten Eindruck macht das freilich nicht, wenn man sich gleichzeitig auf die Fahnen schreibt, Filterblasen zum Platzen bringen zu wollen. Dass die vergleichsweise harmlose PR-Aktion der Truppe mit Plakat und Flyern vor den re:publica-Toren dann als “übergriffig” und “niveaulos” empfunden wurde, kann ich persönlich schwer nachvollziehen. Ich finde auch die Begriffe “Rekrutierung” und “Kampfuniform”, die verwendet wurden, um die BW-Aktion zu kritisieren, tendenziös. Die Bundeswehr wird doch nicht so blöd sein zu glauben, sie könnten ausgerechnet die re:publica-Gänger davon überzeugen, sich zu verpflichten. Und “Kampfuniform”? Meine Güte: Die Soldaten standen in ihren ganz normalen Alltags-Uniformen vor der Tür. Ohne Stahlhelm, ohne Gewehr, ohne Schutzweste. Die innere Filterblase zum Platzen zu bringen, ist womöglich schwieriger, als man denkt.

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In einer eigenen Welt lebt womöglich auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Durchaus beeindruckt, wie extrem gut aufgelegt er auf der Facebook-Entwickler-Konferenz F8 in dieser Woche die Neuerungen des Social Networks und seiner Tochterfirmen Instagram und WhatsApp vorstellte. Den neuen Service “Watch Party”, bei dem Freunde gemeinsam Facebook-Übertragungen schauen und kommentieren können, illustrierte er feixend mit Bildern seiner eigenen Anhörung vor dem US-Kongress. Bei dem neuen Dating-Dienst flachste Zuck, dass man sich bitte keine Sorgen um die Privatsphäre machen möge: Paarungsbereite Singles würden einem nur außerhalb der eigenen Friend-Filterbubble vorgeschlagen. Der ganze Datenskandal und die drohende Regulierung von Facebook scheint dem Chef jedenfalls nicht die gute Laune verdorben zu haben. Auch schön.

Abteilung Realsatire: Die Scherzkekse von stern.de lieferten zum Thema “Facebook will WhatsApp mit Werbung zuspammen” übrigens solch eine Homepage ab:

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Die Kollegahs von Übermedien machen diese Zusammenschnitt-Videos wirklich unnachahmlich toll. So kann man sich die jüngste, wie üblich wirre “Maischberger”-Sendung zum Thema diskriminierende Sprache getrost schenken und stattdessen dieses etwas über eine Minute lange Video anschauen. Erkenntnis- und Unterhaltungswert sind bei dem Übermedien-Zusammenschnitt ungleich höher.

Sonniges Wochenende!

PS: In der aktuellen Folge unseres Podcasts “Die Medien-Woche” spreche ich mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt auch über die re:publica, die Facebook-Konferenz und die Pleite der dubiosen Datenfirma Cambridge Analytica. Viel Spaß beim Reinhören!

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