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Spiegel-Chef stimmt Mitarbeiter auf Zusammenlegung von Magazin- und Online-Redaktion ein

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass
Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel treibt die Digitalisierung in großen Schritten voran. Wie der Branchendienst Horizont berichtet, habe Geschäftsführer Thomas Hass "den Startschuss" für die Redaktionsfusion von Printmagazin und Spiegel Online gegeben. Horizont beruft sich auf eine Rede vor Mitarbeitern, die im Intranet der Spiegel-Gruppe dokumentiert sei. Unklar sei dabei noch das genaue Konzept.

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Erst vor zwei Tagen hatte Der Spiegel einen ausführlichen Beitrag auf der US-Blogplattform Medium.com veröffentlicht, in der in für das Nachrichtenmagazin bisher unbekannter Transparenz das künftige Digitalkonzept Spiegel+ erläutert und zugleich publik gemacht wurde, dass die Mitte Mai 2017 gestartete “digitale Abendzeitung” Spiegel Daily eingestellt werde. Das künftige vereinfachte einheitliche Preismodell mit einem Kombi-Abo für monatlich 19,99 Euro (unter 30-Jährige sollen mit 11,99 Euro deutlich günstiger fahren) wurde unter dem neuen Produktchef Stefan Plöchinger serienreif gemacht, der das Angebot als “zusätzliches Standbein” der Paid-Services bezeichnet.

Diese Kommunikation war offenbar nur der Aufgalopp für die Einstimmung der Spiegel-Belegschaft auf weiterreichende Änderungen. Nach den jetzt bekanntgewordenen Plänen bahnt sich eine Integration von Digital- und Heftaktivitäten zumindest auf der Steuerungsebene an. Horizont zitiert Hass in seiner Rede mit den Worten: “Sie (die Mitarbeiter, die Red.) wissen, dass wir über eine gemeinsame Redaktion von Spiegel und Spiegel Online nachdenken.” Hass ist mit Blick auf die Zukunft überzeugt: “Die notwendige zentrale Steuerung von Themen, Inhalten, Recherchen, Personal und Produkten ist nur möglich in einer gemeinsamen Redaktion.”

Die gravierenden Veränderungen, die aufgrund der unterschiedlichen Verträge der historisch gewachsenen Zwei-Klassen-Struktur nicht leicht durchzusetzen sein dürften, begründet der Spiegel-Geschäftsführer mit dem Markttrend in Vertrieb und Anzeigenmarkt. Unbestätigten Meldungen zufolge sanken die Erlöse in diesen Sparten im vergangenen Jahr gegenüber 2016 um elf Millionen Euro. Auch wenn die Profitabilität der Gruppe durch eine Reihe von Maßnahmen im Rahmen der “Agenda 2018” verbessert werden konnte, lasse sich die Entwicklung im Bereich der Anzeigenvermarktung nicht mehr umkehren, so Hass.

Offen ist allerdings noch, auf welche Weise die Zusammenlegung bzw. enge Kooperation erfolgen soll: “Wir haben noch nicht alle Antworten und noch ist nichts entschieden.” Klar sei allerdings, dass der derzeitige Zustand unbefriedigend sei. Hass: “Im Moment verschwenden wir unsere Energie manchmal mit internen Konflikten, ausgelöst durch Doppelstrukturen, unklare Zuständigkeiten und konträre Interessen, anstatt den Spiegel-Journalismus und die Produkte besser zu machen. Wir sind noch längst nicht so gut, wie wir es sein könnten.”

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Alle Kommentare

  1. Der Verlust der Leserschaft hinterlässt Spuren.
    Nun werden die MA die Dinge kennen lernen für die sie Jahrelang propagiert haben.
    Willkommen in der Hartz-IV Welt.

  2. Theoretisch ein guter und richtiger Plan. Der “Spiegel” wäre das erste, große Objekt, bei dem nur die Marke zählt. Qualität und Rentabilität von Spon könnten enorm steigen – aber nur, wenn die Redaktionsleitung tatsächlich “Online first” lebt. Ansonsten dürfte genau das Gegenteil eintreten: Eine erfolgreiche Online-Redaktion wird verdrängt von Magazin-Journalisten, die weiter am Blatt kleben. Das wäre das Ende der Erfolgsgeschichte von Spiegel Online.

  3. Nicht “Online first”. “Content first”.
    Allerdings geht das auch einfacher, klarer, sogar deutsch:
    Inhalt zählt, da Inhalt zahlt.
    Punkt.
    Sollte die alte Garde wirklich bereit sein, die Plantagen-Peitsche
    wegzulegen und die Arbeiter an den Tisch bitten, kann das
    eigentliche Projekt beginnen.
    Die strahlendste, glaubwürdigste, schnellste und effektivste Nachrichten-Phalanx der westlichen Hemisphäre zu schmieden.

    Mit Brinkbäumers textlichen Qualitäten (warum so etwas verlieren?), mehr echten Blattmachern in der Führungs-Traube (nur Diskurs schafft Kurs!), mehr Mut zur Kontroverse (nicht Reichelt-geifernd, sondern smart), mehr breiter Brust.

    Noch sind Schäden reparabel.

    Deutschland braucht einen intakten, autarken, klar polierten Spiegel dringender denn je.

    1. Man würde staunen, innerhalb wie außerhalb des Spiegel, welche kathartische Wirkung ein (mindestens!) halbjähriger Verzicht auf „Diskurs” und „Kontroverse” hätte, auf sämtliche Meinungen und Deinungen. Denn ein Erzübel des Journalismus in den Zeiten der Digitalpest ist die Eitelkeit jener, um deren unmaßgebliche Ansichten kein Mensch je gebeten hat.

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