Anzeige

Nach Antisemitismus-Skandal um Farid Bang und Kollegah: Verband der Musikindustrie schafft den Echo ab

Aus für den Echo nach Auszeichnung von Farid Bang (l.) und Kollegah (r.)

Der Bundesverband der Musikindustrie schafft den Echo ab. Das hat der Vorstand des Verbandes in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen. Der Musikpreis Echo war in den vergangenen Wochen erst durch die Nominierung und später durch die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang massiv in die Kritik geraten. Die Musiker hatten in ihren Liedern unter anderem antisemitische Inhalte verbreitet.

Anzeige

„Den Echo wird es nicht mehr geben“, heißt es direkt zu Beginn der Pressemitteilung des Musikverbandes. Der Preis habe sich in den vergangenen Jahren zwar als feste Größe in der Musikbranche etabliert, man wolle jedoch „keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird“.
In der Pressemitteilung, in der sich niemand der Verantwortlichen zitieren lässt, heißt es weiter: „Das um den diesjährigen Echo herum Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole.“
Der Echo und seine Verantwortlichen waren in den vergangenen Wochen massiv kritisiert worden, nachdem Kollegah und Farid Bang zunächst nominiert und anschließend auch ausgezeichnet worden waren. Die Musiker hatten in ihren Texten unter anderem antisemitische Inhalte verarbeitet.
In Folge der Preisverleihung gaben zahlreiche Künstler, die in den vergangenen Jahrzehnten ausgezeichnet wurden, ihren Echo zurück. Darunter Marius Müller-Westernhagen, der Stardigigent Daniel Barenboim, Klaus VoormannNotos Quartett oder Igor Levit. „Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich“, sagte beispielsweise Müller-Westernhagen.
Der Musikverband spricht von einer starken Beschädigung der Marke und will offenbar einen neuen Musikpreis auflegen. Der Vorstand spricht von einem „vollständigen Neuanfang, der auch eine Neuaufstellung bei Echo Klassik und Echo Jazz nach sich ziehe“.
Der neue Preis soll dann, wie bei Klassik und Jazz, von einer Jury vergeben werden. Gewinner des Echos wurden bislang vor allem nach ihren Plattenverkäufen ermittelt. „Für die Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen“, teilt der Musikverband weiter mit. „Mit dem erklärten Ziel, den neuen Preis im Sinne aller Künstler sowie der gesamten Branche zu gestalten, soll es im Juni einen Workshop geben, um möglichst viele Ideen und Erwartungen aus der Branche beim Prozess der Neugestaltung einzubeziehen. Gleichzeitig ist der BVMI bereits an Institutionen herangetreten, um die gesellschaftlich notwendige Debatte über die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mitzugestalten.“

Anzeige