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"So schlimm wie noch nie": Peter Maffay und Wolfgang Niedecken kritisieren Echo-Verleihung an Kollegah und fordern weitere Konsequenzen

Wolfgang Niedecken und Peter Maffay gehen mit dem Echo hart ins Gericht

Die Kritik an der Echo-Musikpreisverleihung vergangene Woche reißt nicht ab. Bereits zwei Künstler haben ihre Auszeichnungen aus Protest für den Echo an die Gangster Rapper Kollegah und Farid Bang zurückgegeben. Via Facebook üben nun Peter Maffay und Wolfgang Niedecken von BAP scharfe Kritik an der Verleihung und fordern weitergehende Konsequenzen.

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Peter Maffay schreibt auf seiner Facebook-Seite unter der Überschrift „So schlimm wie noch nie“:

Der #ECHO, die Verleihung dieses Jahr, war eine Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land. Gleichzeitig zeigt sie die Erosion in unserer Gesellschaft und im Musikgeschehen auf, die sich seit einigen Jahren abgezeichnet hatte und am Donnerstag vergangener Woche ihren vorläufigen Höhepunkt erfuhr. Wie auch die Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz.

Maffay kritisiert die Auszeichnung der beiden Rapper Kollegah und Farid Bang, die trotz massiver Kritik im Vorfeld wegen ihrer gewaltverherrlichenden und verrohenden Texte in der Kategorie Hip Hop Urban geehrt wurden. Der Ethikrat des Echo hatte sich mit dem Fall befasst und insbesondere die umstrittene Textzeile „mein Körper definiert wie von Auschwitzinsassen“ als Grenzfall bezeichnet, die Nominierung im Sinne der Kunstfreiheit aber bestehen lassen. Maffay sagt dazu nun: „Die Folge, wie man inzwischen weiß: der Ethikrat, das Feigenblatt für delikate Fälle, geht auf Tauchstation und der Geschäftsführer des BVMI, Dr. Florian Drücke, erklärt hastig, man werde die Statuten, die den Echo regeln, neu verfassen und überarbeiten. Wir finden das reicht nicht, denn wir alle – auch wir selbst – waren nachlässig. Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren.“

Auch Wolfgang Niedecken, Frontmann von BAP und Laudator von Klaus Voormann, der mit dem Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, äußert sich auf Facebook überaus kritisch zu der Preisverleihung. Er beschreibt, dass er Kollegah und Farid Bang und deren Musik im Vorfeld gar nicht gekannt habe:

Beim vorletzten Show-Act wurden wir dann mit der menschenverachtenden Brutalität der beiden Schein-Musikanten konfrontiert, allerdings ohne irgendetwas von deren Gebrabbel zu verstehen. Textverständlichkeit: Fehlanzeige. Und dann standen auch schon unsere beiden Gitarren auf der Bühne und ich musste blitzartig entscheiden, wie ich mich adäquat verhalten sollte. Mangels nachprüfbaren Fakten (s.o.) habe ich darauf verzichtet ein politisches Statement abzugeben und mich stattdessen, sozusagen „blanko“, zu Campino bekannt. Meine Laudatio, (die auf unserer Homepage einsehbar ist) habe ich vor einem schockgefrorenen Publikum gehalten und mich anschließend selbst darüber gewundert, dass Klaus und ich die Chose dann doch noch irgendwie hingekriegt haben. Gottseidank war diese entsetzliche Veranstaltung danach vorbei.

Hier die komplette Stellungnahme von Wolfgang Niedecken:

Campino, der Sänger der Punkband Die Toten Hosen hatte zuvor eine Stellungnahme verlesen, in der er die rassistischen und gewaltverherrlichenden Texte der beiden Rapper verurteilte. Klaus Voormann hat inzwischen den Echo für sein Lebenswerk aus Protest gegen die Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang zurückgegeben, ebenso wie das Notos Quartett seinen Echo Klassik.

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