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Affäre um sexuelle Belästigungen beim WDR: Jetzt soll eine externe Kanzlei bei der Aufklärung helfen

Mehrere Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim WDR sorgen derzeit für Schlagzeilen
Mehrere Vorwürfe der sexuellen Belästigung beim WDR sorgen derzeit für Schlagzeilen

Die WDR-Krise um Vorwürfe sexueller Belästigung spitzt sich weiter zu. Denn erstmals fallen nun auch sehr prominente Namen, die “früh” in die Fälle involviert gewesen sein sollen. Laut Berliner Morgenpost sind das neben der damaligen Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff auch die heutige Chefin des ARD-Hauptstadtstudios, Tina Hassel, und Jörg Schönenborn. Zudem sollen externe Anwälte helfen.

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Wie Hans Hoff in der Süddeutschen Zeitung schreibt, habe der Westdeutsche Rundfunk mittlerweile eine externe Kanzlei beauftragt, bei den Vorwürfen der sexuellen Belästigung zu helfen. Intern scheint sich der Sender im Umgang mit der Affäre nämlich schwer zu tun.

Neben der externen Kanzlei soll der gesamte Komplex auch ein Thema bei der nächsten Rundfunkratssitzung werden. Laut SZ haben gleich mehrere Mitglieder gefordert, über die Vorwürfe sprechen zu wollen. Gleichzeitig scheint es erste Bestrebungen zu geben, den Rundfunkrat als Anlaufstelle für mögliche Missbrauchsopfer zu positionieren.

Der erste Fall wurde bereits in der vergangenen Woche von Correctiv und vom stern enthüllt. In dessen Mittelpunkt steht ein Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Senders, der bereits 2012 mehrere Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll – und das quasi ohne Folgen. Nicht mal eine Abmahnung soll es gegeben haben.

Am Dienstag folgte dann zweite Enthüllung. Bei dem Beschuldigten handelt es sich diesmal laut Correctiv und stern um einen prominenten WDR-Journalisten, der bis heute für die ARD regelmäßig in „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ berichte. Die Vorwürfe gegen den Mann seien 2010 bekannt geworden. Der Journalist soll u.a. die Nähe zu einer WDR-Redakteurin mit Zeitvertrag gesucht haben, deren Vorgesetzter er war. Als die Redakteurin auf die Avancen nicht einging, soll ihr Vertrag nicht verlängert worden sein. Auch andere Mitarbeiterinnen hätten sich über sexuelle Belästigung, Mobbing und Machtmissbrauch in der Programmgruppe, in der der betreffende Journalist beschäftigt ist, beschwert.

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Ein anderer männlicher Mitarbeiter gab einen Hinweis auf die Vorwürfe und vermittelte laut dem Correctiv- und stern-Bericht auf Bitte der damaligen Programmdirektorin Verena Kulenkampff die Zeuginnen an eine Personalrätin des WDR. Die soll daraufhin empfohlen haben, die Senderspitze solle sich mit der entsprechenden Programmgruppe in Verbindung setzen und deutlich machen, dass sexuelle Belästigung im WDR „keine Kleinigkeit“ sei. Stattdessen habe es drei Monate später eine disziplinarische Ermahnung des Hinweisgebers gegeben. Dem Mann soll untersagt worden sein, weiter von Fällen sexueller Belästigung in der Programmgruppe zu sprechen und zu sagen, dass es Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegeben habe. Correctiv und stern zitieren aus der Ermahnung: „Sollten Sie sich an diese Vorgabe nicht halten, kann das Auswirkungen auf Ihr Arbeitsverhältnis haben.“

Zeitweise war offenbar auch die renommierte TV-Journalistin Tina Hassel die Chefin des Beschuldigten. Damaliger Chefredakteur war Jörg Schönenborn. Gegenüber der Berliner Morgenpost wollte sie sich ebenso wenig äußern wie Schöneborn.

Innerhalb des WDR scheinen die Fälle für viel Ärger und Missmut zu sorgen. So hatte sich schon nach Bekanntwerden des ersten Falls die Personalrätin Christiane Seitz aus Protest über den Umgang der Senderspitze mit solchen Vorgängen aus dem für Missbrauchsfälle zuständigen Interventions-Ausschuss zurückgezogen. Seitz hatte namentlich Intendant Tom Buhrow und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn kritisiert: „Der Personalrat und die Gleichstellungsbeauftrage werden Schwarzer-Peter-artig in den Vordergrund geschoben – als seien sie die Handlungsmächtigen (Subtext: die Nicht-Handelnden) in dieser Angelegenheit.“ Entscheiden aber könnten nur die Vorgesetzten wie Fernsehdirektor Jörg Schönenborn und Intendant Buhrow. Anderen Gremien wie dem Ausschuss oder auch der Personalabteilung würde keine „eigenmächtige Rolle“ zugestanden.

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Alle Kommentare

  1. Es ist sehr zu begrüßen, dass die Vorgänge jetzt umfassend aufgeklärt werden und die Verantwortlichen sich endlich ihrer Verantwortung stellen. Vielleicht ändert sich dann etwas an den Hierarchiestrukturen des WDR.

    Wenn die “Senderspitze” nicht in der Lage sein sollten, ihre Verantwortung voll und ganz zu übernehmen und Konsequenzen daraus zu ziehen, dann sollten die Verantwortungsträger meiner Meinung nach entweder ihren Hut nehmen, oder – wie wäre es damit: von ihren eigenen Vorgesetzten mindestens “ermahnt” werden, mit Eintrag in die Personalakte!

  2. Kirche im Dorf lassen, die “externe Kanzlei” (gäbe es denn eine interne?) dient primär der rechtlichen Absicherung des eigenen Arsches (excuse my French).

    Richtig doll clever, sich hinter Rechtlichem zu verschanzen. So reitet der aufgebrachte Mob weiter gen Moral City, und dort ist der WDR nun wahrlich nicht beheimatet. Ansonsten müsste ein Schönenborn ja diesem komischen “Verantwortungs”-Dingens ja auch mal in der anderen Hinsicht entsprechen. So mit… Hut nehmen… und so. Und Buhrow… ach, der ist gerade mit seiner Altersabsicherung beschäftigt, nicht stören, bitte – danke.

    Warum aber auch etwas an einem perfekten Zuführsystem ändern, das Verkrustung zur Kunstform erhebt?

    Der Öffentliche-Rechtliche Rundfunk ist als totalitäres System, als in sich geschlossener Moloch, als überholte Verbrennungsmaschine für Anstand und Tugend, die sich gleichwohl als Speerspitze der Wahrhaftigkeit wahrnimmt, als Ruhepuls-zerstörender Demokratie-Beschädiger und immer hemmungsloserer AfD-Steigbügelhalter so atemberaubend krank, verderbt und geschmacklos…

    … fast müsste MEEDIA drüber schreiben.

    Weiter so, Freunde. Hoff muss ja auch von irgendwas leben.

  3. Buhrow wollte seine Wiederwahl vor 2 Wochen und sein Gehalt von 400.000 nicht gefährden. Also musste alles unter dem Teppich bleiben. Er hat doch von viel mehr Sachen gewusst als jetzt bekannt werden. Und Schönenborn ist doch nur die Marionette von Tom Buhrow.

  4. Hatte Buhrow nicht zu seinem Amtsantritt gesagt: “Ich bring die Liebe mit…” Naja, wenigstens das hat er ja eingehalten. Ansonsten kann er nur Vetternwirtschaft.

  5. Eine “vom WDR beauftragte Kanzlei” kann allerdings per Definition nicht extern sein, da sie ja vom WDR mandatiert und daher Weisungen unterliegt.

    Etwas befremdlich ist auch, dass als “externe Anlaufstelle zur Aufklärung alter und neuer Fälle ausgerechnet diejenige Kölner Kanzlei beauftragt wurde, die den WDR auch im jahrelangen Rechtsstreut gegen den abgemahnten Whistleblower vertreten hatte!

    So berichtet es jedenfalls Frau Karin Wenk von M (Menschen Machen Medien) in ihrem gestrigen Online-Blog. Es handelt sich um die Kanzlei Kpttner in Köln.

    Wie sollen die Frauen sich da ermutigt fühlen und vetrauen fassen, dass sie sich an eine neutrale Stelle wenden, die tatsächlich aufräumen will? Aufklären – aber in wessen Interesse?

      1. Wieso sollte eine “externe Kanzlei”, die beauftragt wird, “neutral” sein sollen oder gar müssen? Wenn das Ziel eh schon feststeht, nämlich aufzumischen, pardon aufzuklären, dann ist doch logisch, dass es im Sinne der Frauen geschehen wird, da von vorneherein ja feststeht, dass es Opfer gibt. Jetzt muss man nur noch dem (mutmaßlich ja nun wohl nicht mehr)Täter die Taten und die Schuld reindrücken. Das ist ja auch immer der Job von RechtsanwältInnen, die ab u zu auch aussergerichtlich untereinander dealen zu Ungunsten des Täters. Hauptsache, die Marie stimmt.

        Oder meinen Sie objektiv?

    1. Ich dachte, es gibt zig Anlaufstellen und Streitschlichter und Psychologen, Supervisoren, Mediatoren, Ombudsleute und externe Juristenfachleute usw, die sich damit befassen. Multiprofessionelle Teams noch u nöcher.

      Ein Haufen Arbeit für Expertinnen und Experten, die sicher alle professionell und rechtschaffen dazu beitragen, dass alles perfekt abläuft.

      Da steht doch was im vorläufigen Abschlussbericht….

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