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“Mindestens zwei Fälle”: Saarländischer Rundfunk legt Abschlussbericht zum Fall Wedel vor und übt Selbstkritik

Dieter Wedel (re.) und SR-Intendant Thomas Kleist

Nach den ersten Veröffentlichungen der Zeit über Dieter Wedel und schweren Vorwürfen gegen den Regisseur durch Schauspielerinnen, kündigte der Saarländische Rundfunk eine umfassende Aufarbeitung an. Jetzt legte der Sender seinen vorläufigen Abschlussbericht vor und kommt zu dem Schluss: “Es gibt in mindestens zwei Fällen deutliche Anhaltspunkte dafür, dass Wedel sich Darstellerinnen gegenüber nicht korrekt verhalten haben könnte.”

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In beiden Fällen geht es um die Produktion der Serie “Bretter, die die Welt bedeuten”. So befasst sich der Bericht als erstes mit der Schauspielerin Esther Christinat und ihren heftigen Vorwürfen, die sie in der Zeit gegen Wedel erhob.
Der vorläufige Bericht liefert nun einige Zitate, aus den Originalquellen, die die Situation innerhalb der Produktion und während der Dreharbeiten belegen. Auszug aus dem Bericht:

Die folgenden Geschehnisse beschreibt der Anwalt, den Christinat im Januar 1981 beauftragt, in einem Schriftsatz an die TFS wie folgt: Wedel sei „nachts im Hotel“ gegenüber Christinat „gewalttätig und beleidigend“ gewesen und habe sie „erheblich verletzt“. Wedel habe u. a. den Straftatbestand der versuchten Notzucht erfüllt und Christinat „ca. eine ¾ Stunde lang gewalttätig „bearbeitet“, obwohl sie sich mit allen Mitteln wehrte“. Christinat selbst erinnert sich heute nicht mehr, wie sie von Wedels Zimmer wieder in die Hotellobby gelangt ist.

Auch die Reaktion des Regisseurs ist vermerkt:

Wedel hat seinerseits anwaltlich erklären lassen, dass „es bereits anläßlich des Vorstellungsgesprächs Anfang November 1980 zu für [ihn] peinlichen Annäherungsversuchen durch [Christinat] gekommen war.

Die Ergebnisse der Aktensichtung zeigt zudem, dass innerhalb der Produktion, des Senders und Telefilm Saar (TFS) eine Vielzahl von Mitarbeitern von den Vorfällen gewusst haben müssen.
Für ihre Untersuchung wertete eine Task Force seit dem 19. Januar eine Vielzahl von Dokumenten und anderen Informationen aus. Unter anderem elf Aktenordner über die betreffende Produktion, die noch im ehemaligen Archiv der TFS sichergestellt werden konnten. Zusätzlich wurden auch die Niederschriften des Aufsichtsrates der TFS (“soweit sie noch aufgefunden werden konnten”) und des Verwaltungsrates des SR jeweils aus den Jahren 1981 und 1982 ausgewertet.
Im Abschlussbericht heißt es dazu: “Diese Ordner sind seit dem 19. Januar 2018 unter den Gesichtspunkten der Rekonstruktion möglicher sexueller Übergriffe während der Produktion sowie des Verhaltens der Verantwortlichen beim SR und der TFS im Blick auf eventuelle Übergriffe einer Grobsichtung durch die am 18. Januar 2018 unter Leitung des Justitiars vom Intendanten eingerichtete Task-Force unterzogen worden.”
Der zweite Fall bei dem sich Wedel nicht korrekt verhalten haben könnte, betrifft die Schauspielerin Ute Christensen.
Neben der detaillierten Aufarbeitung der Vorfälle während der Dreharbeiten, listet der vorläufige Bericht auch gleich eine Vielzahl von Versäumnissen des Senders und seiner Produktionstochter auf. Dabei wird deutlich, dass es den Verantwortlichen möglicherweise überwiegend darum ging, die Produktion zu retten, die Kostenexplosion durch die Verzögerungen gerade noch so unter Kontrolle zu halten und den Star-Regisseur nicht zu beschädigen, um keinen “Presseskandal” heraufzubeschwören. Auch wäre die „Aussicht der Beteiligten, sich im Glanz des schon damals berühmten Regisseurs sonnen zu können“, ein Motiv für ein Weitermachen mit Wedel gewesen.
In der eigenen Zusammenfassung durch den Saarländischen Rundfunk heißt es, dass der “SR und die Produktionsfirma Telefilm Saar seien in den 80er Jahren ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden”. Die betroffenen Schauspielerinnen seien alleine gelassen worden, “Strukturen innerhalb des SR und der Telefilm hätten die Vorfälle begünstigt.”
Damit belastet die Task Force nicht nur Dieter Wedel, sondern ganz bewusst auch das eigene Haus.

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