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Zoff um Digitalstrategie: Warum Ökotest den Firmenchef Jürgen Stellpflug vor die Tür setzt

Jürgen Stellpflug: Der Geschäftsführer und Chefredakteur von Öko-Test konnte die Auflage steigern. Mit der Online-Strategie waren die Eigner jedoch unzufrieden
Jürgen Stellpflug: Der Geschäftsführer und Chefredakteur von Öko-Test konnte die Auflage steigern. Mit der Online-Strategie waren die Eigner jedoch unzufrieden

Vor mehr als einem halben Jahr hatte Öko-Test-Chefredakteur und Geschäftsführer Jürgen Stellpflug den Online-Auftritt des Verbrauchermagazins neu ausgerichtet. Statt mehr Inhalte auf die Webseite zu stellen, hielt er mehr Exklusivgeschichten für das Print-Produkt zurück. Die Folge: die Zugriffszahlen im Netz gingen rapide zurück. Jetzt musste Steilpflug für diese Strategie die Konsequenzen tragen. Er wurde von der Geschäftsführung sowie Chefredaktion abberufen.

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Von Fruchtsäften bis Shampoos, von Gartenartikeln bis Finanzprodukten – wenn sich Verbraucher in Deutschland über die Tauglichkeit von Produkten informieren wollen, greifen sie zum Magazin Öko-Test. Mehr als 109.000 Exemplare wurden im 4. Quartal 2017 abgesetzt, ein Plus gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal von 1,2 Prozent. Eine bemerkenswerte Entwicklung für ein gedrucktes Magazin – angesichts des immer schärfer werdenden Printgeschäfts.

Ganz anders sieht die Situation der Webseite der zur SPD-Medienholding DDVG gehörenden Zeitschrift aus. In einem Jahr rauschten hier die Nutzerzahlen förmlich in den Keller. Zählte der Digitalauftritt im März 2017 noch knapp 3,2 Millionen Page Impression (PI), waren es im Vergleichsmonat diesen Jahres nur noch 945.000 PIs. Zu dieser katastrophalen Entwicklung beitragen hat wohl vor allem der Relaunch der Seite. Statt die Reichweite der Internetseite mit exklusiven Inhalten zu füllen, hielt Stellpflug diese wohl für das Printprodukt zurück – möglicherweise, um die gedruckte Auflage zu steigern.

Doch die Crux der Digital-Strategie: Auf der Webseite werden Verbrauchern ältere Hefte zum Verkauf angeboten, die wegen ihrer Produkttests auch nach Monaten nichts an Aktualität eingebüßt haben. Der Verkauf dieser Magazine gilt für den Verlag als eine wichtige Einnahmequelle. Doch mit sinkenden Zugriffszahlen auf der Webseite gerät dieser Absatz ins Stocken. Zudem leidet die Markenbekanntheit des Verbrauchermagazins.

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Jetzt wurde Stellpflug offenbar diese Neuausrichtung im Netz zum Verhängnis. Der Aufsichtsrat der Öko-Test AG berief ihn als Vorstand, Geschäftsführer und Chefredakteur von allen Aufgaben ab. “Leider gab es bezüglich der zukünftigen Digitalstrategie unterschiedliche Vorstellungen zwischen dem Aufsichtsrat und Herrn Stellpflug und ein konstruktiver, vertrauensvoller Dialog war nicht mehr möglich”, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Öko-Test AG, Jens Berendsen. Nun solle die Webseite revitalisiert werden. Derzeit werde an einem Konzept gearbeitet. Einen Termin, wann dies umgesetzt wird, nannte er nicht. „Wir müssen deshalb die Marke ÖKO-TEST weiter entwickeln, um den Bedürfnissen einer modernen Gesellschaft Rechnung zu tragen“, so Berendsen.

Steilpflug bliebt hingegen mit zehn Prozent weiterhin Aktionär der Gesellschaft. An der AG hält die DDVG hingegen mit 67 Prozent die Mehrheit, die restlichen Anteile befinden sich im Streubesitz. Zunächst soll nun Christopher Koeppler, Geschäftsführer bei der GLG Green Lifestyle GmbH, das Ruder bei dem Medienunternehmen übernehmen. Chefredakteur von Öko-Test soll bis auf Weiteres der bisherige Redaktionsleiter Mirko Kaiser werden, heißt es.

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