Partner von:
buzzer-das-letzte-aus-dem-netz
Anzeige

“Humorlos sind se auch bei Facebook” – bizarres Werbe-Hick-Hack um einen kritischen Cartoon zum Datenskandal

tot-aber-lustig.jpg

Diese kleine Geschichte passt herrlich in die aktuelle Gemengelage rund um Facebook. Vor allem aber zeigt sie, dass die Codes des US-Netzwerkes vieles können, aber offenbar nicht lachen - zumindest nicht über sich selbst. So schlug das Social Network dem Macher der “Tot aber lustig”-Cartoons, Michael Holtschulte, vor, einen Facebook-kritischen Bilderwitz zu bewerben, um dessen Reichweite zu erhöhen - mit skurrilen Folgen.

Anzeige

Der Hertener Zeichner hatte nach eigenen Angaben am Donnerstagabend den “Schalk im Nacken” und zeichnete einen Cartoon, der sich kritisch mit dem Cambridge Analytica-Komplex und der Rolle des US-Netzwerkes damit auseinandersetzt. Auf seinem Bild ist ein gelangweilter Mann zu sehen, der einen intelligenten Lautsprecher von Amazon fragt: “Alexa, erklär mir doch einmal den Facebook-Datenskandal.”

#deletefacebook …

Posted by Tot aber lustig on Donnerstag, 22. März 2018

Das kann man lustig finden, muss man aber auch nicht. Im Social Web entwickelte sich der Cartoon schnell zu einem kleinen Viral-Erfolg. Bereits am späten Donnerstagabend hatte das Posting  590 Reactions gesammelt und war 224 Mal geteilt wurden. Am Freitagmittag lagen diesen Werte bereits bei über 922 Reactions und 391 Shares. 

Kurz nachdem Holtschulte seinen Bilder-Witz veröffentlicht hatte, meldete sich die Werbemaschine von Facebook automatisch beim Macher der erfolgreichen FB-Seite “Tot aber lustig”, die alleine über 316.000 Nutzern innerhalb des Netzwerkes gefällt, und schlug ihm vor, dass er doch das Posting bewerben solle. So bekam der Zeichner den Vorschlag unterbreitet:

Anzeige

Dieser Beitrag bringt eine bessere Leistung als 95 Prozent der anderen Beiträge auf deiner Seite. Bewirb ihn, um weitere gute Ergebnisse zu erzielen

“Warum nicht”, dachte sich Holtschulte, klickte auf “Beitrag bewerben”. Zudem beauftragte er die Maschine, das Posting mit dem zusätzlichen Teasertext “#deletefacebook…” zu versehen.

Die Idee war subversiv, doch Holtschulte hatte offenbar die Rechnung ohne die hauseigene Werbe-Zensur des Netzwerkes gemacht. Denn nach automatischer Prüfung lehnte Facebook die Werbung mit dem Argument ab, dass sie “auf unangemessene Art auf Facebook oder Instagram Bezug nimmt oder ein Bild eines Facebook- oder Instagram-Markenzeichens enthält, was gegen unsere Werberichtlinien verstößt”.

Für Holtschulte war damit klar: Das US-Netzwerk will also nicht, dass man mit dem Hashtag #DeleteFacebook innerhalb der eigenen Plattform wirbt. Dumm nur, dass die Idee, ein Facebook-kritisches Posting kostenpflichtig zu bewerben, überhaupt erst vom Social-Network unterbreitet wurde. Kommentar des Zeichners: “Humorlos sind se also auch bei Facebook”.

Auf MEEDIA-Anfrage erklärte Facebook dann überraschend: “Die Anzeige wurde auf Grund der ‘Facebook’-Nennung abgelehnt. Das war in diesem Fall allerdings ein Fehler. Daher haben wir diese Entscheidung rückgängig gemacht und die Anzeige wird jetzt genehmigt.”

Das war am Mittag. Holtschulte unternahm also den nächsten Versuch, sein Posting zu bewerben. Die Prüfung dauerte gut 1,5 Stunden. Dann die Antwort der Maschine: wieder abgelehnt.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia