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Cambridge-Analytica-Skandal: Media-Agenturen erwarten Konsequenzen für Facebook als Werbeträger

Alexander Nix’ (m.) Cambridge Analytica hat Nutzerdaten von Facebook abgegriffen und missbraucht: Media-Experten Wolfgang Bscheid (l.) und Manfred Klaus erwarten für das soziale Netzwerk Konsequenzen
Alexander Nix' (m.) Cambridge Analytica hat Nutzerdaten von Facebook abgegriffen und missbraucht: Media-Experten Wolfgang Bscheid (l.) und Manfred Klaus erwarten für das soziale Netzwerk Konsequenzen

Die Enthüllungen im Cambridge Analytica-Datenskandal belasten das Vertrauen der Werbetreibenden in Facebook schwer. In Deutschland sehen führende Köpfe von Media-Agenturen das soziale Netzwerk in Erklärungsnot. Sollte Facebook solche Daten-Leaks nicht nachhaltig unterbinden, könnte die Werrbe-Wirtschaft dem Webriesen den Rücken kehren. Auch VDZ-Chef Stephan Scherzer äußerte scharfe Kritik.

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Der Skandal um die US-Datenanalysefirma Cambridge Analytica kratzt hierzulande schwer am Ruf von Facebook als Werbeträger. Manfred Klaus, Sprecher der Geschäftsführung der zu Serviceplan-Gruppe zählenden Digitalagentur PlanNet, fordert deshalb von Facebook Aufklärung über die missbräuchliche Verwendung der Daten im Fall der amerikanischen Analyse-Firma. Ansonsten könnte das soziale Netzwerk als Werbeträger Probleme bekommen. „Wir und auch unsere Kunden legen sehr großen Wert auf den korrekten Umgang mit Nutzerdaten und erwarten dies auch von unseren Medienpartnern uneingeschränkt. Sollte Facebook nicht in der Lage sein, dies nachhaltig zu gewährleisten, wird das sicher Konsequenzen für die Rolle als Werbeträger haben“, erklärt Klaus gegenüber MEEDIA. Es werde „sehr darauf ankommen, dass Facebook deutlich macht, wie es derartige Leaks künftig verhindern und einen legalen Umgang mit Daten sicherstellen kann“, unterstreicht der Geschäftsführer.

Auch Wolfgang Bscheid, Gründer und Geschäftsführer der Media-Agentur mediascale, schlägt ähnliche Töne: „Noch hat keiner unserer Kunden wegen der Vorgänge rund um Cambridge Analytica Kampagnen auf Facebook gestoppt. Aber die Angelegenheit wird mit Sicherheit dazu führen, dass Werbetreibende sich viel intensiver damit auseinandersetzen, wo die Daten für ihre Kampagnenplanung herkommen“, meint Bscheid. Gerade in einem Markt mit virtuellen Gütern, also Anzeigen in sozialen Netzwerken, sei „Vertrauen die zentrale Basis für Zusammenarbeit“. Er plädiert deshalb für „ein höheres Maß an Transparenz in unserem Markt.“ Ebenso sieht Christian Wilkens, CDO von MediaCom Germany, Facebook unter Erklärungsdruck: “Sollte sich herausstellen, dass Facebook nicht ausreichende Sicherheitsvorkehrungen zum User-Datenschutz getroffen hat, hätte dies definitiv einen Vertrauensverlust zur Folge.Es ist aber auch wichtig festzustellen, dass Facebook nach aktuellem Stand selbst keine Daten missbräuchlich verwendet hat. Es hat möglicherweise allerdings aber den Zugang dazu nicht komplett verhindert oder unmöglich gemacht”, meint der Geschäftsführer und ergänzt: “Wenn Facebook (und andere) jetzt durch regulatorische Eingriffe die Verwendung von Nutzerdaten für Werbung ändern müssten, dann hätte dies Auswirkungen auf die Attraktivität des Angebots.”

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Hinter vorgehaltener Hand gehen Media-Agenturen davon aus, dass die jüngsten Enthüllungen für Facebook Regulierungen nach sich ziehen könnten. Wie stark hiervon das Werbegeschäft des Web-Unternehmens belastet wird, hängt aber davon ab, wie tief die Eingriffe des Gesetzgebers sind. Die Daten-Affäre setzt Facebook-Chef Mark Zuckerberg massiv unter Druck, die Aktie brach am Montag deutlich ein. Die New York Times und der britische Observer hatten berichtet, dass die US-Firma Cambridge Analytica ohne Zustimmung der Betroffenen mehr als 50 Millionen Datensätze abgegriffen habe. Besonders brisant: Die US-Firma soll im US-Wahlkampf entscheidend dabei geholfen haben, dass durch als Werbung geschaltete Botschaften Stimmen für den US-Milliardär Donald Trump mobilisiert wurden.

Scharfe Kritik an Facebook im Datenskandal äußert auch Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ): „Mark Zuckerberg hat seine Technology und deren Auswirkungen nicht im Griff“, erklärt Scherzer gegenüber MEEDIA. Er sieht deshalb negative Auswirkungen auf das weltgrößte Netzwerk zukommen. „Noch sind nicht alle Fakten und Hintergründe bekannt. Aber eines ist klar: Facebook verliert rasant das Vertrauen seiner Nutzer und liefert bisher keine überzeugenden Antworten. Der größte Stammtisch der Welt hat, wie die Serie an Kritikpunkten zeigt, zwar stets den Börsenkurs und das Shareholder-Value optimiert, aber den Nutzer und auch die Werbungtreibenden im Unklaren über die Arbeitsweise des Algorithmus und die jetzt offensichtlichen Manipulationsmöglichkeiten der Plattform gelassen“, erklärt Scherzer. Er plädiert deshalb dafür, gesicherte Umfelder mit hochwertigen, geprüften Inhalten in den Mittelpunkt zu rücken. „Die beste Antwort auf Fake News sind mehr unfaked News, also professioneller, unabhängiger Journalismus“, so der VDZ-Geschäftsführer.

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