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"Normal, dass sich Dinge erst setzen müssen": Ex-Bild-Boss Kai Diekmann über die neue Führung unter Julian Reichelt

"Dass es dabei manchmal Ruckeleien gibt, ist vollkommen normal", sagt Ex-Bild-Boss Kai Diekmann über die Neuausrichtung der Zeitung unter Julian Reichelt

Julian Reichelt hat die alleinige Leitung der Bild übernommen und mit dem #miomiogate, einer Verlade durch die Titanic, einen mehr als holprigen Start hingelegt. Dazu hat sich jetzt auch Kai Diekmann äußert. Im Interview mit den Online Marketing Rockstars (OMR) wirbt Reichelts Vorgänger und Ex-Herausgeber für Verständnis. „Ruckeleien“ seien „völlig normal“, so Diekmann.

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Im Podcast-Gespräch von OMR(ab Mittwoch, 14 Uhr) schildert Diekmann, der noch immer enge Verbindungen in die Bild-Redaktion pflegt, seine Beobachtungen und äußert sich wenig besorgt: „Das sind großartige Leute, die dort jetzt die Verantwortung tragen“, zitieren ihn die OMR-Macher in einer Vorabmeldung. „Wenn jemand so lange wie ich, also 16 Jahre, an der Spitze einer Organisation gestanden hat, ist es vollkommen normal, dass sich danach dort bestimmte Dinge erst setzen, klären und neu ausrichten müssen.“ Man müsse der neuen Führung um seinen ehemaligen Digital-Chef und journalistischen Ziehsohn Julian Reichelt nun die Chance geben, sich zu finden. „Dass es dabei manchmal Ruckeleien gibt, ist vollkommen normal.“
Gemeint sind damit die jüngsten Vorkommnisse in der Führungsriege der für den Axel Springer Konzern bedeutsamen Boulevardzeitung. Anfang Februar hatte sich Bild von Tanit Koch, der ersten Frau an der Spitze der Zeitung, nach nur zwei Jahren getrennt. Der Personalentscheidung war ein Machtkampf zwischen ihr und Julian Reichelt, der zwischenzeitlich auf die übergeordnete Funktion des „Vorsitzenden der Bild-Chefredakteure“ befördert worden war, vorangegangen. Der bis dahin als Primus inter pares installierte Reichelt hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr und mehr Kompetenzen von der Blattmacherin übernommen und plante die Zukunft der Zeitung ohne seine Kollegin.
Nur wenige Tage nach Bekanntwerden der Neuausrichtung machte Bild erneut Schlagzeilen. Auslöser war eine von der Titanic publik gemachte Satire-Aktion, für die sie Bild einen angeblichen Informanten unterjubelte, der gezielt Geschichten rund um eine angebliche Mail-Kampagne im Vorfeld des SPD-Mitgliederentscheids zur GroKo platzierte. Die Bild fiel auf die Verlade rein, das so genannte #miomiogate brachte der Bild viel Spott und Kritik ein.
Auch hierfür äußert Diekmann Verständnis. „Ehrlicherweise sind mir die gleichen Dinge passiert.“ Er selbst habe sich mit einem Prozess gegen die taz zum Gespött der Leute gemacht. „Man muss bestimmte Fehler gemacht haben, um daraus zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen“, so der langjährige Bild-Mann.
Im Podcast sprach Diekmann auch über seine eigene Biografie. Zwar habe er bei der ebenfalls zu Springer gehörenden Welt am Sonntag wie auch bei Bild die beste Zeit seines Lebens gehabt, allerdings würde er heute andere Wege gehen – als Unternehmer. „Ich würde mich mit Macht auf die digitale Welt stürzen und Gründer werden.“ Das Thema künstliche Intelligenz werde bald in einem ähnlichen Maße die digitale Welt revolutionieren wie es zuvor der Mobile-Boom getan hat.
Seine unternehmerischen Qualitäten stellt Diekmann aber auch heute unter Beweis. Einige Zeit nach dem Aus bei der Bild-Zeitung schloss er sich mit dem Event-Manager Michael Mronz und dem Ex-stern-Digital-Chef Philipp Jessen zusammen, um mit „Storymachine“ eine eigene Agentur für Social-Media-Marketing hochzuziehen. Die Agentur hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, Institutionen wie auch Prominente im Social Web zu inszenieren. Bislang hält sich das Trio mit seinen Aktivitäten im Hintergrund. Kürzlich wurde mit dem DFB und seinem Präsidenten Reinhard Grindel der erste Klient bekannt, was von der Agentur aber nicht bestätigt wurde. Entsprechend verhalten reagierte Diekmann auch auf Fragen der OMR-Podcaster. Die Agentur wachse, jüngst habe man neue Räume bezogen, so Diekmann, der an das Startup gleich ein weiteres Projekt angedockt hat. Die Agentur soll parallel ein Finanzportal betreiben, das Diekmann als Vehikel für seinen neuen „Zukunftsfonds“, den er gemeinsam mit mit dem Ex-Banker und seinem Jugendfreund Leonhard Fischer auflegt, nutzen will.

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