Wochenrückblick: Büchner und Harms vs. Spiegel Online, das schlüpfrige Vero und saftige Sprüche von Horst Seehofer

Szene aus "Labyrinth der Macht", Tweets, die den Wochenrückblick bewegten ...

Gleich mehrere Ex-Spiegel-Online-Chefs arbeiten mittlerweile an Konkurrenzprodukten zu ... Spiegel Online. Sind für den Hype um das Social Network Vero wirklich leicht bekleidete Influencer verantwortlich? Und eine ARD-Doku verspricht interessante Einblicke ins "Labyrinth der Macht". Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

von Stefan Winterbauer

Diese Woche gab die Verlagsgesellschaft Madsack aus Hannover bekannt, ein neues Newsportal unter der Marke RND.de zu starten. RND steht für Redaktionsnetzwerk Deutschland und ist die überregionale Zentralredaktion von Madsack. Aufmerksamen Zuschauern dürfte der eher technokratische Begriff Redaktionsnetzwerk Deutschland bekannt aus Funk und Fernsehen sein, wenn ein Spitzenpolitiker mal wieder was zum RND gesagt hat. So hat sich das RND mit der Zeit als Medienmarke in der überregionalen Wahrnehmung so ein bisschen verselbstständigt. Vielleicht ist es dann auch nur folgerichtig, wenn man gleich ein “richtiges” Medium daraus macht. Dass die traditionellen Zeitungsmarken, wie die Hannoversche Allgemeine oder die Leipziger Volkszeitung dabei ein wenig an Glanz einbüßen, scheint eingepreist. Bemerkenswert ist zudem, dass bei Madsack mit Wolfgang Büchner als “Chief Content Officer” ein ehemaliger Spiegel Online (und kurzzeitig auch Spiegel-) Chef an RND.de werkelt. Gleichzeitig baut mit Florian Harms noch ein ehemaliger Spiegel Online-Chef in Berlin t-online.de gerade zu einer überregionalen Medienmarke im Web auf. Spiegel Online, so schaut es aus, bekommt da einige Konkurrenz von alten Bekannten.

Eben jener Florian Harms kommentierte auf Twitter ein bisschen bissig eine Textempfehlung eines Ex-Spiegel-Kollegen:

Was wiederum Spiegel-Reporter-Legende Cordt Schnippen zu einer kleinen Zurechtweisung animierte:

Freilich nicht, ohne gleich einen eigenen Text zur gefälligen Lektüre anzuheften. Er weiß halt, wie’s läuft …

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Und? Schon bei Vero angemeldet? Das diese Woche massiv gehypte Social Netzwerk mit leicht dubiosen Geldgebern inszeniert sich als eine Art ehrliche Facebook-Alternative ohne Werbung und Algorithmen-Bevormundung. Dass die Sache ein bisschen streng riecht und womöglich gute alte Werbung zumindest für den plötzlichen Hype verantwortlich sein könnte, haben die Online-Marketing-Rockstars in dem lesenswerten Stück “Veros schlüpfriges Geheimnis: Sorgten leichtbekleidete Influencer für den Durchbruch?” fein herausgearbeitet. Wobei: “Durchbruch” ist vielleicht ein bisserl hoch gegriffen. Gut möglich, dass man unter dem Schlagwort “Hype” bald das Vero-Logo in den Duden aufnimmt.

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Kanzlerin Angela Merkel im Kreise der CDU-Führungsfrauen. Den klugen Köpfen der FAZ fiel dazu die Zeile des schon recht angestaubten Liedchens “Weil ich ein Mädchen bin” ein, was manche für unpassend hielten.

Echt jetzt? Der Hashtag #metoo, bei dem es um sexuelle Übergriffe geht, wegen der Zeile “Weil ich ein Mädchen bin”? Man muss den FAZ-Spruch nicht mögen, aber man kann auch die Kirche im Dorf lassen.

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Zum Schluss noch ein Guck-Tipp für Freunde saftigen Politiksprechs bajuwarischen Zuschnitts. Am kommenden Montag, 5. März  läuft im Ersten der Film “Im Labyrinth der Macht – Protokoll einer Regierungsbildung” von Stephan Lamby. Darin zieht u.a. Horst Seehofer von der CSU ordentlich vom Leder, dass es kracht. Über SPD-Mann Sigmar Gabriel sagt er: “Seine Tochter zu instrumentalisieren in einer innerparteilichen Auseinandersetzung, ist inakzeptabel. Noch dazu mit der ihr in den Mund gelegten Äußerung. Aber überhaupt ein Kind einzubeziehen in die politische Auseinandersetzung, das ist völlig daneben. Ich glaube, das hat es auch so noch nie gegeben. Dass irgendjemand in der Politik ein Kind in Anspruch nimmt, um einen Politiker herabzusetzen. Das geht nicht!” Und dass FDP-Chef Christian Lindner Durchstechereien aus den Jamaika-Sondierungen beklagt hat, kommentiert Horst I. von Bayern folgendermaßen: “Herr Lindner hat sich persönlich sehr häufig darüber aufgeregt, wenn er vermutet hat, das kommt aus den Reihen der Grünen. Er hat es aber selbst kräftig praktiziert, indem er Unterlagen abfotografiert hat und diese Fotografien dann den Journalisten zugespielt hat. Das ist ein wirkliches Krebsübel der deutschen Politik geworden.” Sakra! Für Politik- und Medieninteressierte könnte das Einschalten lohnen.

Schönes Wochenende!

PS: Im Podcast “Die Medien-Woche” diskutieren Christian Meier von der WELT und ich diesmal über die Forderungen nach einer umfassenden Reform des öffentlichen Rundfunks, es geht nochmal um Vero, den Besuch des Snap-CEOs Evan Spiegel in Berlin. Viel Spaß beim Hören!

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