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Musikstreaming-Dienst Spotify reicht Antrag für Börsengang in New York ein und offenbart tiefrote Zahlen

Spotify-CEO Daniel Ek hat für den Gang an die New Yorker Börse einen ungewöhnlichen Weg gewählt
Spotify-CEO Daniel Ek hat für den Gang an die New Yorker Börse einen ungewöhnlichen Weg gewählt

Der Marktführer unter den Musikstreaming-Diensten stellt die Weichen für sein Börsendebüt. Im Wertpapierprospekt legt Spotify allerdings tiefrote Zahlen offen. Beim Gang an die New Yorker Börse wählen die Schweden dafür einen ungewöhnlichen Weg, der Geld sparen könnte.

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Der weltgrößte Musikstreaming-Dienst Spotify macht mit seinem lange erwarteten Börsengang ernst. Aktien des schwedischen Unternehmens sollen unter dem Kürzel «SPOT» an der New York Stock Exchange gehandelt werden können, wie aus einem am Mittwoch bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Antrag hervorgeht. Damit nimmt einer der spannendsten Tech-Börsengänge seit Jahren konkrete Formen an.

Nach Einschätzung von Analysten könnte es die Firma mit zuletzt mehr als 70 Millionen zahlenden Abonnenten auf einen Börsenwert von rund 20 Milliarden Dollar bringen. Wann genau die Anteilsscheine notiert werden sollen, ist noch unklar. Der normale Zeitablauf würde auf ein Debüt ab der letzten Märzwoche schließen lassen. Spotify wählt den ungewöhnlichen Weg einer Direktplatzierung, bei der Aktionäre einfach ihre Anteilsscheine verkaufen können. Das Unternehmen lässt sich zwar von Investmentbanken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley beraten, beauftragt sie aber nicht wie üblich mit einer Aktienausgabe und dem dazugehörigen Preisbildungsverfahren. Das dürfte Geld sparen.

Der Antrag enthält bereits die am Markt mit Spannung erwarteten frischen Geschäftsergebnisse. Demnach steigerte Spotify den Umsatz 2017 im Jahresvergleich zwar um fast 39 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Der Verlust nahm jedoch von 539 Millionen auf 1,24 Milliarden Euro zu. Das geht zwar zu großen Teilen auf den Buchhaltungs-Effekt einer Milliarden-Finanzierung aus dem Jahr 2016 zurück – doch auch der operative Verlust stieg von 349 auf 378 Millionen Euro.

Spotify ist die Nummer eins im Geschäft mit Musik-Streaming, bei dem die Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Der in 61 Ländern vertretene Dienst kam Ende 2017 auf 71 Millionen zahlende Abo-Kunden und rund 159 Millionen Nutzer insgesamt. Die Nummer zwei im Geschäft mit Musik aus dem Netz, Apple Music, kommt nach jüngsten Angaben auf 36 Millionen Abo-Kunden. Der iPhone-Konzern verzichtet im Gegensatz zu Spotify auf eine Gratis-Version mit Werbung – wächst aber auch schnell und könnte nach Einschätzung von Experten zumindest im US-Markt Spotify zum Sommer überholen.

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Im Schnitt hört ein Spotify-Nutzer 25 Stunden Musik im Monat. Zuletzt wurde die Nutzung zu 31 Prozent von vorgefertigten Playlisten bestimmt. Vor zwei Jahren lag der Anteil nur bei 20 Prozent. Damit bestätigt sich, dass diese von Spotify selbst oder anderen erstellte Song-Zusammenstellungen in der Streaming-Ära immer stärker bestimmen, welche Musik gehört wird – und damit auch, welche Musiker mehr Geld verdienen. Der Börsenprospekt enthüllte, dass Firmenchef Daniel Ek als Mitgründer 23,8 Prozent an der Firma hält. Der zweite Mitgründer Martin Lorentzon kommt auf 12,4 Prozent. Von den großen Musikfirmen hat Sony Music den größten Anteil mit 5,4 Prozent. Spotify hatte rund 2,7 Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt.

Bei bisherigen Privat-Geschäften seien Spotify-Aktien zuletzt zu Preisen zwischen 90 und 132,50 Dollar gehandelt worden, hieß es. Der künftige Börsenkurs könne jedoch massiv davon abweichen, warnte Spotify. Mit dem Verzicht auf das traditionelle Verfahren zur Preisbildung kann die Firma Anlegern keine richtige Orientierung geben. Die Firma ist recht sparsam, was die Vergütung des Top-Managements angeht. Ek bekommt seit Juli vergangenen Jahres kein festes Gehalt, sondern hat nur die Aussicht auf eine jährliche Prämie von einer Million Dollar, wenn Ziele beim Wachstum der Nutzerzahlen und der Profitabilität erreicht werden. Davor lag sein Gehalt bei gut 585 000 Dollar.

Nach der Einführung eines Familien-Tarifs, bei dem für 15 Euro oder Dollar im Monat bis zu sechs Nutzer uneingeschränkten Zugriff auf Spotify haben, sank der monatliche Erlös pro Abo-Kunde auf zuletzt 5,24 Euro. Im vierten Quartal 2015 waren es noch gut sieben Euro gewesen – aber auch die Abwanderung von Abo-Kunden ging in dieser Zeit von 7,5 auf 5,1 Prozent zurück. Über einen Spotify-Börsengang wurde schon lange spekuliert. Ein Risiko für Anleger könnte die Klage eines Musikverlags sein, der mindestens 1,6 Milliarden Dollar Zahlungen für Songautoren erstreiten will.

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