Partner von:
Anzeige

Projekt #Datenspende: So gut wie keine Einflussnahme durch den Google-Algorithmus auf die jüngste Bundestagswahl feststellbar

Prof. Dr. Katharina A. Zweig hat mit ihrem Team den Einfluss des Google-Algorithmus auf die Bundestagswahl untersucht
Prof. Dr. Katharina A. Zweig hat mit ihrem Team den Einfluss des Google-Algorithmus auf die Bundestagswahl untersucht

In Berlin werden am heutigen Donnerstag auf Einladung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien die Ergebnisse aus dem Projekt #Datenspende diskutiert. Dabei hat ein Team um Professorin Katharina A. Zweig von Technischen Universität Kaiserslautern Google-Suchanfragen im Vorfeld der zurückliegenden Bundestagswahl analysiert. Ergebnis: Der Google-Algorithmus personalisiert bei Anfragen nach Politikern oder Parteien kaum. Es wurden somit keine künstlichen Filterblasen erzeugt.

Anzeige
Anzeige

Bei dem Forschungsprojekt „#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ wurden mit Hilfe eines Browser-Plugins, das Teilnehmer auf ihrem Computer installierten, zwischen dem 6. Juli und 30. September 2017 automatisiert Suchanfragen an Google gestellt. Gesucht wurde nach den Namen von Politikern und Parteien. Die Trefferlisten, die Google auf diese Anfragen hin erzeugte, wurden anonym gesammelt und ausgewertet. Die Forscher wollten wissen, ob der Google-Algorithmus unterschiedliche Suchergebnisse liefert, je nachdem welche Person Suchanfragen stellt.

Insgesamt nahmen 4.379 Internet-Nutzer an dem Projekt teil und “spendeten” knapp sechs Millionen Suchergebnisse. Die Ergebnisse des Projekts wurden in bislang zwei Zwischenberichten veröffentlicht. Zum einen ging es dabei um den Grad an Personalisierung von politischen Suchanfragen bei der Google-Suchmaschine und zum anderen um den Persoanlisierungsgrad bei Google News.

In beiden Fällen konnten die Forscher nur einen sehr geringen Grad an Personalisierung feststellen. Ergebnisse bei der Google-Suche nach von Politikern wiesen über alle Nutzer hinweg eine sehr hohe Ähnlichkeit auf: im Durchschnitt sieben oder acht gleiche Ergebnisse von im Durchschnitt neun Suchergebnissen. Bei Parteien gab es etwas größere Unterschiede mit fünf bis sechs gemeinsamen Suchergebnissen. Die restlichen Ergebnisse bei der Suche nach Parteien unterschieden sich allerdings vor allem durch regionale Inhalte, also etwa wurden regionale Webseiten von Parteien angezeigt, je nach Wohnort des Nutzers. Im Schnitt blieben bei neun Suchanfragen ein bis drei Links übrig, die tatsächlich personalisiert waren.

Für die Ergebnisse spielte fast keine Rolle, ob die Nutzer bei Google eingeloggt waren oder nicht. Die Suchergebnisse waren laut den Zwischenberichten “nahezu identisch”.

Anzeige

Auch bei Google News zeigte sich, dass es keine große Personalisierung gibt. Nur vier bis fünf von 20 Ergebnissen waren in der Untersuchung unterschiedlich. Und auch bei Google News war so gut wie kein Unterschied zwischen eingeloggten und nicht-eingeloggten Nutzern festzustellen. Bei den Suchen nach Personen erhielten eingeloggte Nutzer bei Google News im Durchschnitt sogar 0,85 mehr gleiche Ergebnisse als die nicht eingeloggten Nutzer.

All diese Ergebnisse sprechen klar dagegen, dass der Google-Algorithmus für das Herausbilden von so genannten Filterblasen verantwortlich gemacht werden kann. Allerdings hat die Studie auch gewisse Defizite. So befasste sie sich ausschließlich mit der Suche nach Politiker-, bzw. Parteinamen. Und die Untersuchung basiert auf einer freiwilligen Teilnahme, ist also nicht repräsentativ. Interessant sind die Ergebnisse gleichwohl, da sie die Debatte um die Wirkmacht von Algorithmen mit Daten unterfüttert. Dass das Ergebnis deutlich weniger spektakulär ausgefallen ist, als mancher vielleicht vermutet hat, ist dabei eigentlich eine gute Nachricht.

“#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ ist eine Kooperation der BLM mit AlgorithmWatch, der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR Hessen), der Landeszentrale für Medien und K ommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), der Landesmedienanstalt Saarland (LMS) und der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM). Hier geht es zur Homepage des Projekts.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia