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"Kein Chef, kein Lobbyist hat mir diesen Text vorgetrötet": das engagierte Plädoyer der WDR-Chefredakteurin für den öffentlichen Rundfunk

WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich hielt ein Plädoyer für den öffentlichen Rundfunk

Anlässlich der Abstimmung über den Rundfunkbeitrag in der Schweiz am kommenden Sonntag befassen sich auch die öffentlich-rechtlichen Sender hierzulande mit der Debatte rund um die Finanzierung von ARD und ZDF. In den „Tagesthemen“ hielt WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich ein Plädoyer für den öffentlichen Rundfunk. Dieser sei „Sauerstoff für die Demokratie“.

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„Wir Öffentlich-Rechtlichen sind Diener einer Gesellschaft, die informiert, unterhalten und aufgeklärt werden will“, so WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich in ihrem Kommentar in den „Tagesthemen“. Sie beleuchtet die Vielfalt der öffentlich-rechtlichen Programme und verweist auf die wichtige Funktion von ARD und ZDF für die Gesellschaft: „Wer zeigt die Namen von milliardenschweren Steuer-Verbrechern? Wer durchleuchtet das Doping im Sport? Wer bitteschön schickt die Reporterin ins lebensgefährliche Nord-Nigeria auf der Suche nach den verschleppten Schulmädchen?“ Die Antwort auf diese rhetorischen Fragen spricht sie nicht aus, aber es ist klar, dass sie damit den öffentlich-rechtlichen Rundfunk meint.

Menschen zu befähigen, ein eigenes Urteil zu bilden, das sei „teuer, gesprächswertig und für die Demokratie wie Sauerstoff“, so Mikich weiter. „Wir sind aber nicht unfehlbar“, bekennt die Chefredakteurin. Fragen wie „Bilden wir die Interessen aller ab?“, „Sind wir zu schnell beleidigt, wenn wir hinterfragt werden?“, „Sind wir wirklich im Besitz der alleinigen Wahrheit?“ würden von den Machern längst diskutiert, versichert sie.
Am Ende ihres Kommentars wird die WDR-Chefin persönlich. Auch sie selbst sei Nutzerin des öffentlichen Rundfunks. Sie schaffe es spielend, mit Fernsehen, Radio und Online zwei, drei Stunden am Tag gut zu verbringen. Dass sie dabei nicht alles sehe und ihr alles gefalle, sei klar, müsse es auch gar nicht. „Den Rundfunkbeitrag hole ich durch viele Programmjuwelen locker wieder rein“, so Sonia Mikich. Und: „Nein, kein Chef, kein Lobbyist hat mir diesen Text vorgetrötet.“
Hintergrund des Kommentars ist, dass in der Schweiz am kommenden Sonntag eine Volksabstimmung über die Abschaffung der Rundfunkgebühr (in der Schweiz Billag genannt) durchgeführt wird. Sollten die Schweizer für eine Abschaffung votieren, sehen Beobachter den öffentlichen Schweizer Rundfunk SRG akut in seiner Existenz bedroht

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