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"Dumpfe Emotionen mobilisiert": Ex-BamS-Chef Michael Spreng wirft Bild Kampagnen-Journalismus vor

Kommunikationsberater Michael Spreng

Der Journalist und Politikberater Michael Spreng wirft der Bild-Zeitung „Kampagnenjournalismus“ vor, etwa gegen eine vermeintlich zu lasche Justiz in Deutschland. „Die Zeitungsmacher glauben, durch Kampagnen blieben ihre Blätter in der Bevölkerung mehrheitsfähig“, kritisiert der 69-Jährige in einem Interview mit der Zeit. Von 1989 bis 2000 war Spreng Chefredakteur der Bild am Sonntag gewesen.

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Wie der frühere Springer-Journalist gegenüber der Wochenzeitung weiter kritisierte, sei die aktuelle Blattlinie der Bild „eine Form von Medien-Populismus“. Spreng warnt in diesem Zusammenhang vor einem gefährlichen „Ritt auf der Rasierklinge. Denn es mobilisiert auch dumpfe Emotionen.“ Die Boulevardblätter litten unter sozialen Medien, mit denen sie nicht mehr mithalten können. Der Boulevardjournalismus habe „seine Alleinstellung als das grellste Licht verloren“. Die Folge seien dramatische Auflagenverluste. „Heute kann man nur den Abwärtstrend verwalten.“
Die offensive Linie der Berichterstattung unter dem seit einigen Wochen allein agierenden Chefredakteur Julian Reichelt hatte zuletzt immer wieder für Diskussionen gesorgt. Auch MEEDIA hatte sich mit der Entwicklung kritisch beschäftigt. Der Auftritt von Bild-Macher Reichelt als Studiogast des Plasberg-Talks „Hart aber fair“ stand zudem im Mittelpunkt eines MEEDIA-Gastbeitrags des ehemaligen Bundesrichters Thomas Fischer, in dem dieser ebenfalls massive Kritik an den populistischen Forderungen des Bild-Chefredakteurs übte und damit offenbar einen Nerv traf: Der Artikel sammelte bislang bereits allein bei Facebook mehr als 6.700 Likes und Shares ein.

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