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Döpfners neue Startup-Initiative: Wieso der Pakt mit Snap für Axel Springer von strategischer Bedeutung ist

Wollen gemeinsam Start-ups aus dem Medienbereich fördern: Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner und Snapchat-Gründer Evan Spiegel im Journalistenclub in Berlin
Wollen gemeinsam Start-ups aus dem Medienbereich fördern: Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner und Snapchat-Gründer Evan Spiegel im Journalistenclub in Berlin

Evan Spiegel tourt derzeit durch Europa, um vor allem bei Business- und Medienpartnern für seine Social-Media-Plattform Snapchat zu werben. Mit einem gerade großflächig ausgerollten Update will und muss der Facebook-Konkurrent seine App für ältere Zielgruppen wie auch Werbekunden attraktiver machen. Bei einem Auftritt in Berlin verteidigte der Snap-CEO das von Nutzern teils harsch kritisierte Redesign und verkündete gemeinsam mit Springer-Chef Mathias Döpfner eine neue Kooperation, mit der das Berliner Medienhaus ein strategisches Interesse verknüpft.

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“Ich bin kein Aktienmarkt-Experte.” So lautet die zunächst knappe Antwort von Evan Spiegel auf die Frage, ob sein Geschäftsmodell nicht ausgereift genug sei, wenn ein einziger Tweet eines Influencers ausreicht, um an der Börse bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung zu vernichten. Für diese für einen CEO nicht gerade geschickt formulierten Worte hat der Gründer von Snap, dem Unternehmen hinter der Social-App Snapchat, einen überraschend langen Moment gebraucht. Er versuchte ihn mit seinem strahlenden Kalifornier-Lächeln zu überbrücken.

Man dürfe aber nicht vergessen, holt er schließlich aus, dass Snap in sehr kurzer Zeit sehr schnell gewachsen sei und man diese Entwicklung weiter forciere. Ups and Downs seien Teil der Wachstumsgeschichte. “Wir sind ganz offensichtlich noch in einem frühen Stadium unseres Geschäfts”, sagt der 27-Jährige, der mit seiner App-Idee innerhalb weniger Jahre ein Unternehmen aufbaute, das Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nervös machte.

Seit einigen Tagen ist der Erfinder der Social-Media-Plattform, die für so viele Erwachsene bis heute nicht nachvollziehbar und auch deshalb in der jungen Zielgruppe deshalb so beliebt ist, auf Europa-Tour. An diesem Dienstag ist der 27-Jährige in die 19. Etage des Axel-Springer-Verlags in Berlin gekommen. In schwarzem Pullover, dunkler Jeans und weißen Sneakern steht einer der meist beachteten Unternehmer des Silicon Valley in der holzvertäfelten Ullstein-Bar von Axel Springer neben dessen im karierten Anzug gekleideten Ober-Chef Mathias Döpfner. Natürlich ist er nicht gekommen, um sich freiwillig den Fragen danach zu stellen, wie er auf den von Influencerin Kylie Jenner eingeleiteten Kurssturz reagiert hat. Offiziell soll er hier mit jungen Unternehmern über Gründererfahrungen sprechen, kurz zuvor redete er vor der Springer-Belegschaft. Es geht für ihn bei seinem Besuch in Deutschland aber vor allem um eins: Werbung für das zu machen, was die Jüngste aus dem Kardashian-Clan vor einigen Tagen kritisiert hatte: das Redesign für Snapchat.

Vor einigen Wochen hatte Snapchat angefangen, sein Update auszurollen, mit dem eine grundsätzliche Überarbeitung der Nutzerfunktionen einhergeht. Die Foto- und Video-App, die quasi als Messenger-Dienst an den Start gegangen war, hat in den vergangenen Jahren ein zusätzliches Angebot an Inhalten von Medien, Marken und Influencern aufgebaut, das es im Zuge des Redesigns vom Bereich für den privaten Austausch getrennt hat. Der so genannte Discover-Bereich mit den professionell produzierten Inhalten gilt als Wachstumsgeschäft, das vor allem durch Werbevermarktung monetarisiert werden soll. Was unter Publishern bislang recht positiv aufgenommen wurde, ist unter Nutzern teils höchst umstritten. Eine Petition, in der mehr als 1,2 Millionen der weltweit 187 Millionen Nutzer (tägliche Nutzung) unterschrieben haben, fordert den Rückbau der App.

Netzwerk mit authentischen Inhalten: Wie das Update zu einer neuen Abgrenzung zu Instagram beitragen soll

Spiegel aber, das soll er auch bei einem exklusiven “Launch-Event” mit Mediaplanern, Anzeigenkunden und Medienpartnern am Montag in Hamburg klar gemacht haben, hält an den Plänen fest und hofft, dass sich die Nutzer an die neue Handhabung gewöhnen werden. In Hamburg wie auch in Berlin betonte er weitere Vorteile, die das Update aus seiner Sicht habe. Mit der Trennung von Discover und Social, wie Snap den Bereich mit den privaten Chats und Stories nennt, wolle man dafür sorgen, unbeeindruckt von dem zu bleiben, was professionelle Anbieter machen, und dass Nutzer weiterhin authentische Inhalte produzieren. Immer wieder betonte der studierte Produkt-Designer, dass Snapchat und seine Community von ungekünstelten Momentaufnahmen lebe.

Mit dem Spin versucht Spiegel auch eine deutliche Abgrenzung zur aggressiven Konkurrenz von Instagram zu schaffen. Die Foto- und Videoplattform, die wie viele andere Facebook-Plattformen in den vergangenen Monaten zahlreiche Elemente von Snapchat erfolgreich kopierte, mausert sich mehr und mehr zur Arena für Influencer und welche, die es gerne sein wollen. Eine digitale Welt zu schaffen, in der mehr Schein als Sein herrscht, scheinen Spiegels Pläne nicht.

Kooperation in der Startup-Förderung: Snapchat und Springer suchen inhaltegetriebene Ideen

Durch Persönlichkeit und Charakter soll sich deshalb auch der Discover-Bereich profilieren. Bereits früh suchte Snapchat die Nähe zu etablierten und professionellen Medienanbietern, die der App – die sich zu Beginn als Sexting-Messenger eher einen Schmuddelruf gemacht hatte – ein seriöses Image verpassten. Die Annäherung scheint sich zu rechnen. Jüngst berichtete das US-Portal Recode über die Summe von mehr als 100 Millionen US-Dollar, die das US-Unternehmen an Medienpartner ausgeschüttet hatte.

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Snapchat wählt selbst aus, wem es Zugang gewährt und wen es damit reichweitentechnisch unterstützt, was die Plattform zumindest bislang weniger anfällig für alternative Fakten und Fake-News macht. Zukünftig könnte sich der Kreis um Newcomer erweitern. Der öffentliche Termin mit Springer-CEO Mathias Döpfner am Dienstag in Berlin war nämlich nicht nur dazu da, um ein bisschen Promo zu machen, sondern näher zusammenzurücken. Gemeinsam verkündeten sie, im Aufbau von Startups aus dem Mediengeschäft zu kooperieren.

Dafür engagiert sich Snapchat ab sofort beim neuen Accelerator von Axel Springer und Autobauer Porsche. Ziel sei die konkrete Förderung von inhaltegetriebenen Medien-Startups, die sich auf Mobile Content spezialisiert haben, so die CEOs. Nach erfolgreicher Bewerbung wolle der Accelerator Startups mit einer zunächst geringen Anschubfinanzierung von 25.000 Euro über den Zeitraum von 100 Tagen fördern, bevor sie sich in einer Finanzierungsrunde um weitere Investoren bemühen sollen. Neben seinem Namen und Know-how für mobilgerechtes Storytelling bringt Snapchat die Aussicht auf Zugang zu seiner App mit sich, verkündete Döpfner. “Vorausgesetzt Snapchat entscheidet sich dafür, dass das Produkt zu ihnen passt”.

“Mit Journalismus hat mich schon immer etwas Leidenschaftliches verbunden”, begründete Spiegel die Kooperation mit den deutschen Unternehmen. Das sei schon seit seiner Zeit bei der Schülerzeitung der Fall. “Es gibt viele Accelerators, die sich auf die Förderung technologischer Produkte spezialisiert haben”, führte er fort. “Aber nur wenige, die darüber nachdenken, wie Startups mit Medienunternehmen zusammenarbeiten können.” Es biete sich eine gute Gelegenheit, diesen Part zu übernehmen.

“Wir diskutieren mit Snapchat viel konstruktiver”

Ausführlicher begründete Mathias Döpfner den Schritt, mit Snapchat gemeinsame Sache zu machen. Für den Springer-CEO ist der Vertrieb journalistischer Inhalte über soziale Netzwerke wie auch die Auslagerung (Distributed Content) ein Gesetz des Medienmarktes der Zukunft. Es gäbe aber Kooperationen mit Plattformen, die sich als “nicht zufriedenstellend” herausstellen. “Die Attraktivität der Umsätze wie auch die Möglichkeiten der weiteren Monetarisierung sind limiert”, erklärte der Manager. Das liege nicht unbedingt an fehlendem Willen oder Boshaftigkeit. Sondern oft auch an technischen Voraussetzungen. Es sei im Interesse des Unternehmens, Projekte anzugehen, die es Publishern erlauben, neue Geschäftsmodelle zu etablieren, während Social-Media-Plattformen darüber Traffic generieren.

Der Zusammenschluss mit Snapchat darf aber auch als Signal aus der Verlagsbranche an Facebook gedeutet werden, auch wenn Döpfner den Konzern nicht namentlich erwähnt. Das Netzwerk hatte zuletzt mehrfach und unmissverständlich deutlich gemacht, sich nach jahrelanger Annäherung von professionellen Medienanbietern zu distanzieren und die Sichtbarkeit ihrer Inhalte zu verringern. Nach mehrfachen Algorithmusänderungen herrscht mittlerweile wieder Facebook-Frust in der Medienbranche. Mit Snapchat eine Alternative zu Facebook, Instagram oder WhatsApp zu haben und diese zu stärken, ist also nur im eigenen Interesse. Das betonte gegenüber MEEDIA zuletzt auch Wolfgang Blau, Präsident von Condé Nast International, dessen Medien sich ebenfalls stark bei Snapchat engagieren. Und Döpfner betont: “Wir diskutieren mit Snapchat viel konstruktiver über Möglichkeiten, wie wir von der Werbevermarktung auf andere Modelle umsteigen können.”

Sich mit der App mit dem Geisterlogo gegen Facebook zu verbünden, heißt nicht, dass sich bereits Erlebtes nicht wiederholen kann. Auch die Zusammenarbeit mit Snapchat schafft neue beziehungsweise tiefergreifende Abhängigkeiten. Ohne diese wird es im digitalen Mediengeschäft zukünftig aber wohl kaum noch funktionieren. Soziale Medien sind längst fester Teil der digitalen Infrastruktur, die rasant wächst. Während sich die Branche mit Snapchat und Instagram befassen, wachsen an anderen Stellen neue Clouds mit Daten noch jüngerer Zielgruppen, die es zu erreichen gilt. Und auch für diese braucht es irgendwann Ansätze und Ideen.

 

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