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“Medien-Woche” im Gespräch mit Anne Will: “Zu meiner Aufgabe gehört es, dass ich mich parteipolitisch neutral verhalte”

“Nicht einfach tumb eine Welle reiten”: ARD-Talkerin Anne Will im Gespräch
"Nicht einfach tumb eine Welle reiten": ARD-Talkerin Anne Will im Gespräch

In dieser Ausgabe unseres Podcasts "Die Medien-Woche" sprechen Stefan Winterbauer (MEEDIA) und Christian Meier (WELT) mit der ARD-Politik-Talkerin Anne Will. Dabei geht es um die Bedeutung politischer Talkshows, Themenfindung, die immergleichen Vorwürfe an Polit-Talks, Medienkritik und Anne Will erzählt, warum sie sich nun doch entschieden hat, bei Twitter aktiv mitzumischen.

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Zum Gespräch empfängt Anne Will in den Räumen ihrer Produktionsfirma Will Media in Berlin. Augenfälligstes Accessoire in ihrem Büro ist ein leuchtendes, großes “A”. Anne Will ist gut gelaunt und wie in ihrer Sendung blitzgescheit. Stationen ihrer Karriere: Volontariat beim Sender Freies Berlin (SFB), Moderation des Talks “Mal ehrlich” und des “Sportpalast” beim SFB, Präsentation der Medienshow “Parlazzo” beim WDR, ab 1999 erste Frau vor der Kamera bei der ARD-“Sportschau”, 2001 bis 2007 Moderation der “Tagesthemen” im Ersten, seit 2007 Präsentation der Talkshow “Anne Will”.

Zunächst war sie als  Polit-Talkerin eine “Notlösung”, da der ursprünglich als Nachfolger von Sabine Christiansen vorgesehene Günther Jauch der ARD eine Absage erteilte. Als Jauch später dann doch wollte, musste Anne Will mit ihrem Talk auf den ungeliebten späten Mittwochabend rücken. Nachdem Jauch Ende 2015 nicht mehr weitermachen wollte, kehrte Anne Will mit ihrer Sendung zurück auf den prestigeträchtigen Sendeplatz am Sonntagabend nach dem “Tatort”. Die ursprüngliche Notlösung war ein Glücksfall.

Hier einige Zitate aus dem Podcast-Gespräch mit Anne Will (die schriftlichen Zitate wurden für eine bessere Lesbarkeit behutsam bearbeitet):

Anne Will über …

… Gäste und Themen:
 
“Kevin Kühnert ist überall eingeladen gewesen. Aus guten Gründen: weil er einfach rhetorisch hervorstechend begabt ist, ein interessanter Typ mit einer klaren Position. Da freut man sich natürlich, wenn so jemand auftaucht.”

“Ich weiß, es gibt eine klare Erwartung der Zuschauer insbesondere an den Sonntagabend. Und diese Erwartung dürfen Sie nicht komplett enttäuschen. Es sei denn, Sie haben ein Thema von ähnlich großer Relevanz wie das, was die Zuschauerschaft natürlicherweise erwartet. Dann können Sie alles machen.”

… die Aufgabe von Talkshows:

“Menschen wollen informiert werden, wollen mehr wissen, wollen auch ihre Haltung abgleichen mit der Haltung eines Menschen, dem sie im Fernsehen zuhören können. Ich glaube, dass es durch unseren Grad an Über-Informiertheit oder auch durch eine Häppchen-Wahrnehmung von dem, was wir online oder über soziale Medien alles so aufschnappen, einen Wunsch nach Vertiefung, nach Hintergründigkeit gibt. Und auch wenn man das den Talkshows landläufig gar nicht unterstellt und nicht sofort zutrauen würde, können sie sowas sehr wohl bieten.”

… den Skandal um die vollverschleierte Nora Illi, die in ihrer Sendung zu Gast war und deren Auftritt eine Empörungswelle auslöste:

“Ich stehe nicht gerne in einem Shitstorm. Und ich werde nicht gerne wegen des Verdachts der Volksverhetzung angezeigt und ich möchte auch ungern wieder Diskussionen über unsere Sendung erleben, die so maßlos geführt werden. Denn grundsätzlich bin ich sehr davon überzeugt, dass es richtig war, Nora Illi einzuladen und dass es auch richtig ist, mit extremen Positionen zu diskutieren. Dann, wenn diese auf entschiedenen Widerspruch treffen. Und das war in der Sendung der Fall. Die anderen Gäste, die da saßen, auch ich, haben Frau Illi nichts durchgehen lassen.”

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… Soziale Medien:

“Ich glaube nicht, dass die Fernsehzuschauer und Zuschauerinnen intoleranter geworden sind. Ich glaube, dass die Stimmung aufgeladener ist. Das transportiert sich aber eher über soziale Medien. Und wer sich dort dann einlässt, fühlt sich nicht selten zusätzlich bemüßigt, noch einen Zahn zuzulegen und noch ein schlimmeres Wort drauf zu packen. Dadurch, dass er merkt, dass es Verbündete gibt, die seiner Meinung sind. Und das hat so eine enthemmende Spiralwirkung, die ich ganz fatal finde. Aber das muss man dann auch wirklich immer ins Verhältnis und ins Maß gerückt sehen.”

… politische Äußerungen und ihre Erfahrungen mit Twitter:

“Zu meiner Aufgabe gehört es, dass ich mich parteipolitisch neutral verhalte und dass ich auch so arbeite. Deshalb muss ich sehr genau aufpassen, wie ich mich und ob ich mich positioniere. Twitter ist ein Medium, das ich seit langem verfolge, ich war da bisher anonym unterwegs. Ich profitiere sehr von Twitter, kriege da echt gute Hinweise auf Links, auf Entwicklungen gerade im Regierungsbildungsprozess von Kollegen, die sich da vor dem Adenauer-Haus die Füße wund stehen. Und ich fand’s an irgendeinem Punkt nicht mehr richtig, das gleichsam nur zu konsumieren und gar nicht mitzumachen. Und ich wollte für mich ausprobieren, was passiert, wenn ich offen kenntlich mitmache. Auf dem Weg bin ich im Moment unterwegs, gebe mir aber genaue Grenzen vor, dass ich mich auf keinen Fall zum Beispiel parteipolitisch einlasse. Auch wenn es mich vielleicht juckt.”

“Meine kleine persönliche Erfahrung mit Twitter ist im Moment: Was besonders gut geht, ist ein selbstironischer oder auch ein zugewandter Ton. Ich glaube sogar, dass es eine Sehnsucht danach gibt, dass man sich wieder eines freundlicheren Tons befleißigt. Der darf auch witzig sein. Genauso wie das im richtigen Leben funktioniert, dass man nicht alles bierernst nimmt und vor allem hämisch und schadenfroh auf andere eindrischt, so gelingt das in den sozialen Medien ganz genauso. Die heißen ja nicht umsonst so.”

…ihre Motivation: 

“In einer Zeit mit einer derart aufgeladenen Stimmung eine Sendung zu machen, die von der Grundanlage her auch auf Konfrontation und Streit setzt, bedeutet, dass man sich der Wirkung sehr bewusst sein muss. Das ist vielleicht der Unterschied zu der Zeit von vor zehn Jahren. Da bin ich viel vorsichtiger geworden. Vielleicht auch, weil ich mehr weiß und das Format besser verstanden habe. Aber auch, weil ich sehe wie aufgeladen, wie gespalten politische Diskussionen aktuell geführt werden. Da würde ich gerne etwas Gutes dagegensetzen. Und nicht einfach tumb eine Welle reiten, die ich in ihren Wirkungen gesellschaftsschädlich finde.”

+++

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Alle Kommentare

  1. “Zu meiner Aufgabe gehört es, dass ich mich parteipolitisch neutral verhalte und dass ich auch so arbeite.”

    Wenn Sie es denn mal täte. Man erinnere sich, wie sie mit Gauland bei der Gesprächsrunde nach der Bundestagswahl umging.

    1. Ja, die sind schon lustig, die vom ÖR.

      Die Millionärin Will gehört in den gleichen “Topf” wie der Millionär Kleber. Kleber hat sich unlängst – ohne gefragt zu werden – sinngemäß wie die Will geäußert. Das haben die vom Fernsehen der DDR 1 und DDR 2 bestimmt ähnliche formuliert? Schöner Klamauk ist das.

  2. A.W. hatte damals Noriá Illi keine einzige intelligente Frage gestellt, sondern die Muslima ungehindert deren Parolen herausposaunen lassen. Oder hat sie etwa gefragt, wie es Illi halte mit dem Köpfen, Hängen, Vergewaltigen der IS-Schergen? Nichts davon.
    Und dass Frau Will neutral sei und frage, ist ungefähr so wahr wie dass der Papst ein Protestant und verheiratet sei.

  3. Wer glaubt den Moderatoren des Öffentlich-Rechtlichen auch nur noch ein Wort. Neutral Frau Will, das ich nicht lache. Ihre Parteilichkeit perlt ihnen doch aus jeder Pore !
    Aber da sitzen sie ja mit ihren Moderatorenkollegen in einem Boot ! Die Sender haben die grösste Glaubwürdigkeitsproblematik seit Bestehen und das zurecht ! Das kommt vom Lügen, Gruss an Frau Reschke zum Thema Ausländerkriminalität.

  4. Hier zeigt Anne Will wie arogant Sie Argumentiert. Es werden nur Themen behandelt die in der Vorwoche relevant waren. So klammert man wichtige Themen aus . Wie Bildung , Marode Schulen , Marode Straßen. Digitalisierung lässt man weg weil das Thema schwer ist so einfach geht Fernsehen. Themen die schwer sind werden weggelassen. Ich sag es ungern , Thilo Sarrazin hatte mit sein Buch ” Deutschland schafft sich ab recht ” denn wo ist denn unserer Bildung, hat sich da was getan ? Nein . Lehrermangel wird das Diskutiert ? Nein. Schulen sind überlastet wegen der Intergration , ist das ein Thema ? Nein. Wir fahren sehenden auges in den Abgrund . Unserer Infrastruktur vergammelt und verottet . Thema ? Nein .
    Wir beschäftigen uns lieber mit Wedel , SPD , Flüchtlinge , Martin Schulz , MeToo , Dieselgate, die CDU ist unter 30 % etc etc . Talkshows bilden ab was wichtig ist ? Ernsthaft ?
    Sachlich Kritik wird von den Medien doch gar nicht mehr ernstgenommen, weil alles immer gleich als Rechte Hetze abgestempelt wird. Tut mir leid, aber das ist nicht mein Land. Was große Themen Ignoriert. Retten kann sich jeder der Deutschlandradio DLF kennt , ansonsten ist man verlassen .

  5. cc. Ich habe Polit Talksendungen immer so verstanden. Das sie die Themen aufarbeiten die sonst in der Woche / Tagesschau auf der Strecke bleiben. Also eben Themen wie schon im ersten Kommentar angeführt .

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