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Glaubwürdigkeit von Medien: Facebook stellt seinen Nutzern lediglich zwei Fragen, die das Fake News-Problem nicht ansatzweise lösen

Die Studie untersucht, welche Bedeutung das Phänomen “Fake News” in Deutschland hat
Die Studie untersucht, welche Bedeutung das Phänomen "Fake News" in Deutschland hat

Es klang wie eine gut gemeinte Initiative: Nutzer sollen per Umfrage über die Qualität von Medien mitentscheiden und so helfen, den Newsfeed umzubauen. Gestern wurde ein Facebook Fragebogen an Nutzer bekannt, der die Glaubwürdigkeit von Medien im Newsfeed bewerten sollte. Die Umfrage besteht jedoch lediglich aus zwei Fragen, die dazu angetan sind, bekannte Vorurteile zu bestätigen. Entsprechend vernichtend fällt das Echo in US-Medien aus.

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Mark Zuckerberg drückt angesichts der immer lauteren Kritik an seinem Social Network beim Versuch, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, aufs Tempo. Erst zu Jahresbeginn hatte der 33-Jährige demütig als große Herausforderung für 2018 ausgegeben, “Facebook zu reparieren”.

Eine Woche später folgte mit dem Umbau des Newsfeeds zu Lasten von Verlagsinhalten die erste einschneidende Maßnahme. Am Wochenende wurde Zuckerberg konkreter: Beim Kampf gegen gefälschte Nachrichten sollen zudem Nutzer helfen. “Als Teil unserer laufenden Qualitätsüberprüfungen werden wir die Leute nun fragen, ob sie eine Nachrichtenquelle kennen – und wenn ja, ob sie ihr vertrauen”, erklärte Zuckerberg in einem fast 500 Worte langen Post am Freitag.

Facebook-Umfrage zur Vertrauenswürdigkeit von Medien besteht nur aus zwei Fragen

In welcher Form die Befragung abläuft, wurde gestern bekannt, nachdem das Viralportal BuzzFeed Einblick in die Umfrage erhalten hatte. Tatsächlich besteht die Nutzerbefragung lediglich aus zwei Fragen.

1. Kennen Sie die folgenden Webseiten (Ja/Nein)
2. Wie sehr vertrauen Sie den folgenden Domains (Komplett / Stark / Mehr oder weniger / Kaum / Gar nicht)

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Die Facebook-Umfrage wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung der eigenen Wertvorstellungen

Es dauerte nicht lange, bis Facebooks  simple Nutzerbefragung in US-Medien schnell verrissen wurde. Das Techportal Mashable nannte die  2-Fragen-Umfrage “Müll“, während das Wirtschaftsmagazin Inc. gleich 38 Gründe fand, warum Facebooks Versuch, die Glaubwürdigkeit von Medien im Newsfeed näher zur bestimmen, zum Scheitern verurteilt sei.

Haupttenor: Die Pseudoumfrage bestätige lediglich die Erfahrungswerte und Vorurteile eines Nutzers. Ein rechtslastiger Breitbart-Anhänger wird einen Breitbart-Post und die Webseite naheliegenderweise als vertrauenswürdig einstufen, selbst wenn die verbreiteten Informationen im Fake News-Bereich anzusiedeln sind.

Schwerwiegender noch: Facebook führt seine Mini-Umfrage stichprobenartig bei Nutzern nach dem Zufallsprinzip durch, ohne dass  sich andere Nutzer in den Dialog einschalten könnten. “32 Prozent der Amerikaner glauben an Ufos”, legt Inc. den Finger in die Wunde. “Und 72 Prozent der US-Bürger glauben an Engel”.  Die Facebook-Umfrage wird damit zur selbsterfüllenden Prophezeiung der eigenen Wertvorstellungen.

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