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Nach Diskussion um DSDS-Kandidat: RTL steht zu seiner Entscheidung und lässt Diego beim Recall antreten

Der 25-jährige Diego hat beim DSDS-Casting teilgenommen und es in die nächste Runde geschafft. Sein Fall sorgt für Diskussionen
Der 25-jährige Diego hat beim DSDS-Casting teilgenommen und es in die nächste Runde geschafft. Sein Fall sorgt für Diskussionen

Kandidat Diego hat in der vergangenen Samstagsausgabe von „Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) für eine bizarre Performance gesorgt. Was der Zuschauer zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Der 25-Jährige leidet an einer psychischen Erkrankung, was seinen Auftritt aus medienethischer brisant macht. RTL versicherte nun, dass Diego trotz Kritik beim Recall im März starten werde.

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Gegenüber der Bild-Zeitung teilte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer mit, dass der 25-jährige Diego das nächste Mal im März zu sehen sei. Der Kandidat hatte für seinen Auftritt drei Ja-Stimmen der DSDS-Jury erhalten und kam damit eine Runde weiter. In dem rund sechsminütigen Beitrag erzählt Diego von einer Entführung der Mafia, die ihn aus den USA nach Deutschland verschleppt habe. Außerdem sei er der Sohn des verstorbenen US-Hiphoppers Tupac Shakur und deshalb in den USA bekannt.  Sein musikalischer Beitrag steigerte die Verwunderung der Jury und mutmaßlich zahlreicher Zuschauer weiter. Was RTL seinem Publikum jedoch über den gesamten Beitrag hinweg vorenthielt: Diego wird seit rund zwei Jahren in einer Einrichtung der Graf Recke Stiftung betreut. Er soll an einer Psychose leiden.

Gegenüber MEEDIA hatte Eickmeyer am Montag bestätigt, dass die Befürwortung seiner Teilnahme auf der Grundlage der Stiftung basiere, dass jeder Mensch das Recht hat, selbstbestimmt zu leben. „Die Teilnahme von Diego geschah in enger Abstimmung mit der Graf Recke Stiftung”, so Eickmeyer. Dass der Zuschauer nichts von Diegos seelischer Erkrankung erfährt, erklärte die RTL-Sprecherin wie folgt:„Die Entscheidung, seinen Hintergrund nicht von Beginn an öffentlich zu machen, geschah ebenfalls in Absprache mit der Graf Recke Stiftung.“ Dies entspreche dem Wunsch der Stiftung und diene zusätzlich dem Schutz der Persönlichkeitsrechte von Diego.

Auf Anfrage von MEEDIA hatte Professor Marlis Prinzing, Medienethikerin an der Hochschule Macromedia in Köln, den Fall als „ethisch völlig unzumutbar” eingestuft. Mit Selbstbestimmtheit von psychisch Beeinträchtigten, wie RTL argumentiert, habe das nichts zu tun. Medien haben eine Verantwortung und die umfasst, „Menschen vor sich selbst zu schützen, die zur souveränen Entscheidung über ihr eigenes Handeln nicht wirklich in der Lage sind”. Für Prinzing handelt es sich bei dieser Art der Unterhaltung um Voyeurismus. „Schon jetzt wird unübersehbar die Schaulust des Publikums bedient: ein psychisch kranker Mensch wird richtiggehend ausgestellt und zum Klatschobjekt, er wird benutzt, um medial breit durch diesen offenbar vorsätzlich erzeugten ‚Skandal‘ auf die Sendung aufmerksam zu machen“, erklärt sie.

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Der Fall „Diego“ werde damit auf einer weiteren Ebene zur Publikumsethik, schlussfolgerte Prinzing in ihrer Bewertung. Sie forderte:„Möglichst viele Menschen sollten RTL ein Stoppschild zeigen und klar machen, dass sie das nicht unterhaltsam finden.“

DSDS-Juror Dieter Bohlen versicherte gegenüber der Bild-Zeitung indes, dass es vorab kein Redaktions-Briefing gegeben habe und reagierte damit auf Vorwürfe, dass die Jury den Kandidaten bewusst Fragen zu seiner Vergangenheit gestellt hat. „Auf meinem Zettel stand nur der Name, sonst nichts.“

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