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Hass-Maschinen im Netz: Wie eine alte „Lindenstraße“-Folge bei Facebook zur Anti-Islam-Hetze instrumentalisiert wird

Fiese Islamisierung im deutschen “Staatsrundfunk” oder doch nur ein banaler Ausschnitt aus einer alten Folge “Lindenstraße”?
Fiese Islamisierung im deutschen "Staatsrundfunk" oder doch nur ein banaler Ausschnitt aus einer alten Folge "Lindenstraße"?

Facebook-Gründer Marc Zuckerberg hat angekündigt, das Social Network reparieren zu wollen. Bis das gelingt, ist es noch ein weiter Weg. Wie sich immer noch Hass und Hetze bei Facebook verbreiten, zeigt das Beispiel eines alten Ausschnitts der ARD-Serie „Lindenstraße“, der aktuell für Hetze gegen den Islam instrumentalisiert wird und bis in die USA schwappt. Die Reaktionen auf das Video sind erschreckend und zeigen, dass auch YouTube ein Problem hat.

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In Folge 1084 der ARD-Dauerserie „Lindenstraße“, die am 10. September 2006 ausgestrahlt wurde, geht es u.a. darum, dass die Figur Lisa (die in der Serie einst den Ex-Pfarrer Matthias mit einer Bratpfanne erschlug) zum Islam konvertieren will, weil ihre Hochzeit mit Murat bevorsteht. Nun ist es so, dass Lisa, gespielt von Sontje Peplow, ein durchaus gestörter Charakter ist (siehe die Episode mit der Bratpfanne) und so verbeißt sie sich auf Lisa-typische Art in eine fanatische Islam-Verherrlichung. In einer Szene der Folge erzählt sie ihrem Sohn Paul, dass „Gott“ jetzt „Allah“ heiße und jedes Kind als Muslim geboren werde. Aus dem Internet schreibt sie ein islamisches Glaubensbekenntnis ab und liest es ihrem verstörten Sohn vor, um anschließend zu behaupten, dass sie nun Muslima sei und baden müsse. Auslöser war offensichtlich, dass ihr Gatte in spe, Murat, sie in der Folge kurz zuvor gefragt hatte, was sie denn in einer Moschee wolle, sie sei ja noch nicht einmal Muslima. Die ganze Folge heißt “Islam”, weil es um Lisas offensichtlich schräges und gestörtes Islam-Verständnis geht. Wer die Folge sieht, dem ist selbstverständlich sonnenklar, dass es sich hier um reine Fiktion handelt (die ganze Folge gibt es hier zu sehen, die beschriebene Szene beginnt ab Minute 19.40). Das Handeln der Figur Lisa ist auch schlicht zu absurd, um es für Realität zu halten. Zumindest 2006 war das so, 2018 – im Zeitalter von Fake News – sieht die Sache schon etwas anders aus. 

Der Ausschnitt, in dem Lisa ihrem Sohn wirres Zeug über Allah erzählt, wurde nun von rechten Hetz-Seiten aus der alten Folge herausgepickt und über die Google-Tochter YouTube ins Netz gestellt. Mit Kommentaren wie: „So hat man also schon weit vor 2015 angefangen die Islamisierung voranzutreiben…“. Dabei werden Bezüge zur umstrittenen Kika-Doku „Malvina, Diaa und die Liebe“ hergestellt. Viele der Kommentatoren bei YouTube scheinen den völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Ausschnitt für bare Münze zu nehmen.

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Das YouTube-Video fand seinen Weg zu The Red Elephants, einer us-amerikanischen, ultrarechten Hetzseite, die es mit englischen Untertiteln und der Aufschrift „This is what they’re showing on German television“ versah. Das von The Red Elephants gepostete Facebook-Video erwies sich als überaus erfolgreich im Sinne einer hohen Reichweite. Bei Facebook wurde es bislang 1,2 Millionen mal aufgerufen, fast 26.000 mal geteilt und hat fünfeinhalb tausend Kommentare. Dabei ist erschreckend, wie viele US-Amerikaner offenbar glauben, das Video zeige tatsächlich einen ernstgemeinten Islamisierungsversuch im deutschen Fernsehen. Facebook funktioniert als Plattform für Hass, Hetze und die berüchtigten Fake News also nach wie vor extrem effektiv. Allerdings wäre es auch einmal an der Zeit, die Rolle von YouTube bei der Verbreitung von bedenklichen Inhalten zu hinterfragen.

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