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Starjournalist Michael Wolff liefert mit “Fire and Fury” das erste große Enthüllungsbuch der Trump-Ära

Gehört zu den profiliertesten und robustesten Medienjournalisten der USA: Michael Wolff
Gehört zu den profiliertesten und robustesten Medienjournalisten der USA: Michael Wolff

Es könnte das große Enthüllungsbuch der noch jungen Trump-Ära werden: Starjournalist Michael Wolff legt nächste Woche mit "Fire and Fury" das erste intime Porträt über die neue Administration im Weißen Haus vor. Tatsächlich ist das Buch für den US-Präsidenten politischer Sprengstoff: Wolff, der zuvor eine Biografie über Trump-Intimus Rupert Murdoch veröffentlicht hatte, skizziert ein wenig schmeichelhaftes Bild über die chaotischen Zustände im Weißen Haus – inklusive der Erkenntnis, dass Trump nie Präsident werden wollte.

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Das Bild ging um die Welt: Donald Trump starrte entgeistert auf die Prognosen, die nach Wahlschluss an der Ostküste immer mehr in seine Richtung drehten.

Starjournalist Michael Wolff beschreibt den Augenblick in seinem neuen Buch “Fire and Fury”, das nächste Woche in den Handel kommt, wie folgt: “Kurz nach 20 Uhr Ostküstenzeit, als der unerwartete Trend – dass Trump tatsächlich gewinnen könne – sich zu bestätigen schien,  sagte Donald Junior, zu einem Freund, dass sein Vater aussah, als habe er einen Geist gesehen. Melania war in Tränen aufgelöst – aber nicht aus Freude”…

“Ich kann der berühmteste Mann der Welt werden”

Wolff bestätigt damit ein Gerücht, das sich seit der US-Präsidentschaftswahl hartnäckig hält: Dass es Donald Trump nie darum ging, tatsächlich zu gewinnen, sondern vielmehr darum, knapp zu verlieren, um aus der Wahl die größte Aufmerksamkeit für seine Geschäfte zu ziehen.

“Trumps Kalkulation war, ziemlich bewusst, eine andere. Der Kandidat und seine Leutnants glaubten, dass sie all ihre Ziel erreichen konnten, in dem er fast Präsident wurde, ohne dabei ihr Verhalten auch nur einen Deut ändern zu müssen”, schreibt Wolff. “Ich kann der berühmteste Mann der Welt werden”, freute sich Trump gegen Ende des Wahlkampfs angesichts der absehbaren Niederlage.

“Das ist viel größer als ich es mir je erträumt hatte”, erklärte Trump dem früheren Fox News-CEO Roger Ailes eine Woche vor der Wahl. “Ich denke nicht ans Verlieren, denn das hier ist kein Verlieren. Wir haben total gewonnen.” Doch so sollte es am Ende tatsächlich  wortwörtlich kommen…

Michael Wolff: Nach Biografie über Murdoch erster intimer Einblick in Trump-Präsidentschaft

“Fire and Fury” (zu deutsch: Feuer und Wut) ist das erste große Enthüllungsbuch der Trump-Ära, in dem ein Journalist Zugang zum Weißen Haus erlangt. Michael Wolff beschreibt darin die ersten elf Monate der Trump-Präsidentschaft  – vom Wahltag bis vergangenen Oktober. Nicht nur Trump persönlich stand Wolff Rede und Antwort, sondern am Ende 200 Mitarbeiter, (Ex-)Kollegen oder Bekannte des neuen US-Präsidenten.

Wolff beschreibt seinen Zugang zur Trump-Regierung als  “halb-dauerhaften Sitz auf der Coach im West Wing”. Der US-Präsident selbst habe Wolff bei seinem Buchvorhaben ermutigt, schreibt Wolff. Der Star-Journalist (Vanity Fair, QG, USA Today) dürfte von Trump wegen seines engen Kontakts zu Medienmogul Rupert Murdoch auserwählt worden worden sein, über die Vorgänge im Weißen Haus zu berichten.

Wolff veröffentlichte 2008 die aufsehenerregende Murdoch-Biografie “The Man who owns the News”, während der Medienmogul als ein Trump-Intimus gilt. Wolff selbst führt seine Auswahl auf ein Hollywood Reporter-Interview mit Trump im Wahlkampf im Juni 2016 zurück, das günstig für den damaligen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ausfiel.

“Fire and Fury” ist politischer Sprengstoff für Trump

Dass sich Trump mit dem Zugang des selbstbewussten Alpha-Journalisten zu seiner Administration indes kaum einen Gefallen getan haben dürfte, wird schon nach dem ersten Buchauszug klar, der gestern im New York Magazin veröffentlicht wurde. Wolff beschreibt u.a. im Detail, wie Steve Bannon Trump-Sohn Donald Jr. für sein Treffen mit einer russischen Anwältin kritisiert. Das Treffen Mitte des Wahlkampfs2016 sei “Verrat, unpatriotisch, übler Mist” gewesen.

Bannon zieht über den vermeintlich folgenreichen Fehltritt von Donald Trump Jr. in “Fire and Fury” her: “Sie werden Don Jr. im  Fernsehen knacken wie ein rohes Ei”, wird der Breitbart-Chef zitiert, der im August als Chefstratege aus der Trump-Regierung ausgeschieden war.

Dass Bannon daraufhin zum unberechenbaren Faktor werden und einen Rachefeldzug planen könnte, wurde danach umgehend spekuliert. Wolffs Trump-Buch, das mit zahlreichen unangenehmen Details für den amtierenden Präsenten gespickt ist, könnte den Auftakt bilden. In einem Statement kündigte ein Trump-Anwalt bereits rechtliche Schritte gegen Steve Bannon für dessen Enthüllung an.

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Tatsächlich ist das Buch für Trump politischer Sprengstoff. NBC-Moderatorin Katy Tur zitiert etwa auf Twitter Buchpassagen, nach denen Donald Trump eine Vorliebe dafür habe, “die Ehefrauen seiner Freunde ins Bett zu bekommen”.

„Nicht nur Job, sondern Verstand verloren“: Trump bricht mit Bannon

Dass Michael Wolffs Enthüllungen buchstäblich hohe Wellen schlagen würden, demonstrierte Donald Trump umgehend in einer Reaktion selbst. Trump rechnete gestern erstmals öffentlich mit seinem Chefstrategen ab, dem eine entscheidende Rolle beim Wahlkampf zugedacht wird.

“Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job, sondern auch seinen Verstand verloren”, erklärte Trump gestern in einem von Pressesekretärin Sarah Sanders verbreiteten Statement – und wich damit erstmals von dem Wording ab, dass Bannon aus freien Stücken seinen Rücktritt erklärt hatte. “Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun. (…) Er war ein Mitarbeiter, der für mich gearbeitet hat, nachdem ich bereits die Nominierung gewonnen hatte.

 

Steve Bannon ist “jetzt auf sich allein gestellt”

Und mehr noch: “Jetzt, da er auf sich allein gestellt ist, lernt Steve, dass zu gewinnen nicht so einfach ist, wie ich es aussehen lasse”, verhöhnt Trump seinen einstigen Chefstrategen. “Er repräsentiert nicht meine Basis – er ist nur für sich selbst da.” Trump warf Bannon ebenfalls vor, dass der 63-Jährige gezielt Informationen aus dem Weißen Haus an die Medien gestreut habe,  um sich wichtiger zu machen als er sei. “Das ist das einzige, was er gut kann”, rechnet Trump mit seinem einstigen Weggefährten ab.

Ob Trump mit dem Bannon-Zerwürfnis die Enthüllungen der Wolff-Biografie eindämmen kann, bleibt abzuwarten. Bis zur Buchveröffentlichung am 9. Januar dürften scheibchenweise weitere pikante Details über das erste Jahr der Trump-Präsidentschaft an die Öffentlichkeit kommen.

Michael Wolff gilt als knallharter Medienjournalist

Dabei hätte Trump gewarnt sein müssen. Michael Wolff gilt zwar als hochdekorierter, aber gleichzeitig sehr robuster Medienjournalist, der einer guten Story alles unterordnet. Kurz nachdem er Medienmogul Rupert Murdoch 50 Stunden exklusiv für seine Biografie interviewen durfte, berichtete Wolff auf seinem damaligen News-Aggregator Newser über eine mutmaßliche Affäre von Murdochs Frau Wendi mit MySpace-Gründer Chris deWolfe.

Über Apple-Chef Steve Jobs echauffierte sich Wolff wenige Monate vor seinem Tod mit den Worten: “Steve Jobs, diese immer verrücktere Person, lebt – so lange bis er tatsächlich stirbt – in einer rechtsfreien Sphäre. Steve Jobs mag einer der seltsamsten Menschen sein, der einem Vollzeitjob nachgeht – und kaum einer macht sich über ihn lustig.”

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