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Deutsche Medienaktien 2017: Axel Springer und Ströer haussieren, ProSiebenSat.1 und RTL Group enttäuschen

Gewinner und Verlierer des Medienjahres 2017: Springer-CEO Mathias Döpfner, P7S1-CEO Thomas Ebeling
Gewinner und Verlierer des Medienjahres 2017: Springer-CEO Mathias Döpfner, P7S1-CEO Thomas Ebeling

Die immer dynamischer voranschreitende Digitalisierung hat die Medienbranche 2017 mehr denn je durchgerüttelt. Nur noch Medienkonzerne, die konsequent auf den Zukunftsmarkt Internet setzten, sind von der Börse in den vergangenen 12 Monaten belohnt worden. In der TV-Industrie zeigt sich mehr denn je, wie die veränderten Fernsehgewohnheiten – weg vom linearen TV, hin zu Netflix, Amazon & Co. – den traditionellen Sendergruppen zusetzten. Verlage wurden unterdessen für ihre beherzte Digital-Expansion belohnt. Ein Blick auf die Börsenentwicklung der höher kapitalisierten deutschen Medienkonzerne.

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4. ProSiebenSat.1: – 21 Prozent

Es klingt wie eine Cinderella-Story: Fast ein Jahrzehnt lang wurde Thomas Ebeling für seine Turnaround-Bemühungen gefeiert, durch die er ProSiebenSat.1 vom Pennystock zum Dax-Aufsteiger transformierte. In Euro und Cent erinnert der mirakulöse Aufstieg fast an den Höhenrausch mancher Kryptowährung.

Von 90 Cent im Mai 2009 schossen die Anteilsscheine von ProSiebenSat.1 in der Spitze bis auf Notierungen von über 50 Euro empor. Wer im Frühjahr 2009 zum Beispiel 20.000 Euro in das Münchner Senderkonglomerat investiert hätte, konnte sich vor einem Jahr kurzfristig als Millionär fühlen.

Das allerdings war vor einem Jahr. Ende 2017 fällt das Drehbuch jedoch der anders aus. Wie in “La La Land” endet eine Oscar-reife Story nicht gut: 2017 erlebte ProSiebenSat.1 sein annus horribilis. Nach anhaltender Schwäche im Fernsehwerbemarkt mussten die Münchner erst im November ihre Umsatz- und Ergebnisprognose für 2017 kassieren – die Aktie verlor weiter an Wert und wurde mit einem Minus von 22 Prozent auf den letzten Platz des Eliteindex Dax durchgereicht. Seit den Allzeithochs vor einem Jahr hat sich der Kurs sogar fast halbiert.

Auf den letzten Metern beschädigte Ebeling auch auf persönlicher Ebene sein Erbe. Mit einem verstörenden Kommentar in der Analystenkonferenz, die sich Anfang November an die Quartalsbilanz anschloss. “Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen”, beschrieb Ebeling die Zuschauer von ProSiebenSat.1– und sorgte damit für einen Sturm der Entrüstung. Die Folge: Bereits im Februar ist nun schon Schluss für den früheren Roche-Manager. Für den Mann, der ProSiebenSat.1 wie den Phönix aus der Asche in ungeahnte Höhen beförderte, endet seine neunjährige Amtszeit wie in einem schlechten Film.

3. RTL Group: – 3 Prozent

Auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat sich an der Börse die RTL Group, die ihren Aktionären kurz vor Jahresende ein Minus von drei Prozent einbrockte. Dabei wächst das Kerngeschäft trotz des europaweit schwachen TV-Werbemarkts noch moderat: Das Luxemburger Senderkonglomerat, zu dem als Flaggschiff auch die Mediengruppe RTL gehört, konnte im jüngsten Quartal bei einem Umsatzplus von knapp zwei Prozent immerhin eine Steigerung des Nettogewinns um 12 Prozent ausweisen.

Die Tochter des Medien- und Dienstleistungskonzerns Bertelsmann war allerdings schwach in das Jahr gestartet und hatte im ersten Quartal ein Minus bei Umsatz und Gewinn vermelden müssen. Dank eines weiter wachsenden Digitalgeschäfts und guter Zahlen der Deutschland-Tochter stemmten sich die CEOs Guillaume de Posch und Bert Habets im zweiten Halbjahr indes gegen die schwächelnden Werbemärkte im Fernsehgeschäft.

Die Zukunft bleibt indes herausfordernd: Wie ProSiebenSat.1 hat RTL mit veränderten Fernsehgewohnheiten zu kämpfen – weg vom linearen TV, hin zu Netflix, Amazon & Co. Die Bereitschaft, den Paradigmenwechsel mitzugestalten, unterstrichen die Luxemburger mit der erfolgreichen Fantasy-Serie „American Gods“ profitiert, die von der RTL-Tochter Fremantle produziert und exklusiv an Amazon Prime Video verkauft wurde.

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2. Axel Springer: + 44 Prozent

2017 war das Jahr, auf das Springer-Aktionäre lange warten mussten: erstmals seit 2013 wieder zweistellige Kurszuwächse – und endlich wieder neue Allzeithochs! Ende November konnte in der Axel Springer-Straße 65 nach dem Durchbruch durch die 60 Euro-Marke die Sektflaschen nach zweieinhalbjähriger Wartezeit schließlich entkorkt werden. Seitdem sind im Jahresendspurt sogar noch einmal weitere zehn Prozent hinzugekommen.

Nach einer jahrelangen Berg- und Talfahrt kann das Berliner Verlagshaus, das inzwischen den Großteil seiner Umsätze aus dem Digitalgeschäft generiert, seinen Aktionären wieder deutliche Kursgewinne bescheren. Mit 43 Prozent liegt das Papier seit Januar vorne – und damit deutlich besser als der Benchmark-Index MDax, der seit Jahresbeginn lediglich um 18 Prozent zugelegt hat.

Angesichts der nur einstelligen Zuwächse der Geschäftsentwicklung fällt das Kursplus sportlich aus: Im jüngsten Quartal legten sowohl die Erlöse als auch Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um lediglich sieben Prozent zu. Anleger bewilligten dem Berliner Medienkonzern, der nun schon mit mehr als sieben Milliarden Euro bewertet wird und damit inzwischen schon an Dax-Mitglied ProSiebenSat.1 vorbeigezogen ist, offenkundig vor allem durch den konsequenten Ausbau des Digitalgeschäfts die üppigen Kursaufschläge. Nach Bankenschätzungen scheint das weitere Kurspotenzial nun allerdings ausgereift – für die meisten Analysten ist die Springer-Aktie inzwischen eine “Halteposition”.

1. Ströer: + 51 Prozent

Wenn in den letzten zwei Handelstagen nichts Außergewöhnliches mehr passiert, dürfte Ströer der Jahressieg unter den deutschen Medienaktien nicht mehr zu nehmen sein. Der Außenwerbevermarkter, der sich auch 2015 mit einem beeindruckenden Plus von 122 Prozent den Spitzenplatz gesichert hatte, liegt nach knapp zwölf Monaten um 51 Prozent vorne.

Wie bei Springer sind die die gut laufenden Digitalgeschäfte der eigentliche Kurstreiber des Kölner Unternehmens. Im jüngsten Quartal legten die Umsätze um 19 Prozent zu, während die Nettogewinne sogar um 84 Prozent haussierten.

Das im MDax notierte Unternehmen blieb seinem aggressiven Expansionskurs auch 2017 treu. Im Sommer etwa übernahm Ströer sowohl den Telefonvertrieb Avedo als auch später den Direktvertrieb Ranger, im Oktober folgten die Akquisitionen der Media-Agentur Poster Select und des Hamburger Start-ups Yieldlove.

Welche Rolle die journalistischen Angebote wie etwa  das von der Telekom erworbene Portal T-Online, das seit September vom ehemaligen Spiegel Online-Chef Florian Harms geführt wird und zum “digitalen Leitmedium” werden soll, in der Wachstumsstrategie des Außenwerbevermarkters spielen, werden in der Branche kritisch beäugt.

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