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Von wegen falsch zitiert: Der Spiegel veröffentlicht Interview-Mitschnitt und widerlegt Morrissey-Anschuldigungen

Vorwürfe widerlegt: Der Spiegel belegt per Audio-Aufnahme, Morrissey richtig zitiert zu haben

Der Spiegel hat auf die Anschuldigungen des britischen Sängers Morrissey reagiert und den Audio-Mitschnitt des Interviews online veröffentlicht. Mit der Transparenz-Maßnahme belegt der Spiegel die Wahrhaftigkeit der Aussagen des Sängers, die das Magazin vor einigen Wochen veröffentlicht hatte. Morrissey hatte behauptet, der Spiegel habe Aussagen über Donald Trump oder Kevin Spacey falsch wiedergegeben.

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Spiegel Online hat den Mitschnitt des Interviews in voller Länge (40 Minuten) veröffentlicht und auf die umstrittenen Passagen hingewiesen. Die Aufnahme belegt: Es war ein unsicheres Interview, die Aussagen Morrisseys sind aber so gefallen, wie der Spiegel sie abgedruckt hatte. Morrissey hatte im Interview unter anderem gesagt, er würde Donald Trump „für die Sicherheit der Menschheit“ töten, auch die Vorwürfe gegenüber Kevin Spacey hat Morrissey verharmlost, sein Verhalten nahezu verteidigt.
Dass der Spiegel nun das Recherchematerial veröffentlicht, ist die Folge von Vorwürfen, die der Sänger zu Beginn dieser Woche erhoben hatte. In einem Facebook-Posting hatte der britische Sänger behauptet, der Spiegel habe ihn falsch wiedergegeben. Er hätte weder gesagt, Trump töten zu wollen, noch habe er Spaceys private Neigungen verteidigt oder für gut geheißen. Nicht bestritten hatte Morrissey die Aussage, dass Berlin Europas „Vergewaltigungshauptstadt“ sei. Als Grund nannte er dafür die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel.
Mit dem Schritt, die Aufnahme online zu stellen, hat der Spiegel seine Position verteidigt und die Fake-Anschuldigungen des Sängers widerlegt. Dieser hatte das Nachrichtenmagazin zuvor auf persönlichem Wege dazu aufgefordert. Der Spiegel aber hielt das Material bis zur öffentlichen Diskussion zurück. „Wir haben es ursprünglich nicht veröffentlicht, weil das gedruckte Interview für sich stehen und sprechen sollte und Morrisseys pauschale Anwürfe auch nicht ansatzweise zu erkennen gaben, wo er sich missinterpretiert oder falsch dargestellt fühlte, so dass es zunächst keinen Anlass gab, von dieser grundsätzlichen Haltung abzurücken“, teilte der Spiegel am Dienstag gegenüber MEEDIA mit.
Der Sänger, der in den achtziger Jahren mit der Band The Smiths bekannt wurde, ist mittlerweile umstritten. Das Verhältnis zur Presse ist angespannt, im Interview mit Spiegel wie auch an anderen Stellen hat er mehrfach betont, von Journalisten falsch verstanden zu werden, warf ihnen vor, seine Meinung und Ansichten nicht richtig wiederzugeben. In seinen Songs singt er darüber, dass Menschen Nachrichten meiden sollten, kritisiert „Mainstream-Medien“. „Morrissey ist jetzt ein alter, ideenloser Verschwörungstheoretiker“, kommentierte jüngst die Süddeutsche Zeitung.

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