Partner von:
Anzeige

Ex-Facebook-Manager erneuert Kritik: “Social Media kreiert Gesellschaft, die Wahrheit mit Beliebtheit verwechselt”

Das Unbehagen gegenüber Facebook wurde 2018 immer größer
Das Unbehagen gegenüber Facebook wurde 2018 immer größer

Der Vorwurf war hart: "Wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen", erklärte der frühere Facebook-Topmanager Chamath Palihapitiya gestern auf einer Podiumsdiskussion mit Blick auf seinen früheren Arbeitgeber. Heute legt der 41-Jährige nach: "Wir leben heute in einer Welt, in der es sehr leicht ist, die Wahrheit mit Beliebtheit durcheinanderzubringen", präzisierte Palihapitiya gegenüber CNBC seine Kommentare vom Vortag. Facebook konterte in einer Stellungnahme.

Anzeige

Der Gegenwind wird schärfer. 2017 erlebte Facebook PR-mäßig ein wahres Horrorjahr. Während die Aufarbeitung der russischen Einflussnahme auf die US-Wahl dem weltgrößten Social Network eine immer schlechtere Presse bescherte, gab Zuckerberg zuletzt bei seinem VR-Trip nach Puerto Rico ein jämmerliches Bild ab.

Selbst frühere Mitarbeiter schossen sich auf ihren einstigen Arbeitgeber regelrecht ein und kritisiert Facebook unerwartet hart. Den Anfang machte im vergangenen Monat Facebooks erster Präsident Sean Parker, der das weltgrößte Social Network als “eine soziale Bestätigungsmaschine” bezeichnete, die “Gott weiß was mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet.“

Social Media-Allmacht: “Leben heute in einer Welt, in der es sehr leicht ist, die Wahrheit mit Beliebtheit zu verwechseln”

Chamath Palihapitiya, ab 2007 verantwortlicher Manager für das Nutzerwachstum des damals gerade mal drei Jahre alten sozialen Netzwerks, äußerte sich gestern auf einer Podiumsdiskussion an der Stanford Graduate School of Business unisono. „Ich denke, wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen“ , erklärte Palihapitiya, der heute den von ihm gegründeten Wagnisfinanzierer Social Capital verantwortet.

Nachdem seine Kommentare viral gingen und intensiv diskutiert wurden, präzisierte der 41-Jährige gegenüber dem Finanznachrichtensender CNBC heute seine Einschätzung. “Wir leben heute in einer Welt, in der es sehr leicht ist, die Wahrheit mit Beliebtheit zu verwechseln”, erklärte Palihapitiya mit Blick auf die Allmacht der sozialen Medien.

Anzeige

“Man kann Geld einsetzen und bringt Leute dazu, dass das, was nun beliebt ist, auch wahr ist.”

„Man kann Geld einsetzen, um zu verstärken, woran auch immer man glaubt und bringt Leute dazu, dass das, was nun beliebt ist, auch wahr ist. Und was nicht beliebt ist, ist auch nicht mehr wahr“, erklärt der CEO des Wagnisfinanziers Social Capital in Anspielung auf gesponserte Facebook-Anzeigen, deren gezielte Nutzung für manipulative Zwecke im Zuge der Analyse der US-Wahl stark in Misskredit geraten ist. “

Der Schlüssel zur Manipulation liege darin, dass Social Media-Dienste die menschliche Tendenz nach Feedback ausbeute. „Das Feedback ist, chemisch gesprochen, der Ausstoß von Dopamin im Gehirn. Wenn man dadurch zu sehr desensibilisiert wird, braucht man den Ausstoß wieder und wieder – und löst sich so von der Welt, in der wir leben“, kritisierte Palihapitiya allgemeingültig in Bezug auf Social Media-Dienste.

Facebook fühlte sich indes von der Kritik angesprochen und erklärte wenig später in einem Statement: „Chamath ist seit sechs Jahren nicht mehr bei Facebook. Als er bei Facebook war, waren wir darauf fokussiert, neue Social Media-Erfahrungen zu bauen und rund um die Welt zu wachsen. Facebook war damals ein ganz anderes Unternehmen. Wir sind gewachsen und unsere Verantwortung ist es auch.“ Ironischerweise gilt das auch für die scharfe Kritik am Social Network, die nie so laut und zahlreich artikuliert wurde wie in diesen Tagen…

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige
Werben auf MEEDIA
 
Meedia

Meedia