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Weil Middelhoff Mitspracherecht beim Drehbuch hatte: WDR kippt Doku kurzfristig aus TV-Programm

Der WDR zieht die Doku “Menschen hautnah: Thomas Middelhoff – Absturz eines Topmanagers” zurück
Der WDR zieht die Doku “Menschen hautnah: Thomas Middelhoff - Absturz eines Topmanagers” zurück

Angekündigt war es als Portrait ganz nah am Menschen Thomas Middelhoff. So sollte erstmals die neue Lebensgefährtin des früheren Star-Managers zu Wort kommen. Doch kurz vor dem Ausstrahlungstermin zog der WDR den Film “Menschen hautnah: Thomas Middelhoff – Absturz eines Topmanagers” zurück. Als Grund gab der Sender "eine bestehende vertragliche Vereinbarung zwischen Thomas Middelhoff und dem Produzenten" an, deren konkreter Inhalt der Redaktion erst kurz vor der Ausstrahlung offengelegt worden sei.

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Solche Praktiken sind geeignet, die journalistische Unabhängigkeit auszuhebeln. In einer Ankündigung für eine spätere Ausstrahlung im RBB wirbt die ARD damit noch damit, dass es dem Autor gelungen sein, dem ehemaligen Bertelsmann-Chef davon zu überzeugen, ihm eine Vielzahl von privaten Zugängen zu ermöglichen. So heißt es unter anderem:

In Interviews mit Thomas Middelhoff selbst, mit ehemaligen Kollegen aus seiner Zeit als Top-Manager, mit seiner Mutter und seiner ehemaligen Sekretärin zeichnet der Film das Bild eines Menschen, der von den Gipfeln der Macht in den tiefsten Abgrund stürzte. Zum ersten Mal wird seine neue Lebenspartnerin ein Interview geben und über ihr gemeinsames Leben sprechen.

Weiter verspricht der Pressetext: “Das Filmteam begleitet Thomas Middelhoff bei seiner Arbeit in der Behinderteneinrichtung von Bethel, die er als Freigänger der JVA Bielefeld-Senne verrichtet. Middelhoff erzählt von seinem Leben in der Haftanstalt und seiner neuen Arbeit, die nichts mehr mit der Welt der Bosse von einst zu tun hat – seinen großen Auftritten als erfolgreicher Konzernlenker bei Bertelsmann in Gütersloh.”

Offenbar hatte die Produktion für diese Zugänge besondere Absprachen mit Middelhoff getroffen. Zumindest lässt die Stellungnahme des WDRs diesen Schluss zu.

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Überraschend hatte der Sender nämlich am frühen Montagabend bekannt gegeben, dass man das Programm ändere und die Doku (geplanter Sendetermin: Donnerstag 22.40 Uhr) nicht zeige. Aus “Gründen der Transparenz” erklärt der Sender zudem die Entscheidung: “Anlass ist eine bestehende vertragliche Vereinbarung zwischen Thomas Middelhoff und dem Produzenten, deren konkreter Inhalt der Redaktion erst kurz vor der Ausstrahlung offengelegt wurde”, schreibt der Westdeutsche Rundfunk. Die vertragliche Vereinbarung zwischen dem Produzenten und Thomas Middelhoff räumt dem ehemaligen Bertelsmann-Chef offenbar ein Recht auf Mitsprache beim Drehbuch ein “und darauf, den fertigen Film vor Ausstrahlung zu sehen”.

Für einen öffentlich-rechtlichen Sender ein absolutes No-Go. Deshalb sagen die Kölner auch deutlich: “Vereinbarungen wie diese widersprechen den journalistischen Grundregeln des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sind für den WDR nicht akzeptabel.”

Wie es mit dem Material weitergeht und ob, wann und unter welchen Voraussetzungen der WDR die Doku doch noch einmal zeigt, ist noch unklar. Auf eine entsprechende MEEDIA-Anfrage reagierte die Produktionsfirma bislang nicht.

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Alle Kommentare

  1. Dieser Parasit hat ganze Unternehmen in den Ruin getrieben und abertausende von Arbeitsplätzen vernichtet. Und sich selbst hat er dabei mit den Millionen immer bestens bedient.

    Wie man mit so einem überhaupt irgendeine Vereinbarung treffen kann, um eine schön kuschelige Home Story zeigen zu können – das ist wirklich unappetitlich.

    Ob die tausende Opfer von Herrn Middelhoff auch gefragt wurden? War einer der Filmemacher bei den rausgeschmissenen Karstadt-Mitarbeiterinnen in Recklinghausen, in Dessau oder in Neumünster zu Hause, die jetzt nie mehr Arbeit finden werden?

  2. Wer sind denn “Die Produzenten”?
    Ausserdem kann man von einem Bertelsmann erwarten dass er den Umgang mit Medien bzw. deren, sagen wir mal, “Steuerung” aus dem Effeff beherrscht.

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