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Strategischer Investor für Idealo? Springer-Chef Döpfner sucht nach einer Zukunft für die Vergleichsplattform

Springer-CEO Mathias Döpfner sucht nach einer Zukunft mit der Preissuchmaschine Idealo
Springer-CEO Mathias Döpfner sucht nach einer Zukunft mit der Preissuchmaschine Idealo

Nach dem abgeblasenen Verkauf von Idealo sucht Springer-Chef Mathias Döpfner nach Wegen, das weitere Wachstum des Preisvergleichsportals abzusichern. Darüber will der Medienmanager bis zum Jahresende entscheiden. Aktienanalysten halten diverse Optionen für denkbar. Von einer Kapitalspritze durch den Springer-Konzern selbst bis zum Einstieg eines strategischen Investors, der als Konsolidierer der hart umkämpften Branche auftritt.

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Anfang des Jahres hatte Springer-Chef Mathias Döpfner für die Preissuchmaschine Idealo noch einen Käufer gesucht. Jüngst blies der Medienmanager den Komplettverkauf des Berliner Unternehmens überraschend wieder ab. Über die Gründe wurde in der Branche heftig spekuliert. Möglicherweise habe Springer einen zu ambitionierten Kaufpreis für das Web-Portal gefordert: Potenzielle Interessenten hätten sich daher zurückgezogen, hieß es.

Jetzt muss Döpfner die weitere Zukunft der Gesellschaft mit mehr als 700 Mitarbeitern wieder selber in die Hand nehmen. Er prüft derzeit diverse Optionen, wie die weitere Expansion der Preissuchmaschine finanziert werden könnte. Darüber will der Medienmanager bis zum Jahresende entscheiden. „Gemeinsam mit den Mitgesellschaftern und dem Management von Idealo prüfen wir fortlaufend, was der beste Weg für die weitere Wachstumsfinanzierung im Sinne des Unternehmens ist. Dabei sind verschiedene Optionen denkbar. Der Prüfungsprozess dauert aktuell noch an. Wir hoffen, ihn bis spätestens zum Jahresende abgeschlossen zu haben“, erklärt eine Springer-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Um welche Optionen es sich handelt, ließ die Firmensprecherin allerdings offen.

Vorstellbar ist vieles: Von einer Geldspritze durch Springer selbst bis zu einem separaten Börsengang. Aktienanalysten halten aber eine Aktienplatzierung eher für unwahrscheinlich. Die Branche der Preisvergleichsportale sei mit diversen Anbietern völlig übersättig und stünde unter massivem Konkurrenzdruck, was große Wachstumssprünge verhindert. Aktienanalyst Marcus Silbe von der Oddo BHF-Bank sieht daher den Einstieg eines strategischen Investors als die wahrscheinlichste Variante. „Ich gehe davon aus, dass sich Axel Springer bei der weiteren Wachstumsfinanzierung von Idealo weniger um eine Innenfinanzierung im zweistelligen Millionenbereich bemüht. Axel Springer wird für das Preisvergleichsportal eher nach einem potenziell strategischen Investor suchen, der in diesem hart umkämpften Markt mit einer Fülle von Anbietern langfristig als Konsolidierer auftritt“, erklärt der Wertpapier-Analyst gegenüber MEEDIA. In diesem Fall bliebe Springer weiter als Partner an Bord und würde sich nicht vollständig aus dem Unternehmen zurückziehen.

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Dass sich Döpfner von einem Komplettrückzug des Preisvergleichers distanziert hat, liegt möglicherweise auch an den verbesserten Zukunftsaussichten für die Web-Gesellschaft. „Ich sehe gute Wachstumschancen für Idealo. Das Preisvergleichsportal profitiert durch die Kombination mit Visual Meta, die verstärkt auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) setzen. Dies könnte Produktsuchmaschinen wie Ladenzeile – oder eben auch Idealo – helfen, ihr Geschäft künftig kräftig auszubauen“, meint die Digitalspezialistin Katja Nettesheim. Denn die Nutzer wären durch KI-Technologien in der Lage, Preise und Produkte besser und schneller zu vergleichen. Damit könnten sich die beiden Portale gegenüber den US-Branchenriesen Google und Amazon besser absetzen. Nettesheim weiß, wovon sie spricht. Die Inhaberin der Agentur Mediate Group ist Expertin im Digitalgeschäft. Sie war jahrelang für den Springer-Konzern tätig, unter anderem in den Bereichen Merger & Akquistions als auch in der Verlagsgeschäftsführung der Hamburger Regionalzeitungen. Visual Meta sieht sie daher als einen wichtigen Baustein für die weitere Expansion von idealo. Der Preisvergleichsdienst hatte sich 2011 mehrheitlich an Visual Meta beteiligt. Die Gesellschaft betreibt europaweit Produktsuchmaschinen wie Ladenzeile und Shopalike, die sich vor allem auf Märkte wie Mode, Schuhe und Möbel konzentriert haben.

Dass Springer an Idealo und Ladenzeile festhält, hat möglicherweise aber noch einen anderen Grund: Die beiden Portale profitieren derzeit von der wachsenden Skepsis der Verbraucher, die zunehmend die Objektivität der US-Techriesen Google und Amazon anzweifeln. Nettesheim: „Der Hauptanteil der Produktsuchen geht über Google, beziehungsweise inzwischen über Amazon. Aber gerade seit die Ranking- beziehungsweise Preisbildungspraktiken der beiden Großen angezweifelt werden, sind unabhängige Produktsuchmaschinen ein wichtiger Anlaufpunkt – und auch ein Korrektiv.“ Vor allem durch Verbraucherschützer bekommt die Branche der Preis- und Produktsuchmaschinen (PSM) zunehmend Gegenwind. Das Bundeskartellamt hatte gestern angekündigt, den Branchenzweig auf „mögliche Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften“ zu untersuchen. „Millionen von Verbrauchern informieren sich alltäglich mit Hilfe von Vergleichsportalen im Internet“, erklärte der Präsident der Bonner Wettbewerbsbehörde, Andreas Mundt. „Buchungen über hohe Beträge und weitreichende Vertragsabschlüsse werden von den Angaben der Portale beeinflusst. Wir müssen sicherstellen, dass die Verbraucher sich dabei auf die Zuverlässigkeit, die Objektivität und die Transparenz der Portale verlassen können.“

Bereits im April hatte die PSM-Branche Ärger: Der Bundesgerichtshof entschied, dass Preisvergleichsportale im Internet ihre Nutzer darauf aufmerksam machen müssen, wenn sie nicht sämtliche Anbieter, sondern nur ausgewählte Unternehmen berücksichtigen. Anlass hierfür war eine Klage des Bundesverbands Deutscher Bestatter. Die Lobbyvereinigung störte sich daran, dass die Internetseite Bestattungsvergleich.de nicht sämtliche Anbieter auf dem Markt berücksichtigt, sondern nur diejenigen, die mit dem Betreiber eine Provision vereinbart haben. Doch für die Nutzer der Seite sei diese Einschränkung bei der Suche nach einen attraktiven Angebot nicht ersichtlich, hieß es.

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