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Erneute Vorwürfe gegen Polizei München: Beamte sollen von NDR-Journalisten Herausgabe von TV-Material gefordert haben

Christoph Lütgert
Christoph Lütgert

Und wieder Vorwürfe gegen die Münchner Polizei wegen ihres Umgangs mit Journalisten. Am gestrigen Montag machte die Bild einen Vorfall publik, bei dem Beamte Videomaterial von dem Handy eines Reportes gelöscht haben sollen. Jetzt wird bekannt: Bereits Mitte Oktober soll die Polizei München ein TV-Team des NDR mit dessen ehemaligen Chefreporter Christoph Lütgert festgehalten und verlangt haben, das gedrehte Fernseh-Material sichten zu dürfen.

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Der Vorfall soll sich am Vormittag des 14. Oktober 2017 ereignet haben. Der ehemalige Chefreporter des Norddeutschen Rundfunks, Christoph Lütgert, filmte zusammen mit einem dreiköpfigen NDR-Team vor dem Frauengefängnis in München Stadelheim. Nach Aussage der Journalisten achteten sie streng darauf, dass sie sich nur auf öffentlichem Gelände aufhielten.

Als die TV-Journalisten ihre Aufnahmen im Kasten hatten und wieder wegfahren wollten, sollen jedoch ein Polizeiwagen und ein Zivilfahrzeug mit Zivilbeamten das Auto der Hamburger so zugestellt haben, dass sie nicht mehr losfahren konnten.

Aus einem Beschwerdeschreiben des vielfach ausgezeichneten TV-Journalisten an die Münchenern Polizei, das MEEDIA vorliegt, geht hervor, dass die Beamten ohne Grund die Ausweispapiere verlangt hätten. “Erst auf meine eindringliche Nachfrage bekamen wir die Auskunft, wir hätten ohne Drehgenehmigung das Gefängnis gefilmt, was nicht zulässig sei”, schreibt Lütgert. Daraufhin soll ein Beamter verlangt haben, das gedrehte Material zu sehen. Weiter heißt es in dem Brief:

Da es zu den Grundprinzipien des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gehört, nicht gesendetes Material keinem Dritten zugänglich zu machen, lehnten wir ab. Daraufhin wurden wir offen bedroht: Bisher, so ein Beamter, habe sich die Polizei uns gegenüber um Deeskalation bemüht. Wenn wir auf Eskalation setzen, könnten sie unser Drehmaterial beschlagnahmen. Somit bleibt festzuhalten: Die Beamten verlangten von uns etwas, was sie nicht verlangen durften, und sie bedrohten uns anschließend mit einer ebenfalls unzulässigen Maßnahme.

Im Laufe der Debatte, die gut eine Dreiviertelstunde gedauert haben soll, soll zwischenzeitlich sogar ein Wagen der Polizei wieder davon gefahren und zurückgekommen sein. Am Ende sollen die Polizisten erklärt haben, dass sie die Information erhalten hätten, dass eine Gefängnis-Bedienstete während des Drehs durch das Bild gelaufen sei. Diese dürfe keinesfalls gezeigt werden. “Nun verlangte der Beamte erneut, er wolle unser Drehmaterial sehen, um mit uns festzulegen, welche Passage rausgeschnitten werden müsse. Erneut lehnten wir ab”, so Lütgert weiter. “Irgendwie müssen die Beamten selbst gemerkt haben, dass sie sich mit ihrem übergriffigen Verhalten in eine Sackgasse manövriert hatten. Denn ohne auch nur ein einziges Wort der Entschuldigung stiegen sie in ihre Fahrzeuge und fuhren davon.”

Seitdem versucht der Journalist von der Polizei in München, eine Erklärung für den Vorfall zu erhalten bzw. Informationen dazu, wer ihn und sein Team überhaupt festgehalten hatte. Erst, wenn die Namen bekannt sind, will er möglicherweise eine ordentliche Beschwerde auf den Weg bringen.

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In einer ersten Antwort versprach die Polizei Aufklärung, bat jedoch auch um etwas Geduld. Bis heute hat Lütgert nichts weiteres aus München gehört.

Gegenüber MEEDIA bestätigte die Polizei (siehe Update), dass sie eine Beschwerde eines Mitarbeiters des NDR erreicht hätte. “Diese Beschwerde wurde daraufhin umgehend an die zuständige Beschwerdestelle des Polizeipräsidium München weitergereicht und wird dort nun bearbeitet. Wir sind in diesem Bereich äußerst sensibel und um eine möglichst schnelle Klärung des Sachverhalts bemüht.”

Seit dem Sonntag erhielt der Vorfall vor dem Frauengefängnis nun erheblich mehr Brisanz. Wie die Bild in eigener Sache am gestrigen Montag berichtete, soll ein Zivilbeamter während eines Einsatzes am Wochenende einen Bild-Reporter genötigt haben.

Der Vorfall soll ich am Samstag während einer Festnahme im Zusammenhang mit der Messerattacke in München, die bundesweit für Aufsehen gesorgt hat, zugetragen haben. Ein Reporter der Boulevardzeitung sei zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes vor Ort gewesen und habe Filmaufnahmen gemacht. Daraufhin sei er von Zivilbeamten ermahnt worden, die Aufnahmen zu unterlassen. Als sich der Reporter als Journalist zu erkennen gegeben und deshalb weiter gemacht habe, hätten die Polizisten ihn körperlich angegangen und die Aufnahmen von seinem Handy gelöscht.

In diesem Fall widerspricht die Polizei allerdings, während die Zeitung ankündigte – anders als Lütgert – Anzeige erstatten zu wollen.

Update (15.03 Uhr): Der Text wurde um ein Statement der Polizei München ergänzt, das diese erst nach Veröffentlichung des Artikel liefert.

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