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„Wähl mich!“ – wie das ZDF sein Jungwähler-Format grundlos versteckt

FDP-Jungpolitikerin Denise Köcke (l.), Moderatorin Sandra Rieß: Welchen Wähler hätten's gerne?

Junge Leute sind begehrt als Wähler und Zuschauer. Vor der Bundestagswahl befassen sich darum Medien auch gerne mit der Frage, wie Parteien Jungwähler für sich gewinnen können und versuchen dabei nebenher vielleicht auch ein paar Jungzuschauer abzugreifen. Das ZDF startete die Kurz-Reihe „Wähl mich!“ mit einigen frischen Ideen, gab sich dann aber alle Mühe, die Sendung vor einem größeren Publikum zu verstecken.

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Das Konzept der dreiteiligen Reihe „Wähl mich!“ enthält einiges an Peinlichkeits-Potenzial. Jungpolitiker müssen ausführen, wie sie sich ihren idealen Wähler bzw. ihre ideale Wählerin vorstellen. Ein Hipster mit Hut zeichnet dabei eine Karikatur von Herr oder Frau Idealwähler. Anschließend macht sich Moderatorin Sandra Rieß im Wahlkreis auf die Suche nach einem echten Menschen, der oder die dem Idealbild am nähesten kommt. Im Zwiegespräch müssen die Politik-Youngsters dann ihre Wunschwähler überzeugen, am Ende ihr Kreuzchen auf einem Stimmzettel möglichst bei „Ja“ zu machen.
Das klingt kreuzdoof, ist es beim Anschauen aber gar nicht. Zunächst wirkt es schon so ein bisschen lächerlich, wie der Maler die ideale Wahlperson zeichnet. Die fertigen Bilder sagen dann aber doch einiges über den Wählertypus einer bestimmten Partei aus, oder zumindest etwas darüber, wie sich die Nachwuchskräfte ihre Zielgruppe vorstellen.
Den Anfang machte die erst 18-jährige Schülerin Denise Köcke, die für die FDP antritt. Es wird geklärt, wie die ideale Wählerin ihre Haare tragen soll (offen), wo der Schuhschrank in der Wohnung stehen soll. Dabei wird die junge Frau gefilmt, wie sie sich mit dem Handy selbst filmt und aus dem Off tönt abwechselnd Charts-Mucke und „lustige“ Orchester-Untermalung. Wie sie sich beim ZDF ein „junges Format“ halt so vorstellen.
Verrückt ist, dass das Team dann tatsächlich eine junge Frau findet, die fast exakt dem Wähler-Wunschbild Denise Köckes entspricht, eine 24-jährige Studentin, die gerne Jane Austen liest. Erfolgreich ist die Redaktion auch bei der Suche nach dem Wunschwähler des Grünen-Nachwuchspolitikers Martin Wandrey, 24 Jahre, der mit Man Bun und Gender-Sprech das living, breathing Grünen-Klischee darstellt.
Er wird auf einen jungen Sozialarbeiter losgelassen, der eigentlich eher Sahra Wagenknecht- und Die-Linke-Fan ist. Am Ende kassiert Wandrey von ihm ein „Nein“. Die FDP-Nachwuchskraft schafft es erstaunlicherweise, ihre Wunschwählerin zu überzeugen, obwohl sie beim Thema Massentierhaltung patzt und beide unterschiedliche Auffassungen zu Freihandelsabkommen haben.
Das halbstündige Format ist durchaus originell und kurzweilig anzuschauen. Sandra Rieß moderiert gewohnt charmant und routiniert (wieso hat diese Frau eigentlich noch keine größere Sendung bekommen?). Aber, ach! Warum, warum nur, versendet das ZDF „Wähl mich!“ im Nirgendwoland werktags um 0.45 Uhr? Nun könnte man vermuten: OK, es geht um die junge Zielgruppe, da setzen die schlauen Mainzelmännchen vielleicht auf Digital-Plattformen. Tatsächlich hat das ZDF immerhin alle drei Teile des Formats bereits vorab online in der Mediathek zur Verfügung gestellt. Aber: YouTube, Facebook – Fehlanzeige. Das ist nicht shareable und somit suboptimal. Fast könnte man meinen, beim ZDF wollen sie ihr Jungwählerformat vor einem allzu großen Publikum verstecken. Schade.

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