Anzeige

„Muss redaktionelle Hoheit akzeptieren“: ARD weist Fußball-Experten Mehmet Scholl in die Schranken

Zeigt sich von Mehmet Scholls programmplanerischen Ambitionen irritiert: ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt (r.)

Die ARD versucht ihren Fußball-Experten Mehmet Scholl wieder einzufangen. Im BR erklärte Scholl seinen plötzlichen Abgang als Experte beim Confed-Cup damit, dass die ARD nicht seinem Wunsch entsprechend einen Doping-Bericht abgesetzt hatte. ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt bezeichnete Scholls Einlassungen als „irritierend“. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky nahm Scholl nun offenbar ins Gebet.

Anzeige

Scholl erklärte in der BR-Sendung „Mehmets Schollplatten“ im Bayerischen Rundfunk, warum er seinen Einsatz als Experte beim zurückliegenden Confed Cup Hals über Kopf abgebrochen hatte. Für ihn musste Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger einspringen. Scholl hatte versucht, auf das Programm der ARD Einfluss zu nehmen. Laut Programmplan habe die Vorberichterstattung zu den Confed-Cup-Halbfinals mit einer fünf Jahre alten Doping-Enthüllung aus Russland beginnen sollen, so Scholl. Er, Scholl, habe das nicht für relevant gehalten und gesagt: „Ich möchte, dass diese Story für diesen schönen Tag draußen bleibt. Da haben die gesagt, die bleibt nicht draußen und ich darf mich nicht ins Programm einmischen. Da habe ich gesagt: Ich gehe. Und dann bin ich gegangen.“
Ein Fußball-Experte, der versucht zu bestimmen, was in der ARD gezeigt wird und was nicht? Eigentlich ein ungeheuerlicher Vorgang. Der ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt äußerte sich bei Twitter zur Causa Scholl:
https://twitter.com/hajoseppelt/status/894832658324258817
https://twitter.com/hajoseppelt/status/894833725518868480
Auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky schaltete sich in die neuerliche Debatte um Scholl ein. Die dpa zitiert ihn mit den Worten: „Wir schätzen und mögen Mehmet Scholl mit seinen Ecken und Kanten. Mehmet ist uns sehr wichtig.“ Offenbar hatte Balkausky aber auch ein klärendes Gespräch mit dem Fußball-Experten für nötig befunden: „Wir haben ganz klar abgesprochen, wie die Regularien sind.“ Die Redaktionen sei „für den Inhalt zuständig, die Experten für die Meinung“, betonte Balkausky. „Er muss den Inhalt und die redaktionelle Hoheit akzeptieren.“ Scholl habe zugesagt, „dass das nicht wieder passieren wird“.
Am kommenden Montag wird Scholl bei der DFB-Pokal-Partie Hansa Rostock gegen Hertha BSC wieder live in der ARD zu sehen sein.

Anzeige