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Titanic-Chef Wolff über Breitbart-Job für Medienpromis: „Niemand hat direkt abgesagt oder es als Fake bezeichnet“

Mit Hilfe eines fingierten Headhunters suchte die Titanic (Chefredakteur Tim Wolff) einen Chefredakteur und Mitarbeiter für einen deutschen Breitbart-Ableger

Der Titanic-Telefonstreich hat schon eine gewisse Tradition. Neuester Coup der Satiriker ist die fingierte Headhunter-Suche nach einem Gründungsteam für den angeblichen Deutschland-Start des rechten US-Mediums Breitbart.com. Im MEEDIA-Interview erklärt Chefredakteur Tim Wolff, wie er und seine Titanic-Mitstreiter auf die Idee gekommen sind, wen sie alles angerufen haben und hätten, wenn Matthias Matussek ihnen nicht mit einem Facebook-Posting ein Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

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Denn vor drei Wochen bereits erregte der ehemalige Spiegel- und Welt-Autor Matthias Matussek mit einer Social-Media-Meldung in eigener Sache viel Aufsehen. Via FB-Posting behauptete er, dass er von der Titanic reingelegt worden sei. Die Satiriker hätten ihn spaßeshalber für den deutschen Ableger des rechten US-Mediums Breitbart rekrutieren wollen. Titanic dementierte damals noch. Das war, wie wir heute wissen eine Fake News oder zumindest eine gewisse Dehnung der Wahrheit.

Wie kam es zu der Geschichte, wie ist die Idee entstanden?
Tim Wolff: Ich bekam einen Anruf von dem Headhunter Knoth, der mich für ein nettes Gehalt für ein expandierendes amerikanischen Medienunternehmen engagieren wollte. Da habe ich natürlich erstmal nicht nein gesagt, bin ich doch bereit, jederzeit für ausreichend Geld meine Überzeugungen sausen zu lassen. Das unterscheidet mich übrigens von Matthias Matussek – der muss für Breitbart seine Überzeugungen gar nicht ignorieren.

Wen haben Sie alles angerufen?
Knoth hat neben Matussek u.a. bei Kai Gniffke von der „Tagesschau“, Andrej Reisin von „Panorama“ angerufen, bei Vera Lengsfeld und Jan Feddersen. Er hatte aber noch Giovanni di Lorenzo, Ulf Poschhardt, Oliver Welke, Stefan Niggemeier und einige andere auf der Liste.

Hatten Sie im Vorfeld nicht nicht die Erwartung, dass der Trick zu plump sein könnte und die Anrufer schnell Verdacht schöpfen?
In Zeiten der Fake-News steht alles unter Verdacht und am Ende nichts.

Auf MEEDIA-Anfrage hörte sich Ihre Beteiligung noch ganz anders an. Warum haben Sie nicht gleich zugegeben, dass die Titanic hinter den Anrufen steckt?
Weil es zu diesem Zeitpunkt eine Aktion des Headhunters Knoth war – und wir interessiert waren, wie weit er gehen kann, selbst wenn eine Warnung in der digitalen Welt ist.

Was hat Sie bei der Aktion am meisten überrascht?
Daß der Warner Matussek sich dann selbst ein zweites Mal überzeugen ließ, das war dann doch sehr überraschend. Selbst bei diesem Mann.

Gibt es einen Erkenntnisgewinn? Was bleibt von der Story?
Breitbart müsste gar keinen so großen Aufwand betreiben, um hierzulande Mitarbeiter zu finden – wenn schon ein Telefon genügt, um Interesse zu wecken. Zumindest hat in den Gesprächen niemand direkt abgesagt oder es als Fake bezeichnet.

Was glauben Sie: Wenn Sie mehr Zeit gehabt, hätte einer zugesagt?
Na ja, sagen wir es so: Hätte Knoth ein eigenes Büro anmieten, eine Limousine kaufen können und das nötige Kleingeld für „Geschäftsessen“ im Frankfurter Bahnhofsviertel übrig gehabt, dann wäre ich mir sicher, daß Matussek nicht der einzige geblieben wäre.

Das Interview wurde via E-Mail geführt

Update: 16.22 Uhr:
Via Twitter meldete sich mittlerweile auch Sascha Lobo zur Wort und verriet, dass auch er gefragt wurde. Da man ihn telefonisch nicht erreichte, versuchte es der Titanic-Headhunter per Mail.

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