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„Türken vom Dienst“ – FAS-Kommentar zum Fall Yücel erzürnt Kollegen vom Spiegel-Chef bis zum Zeit-Vize

FAZ-Korrespondent Michael Martens, Kritik an Türkei-Kommentar von Kollegen

Der Kommentar „Für immer Türkei“ von FAZ Korrespondent Michael Martens in der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung löste eine Welle der Kritik aus. Anlässlich der Verhaftung des Türkei-Korrespondenten der Welt, Deniz Yücel, warf Martens die Frage auf, ob nur Journalisten mit türkischen Wurzeln über die Türkei schreiben können. Vielen Journalisten kritisierten den Text. Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer nannte ihn „infam“, Zeit-Vize Bernd Ulrich schrieb von „Niedertracht“.

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Martens, der von Athen aus für die FAZ auch über die Türkei berichtet schreibt in seinem Kommentar: „Gerade im Fall der Türkei beugen sich manche Häuser indirekt dem Nationalismus des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: einmal Türke, immer Türke.“ Und weiter: „Warum reduzieren deutsche Verlage die Kinder oder Enkel türkischer „Gastarbeiter“ so oft auf die Rolle von Türkei-Erklärern? Weil sie Türkisch sprechen? Hoffentlich nicht, denn es gibt viele Menschen, die die Sprache eines Landes gut beherrschen und das Land dennoch oder just deshalb fließend missverstehen. Enge emotionale oder gar familiäre Verbundenheit mit einem Land muss kein Vorteil sein, wenn man über das Land berichtet.“

Martens fragt ob „Türken“ nur über die Türkei schreiben könnten: „Warum hat die Welt Deniz Yücel nicht nach Russland geschickt, damit er den Lesern Putin erklärt? Warum berichtet eine deutsche Journalistin mit türkischen Wurzeln nicht über Südamerika? Warum diese Herkunftsgettoisierung im deutschen Journalismus?“ Am Ende prägt er dann noch den Begriff „Türken vom Dienst“.

Der Kommentar löste eine Welle der Kritik und Empörung aus unter Politikern und vor allem bei Journalisten-Kollegen. Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer nennt den Text auf Twitter „infam“, Zeit-Vize Bernd Ulrich schreib von „Niedertracht“ und stellt in Frage, ob die FAZ Diversitätserfahrung hat.

Auch einige Politiker meldeten sich zu Wort:

Eine längere Replik auf den FAZ-Kommentar verfasste der Spiegel-Reporter Hasnain Kazim, der pakistaische Wurzeln hat, auf Facebook:

Dass er als pakistanisch-stämmiger Journalist aus Pakistan berichtet habe, sei sein ureigener Wunsch gewesen und nicht das Verlangen der Redaktion, schreibt Kazim. Und weiter: „Ich habe danach als pakistanisch-stämmiger Deutscher aus der Türkei berichtet und arbeite nun als pakistanisch-stämmiger Deutscher in Österreich, stell dir vor! Und ich kann als ‚Pakistaner‘ sogar über deutsche ‚besorgte Bürger‘ schreiben, geil, was? Die Welt ist bunter, als mancher aus der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ es glauben mag.“

Martens selbst reagierte auf Kazims Kritik:

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