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Trotz Lügenpresse-Debatte: Vertrauen der Deutschen in klassische Medien laut ZDF-Umfrage ungebrochen

ZDF-Intendant Thomas Bellut

Trotz Lügenpresse-Vorwürfen und Fake-News-Debatte ist es um den Ruf der Presse besser bestellt, als man denken könnte. So hat die Forschungsgruppe Wahlen im ZDF-Auftrag die Glaubwürdigkeit der Medien untersucht. Die Experten kommen zum Ergebnis, dass das Vertrauen der Menschen in TV-Nachrichten und Zeitungen seit 2015 stabil geblieben ist. Im Minus landet in der Umfrage dagegen die Bild-Zeitung.

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Im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens befragte im November die Forschungsgruppe Wahlen (FGW) rund 1.000 Erwachsene. Das taten sie jedoch bereits zum dritten Mal. Zuvor hatten die Experten im Juni 2015 und im Mai 2016 mit ihren Interview-Partnern gesprochen. Deshalb gehen die FGW-Fachleute auch davon aus, mittlerweile eine belastbare Entwicklungskurve für die Medien-Glaubwürdigkeit zeichnen zu können.

Nach ihrer Analyse (in Skalenmittelwerte von +5 bis -5) sprachen die Befragten den Nachrichten von ARD und ZDF im Vergleich zu anderen Medien die höchste Glaubwürdigkeit zu (nur zur Erinnerung: Auftraggeber der Studie ist das ZDF). So verzeichnen die „heute“ und „heute journal“-Sendungen, wie auch die ARD-Nachrichten, einen Wert von 2,6 Punkten. Auf den weiteren Plätzen folgten die regionalen- und überregionalen Tageszeitungen (2,4 bzw. 2,2 Punkte). Dann erst kommen die großen Nachrichten-Magazine wie Spiegel und Focus (beide 2,1 Punkte). Die privaten News-Formate von RTL oder Sat.1 bekommen 1.0 bzw. 1,2 Punkte.

Das Interessante dabei: Die Werte haben sich seit der ersten Umfrage im Sommer 2015 kaum verändert.

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Weit schlechter ist es dagegen um die Glaubwürdigkeit von sozialen Medien und der Bild-Zeitung bestellt. Diesen beiden Kategorien sind die Einzigen, die im Bewertungsraster der Forschungsgruppe Wahlen Minus-Werte erzielen. Dabei liegt die Glaubwürdigkeit von Springer Boulevard-Zeitung noch hinter dem Vertrauen, das die Befragten in Twitter, Facebook & Co. haben.

In der nachrichtlichen Präsentation der Studie liefert das ZDF gleich eine mögliche Erklärung für die Diskrepanz zwischen der gefühlten Medien-Wahrnehmung in Zeiten von Lügenpresse und Fake-News einerseits und andererseits den stabilen Vertrauenswerten bei der wissenschaftlichen Erhebung. So zitiert heute.de den Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen mit der Einschätzung, dass offenbar die wütenden Stimmen das öffentliche Bild dominieren würden. „Wir sehen relativ stabile Werte und dann aber auf der anderen Seite eine neue Dimension, eine neue Qualität der Wut in einer Gruppe derjenigen, die die Medien in massiver und besonders aggressiver und in besonders lauter Art und Weise ablehnen, und das sind eigene Verzerrungseffekte.“

Diesen „Wütenden“, die das Bild mit bewussten Falschmeldungen, Hassbotschaften oder Lügenvorwürfen verzerren und dominieren würde, will der ZDF-Intendant mit „Unvoreingenommenheit“ in der Berichterstattung begegnen. So müsse man „an der Wahrheit arbeiten. In post-faktischen Zeiten nicht ganz einfach. Aber wir müssen das versuchen.“

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Ob das bei allen Bevölkerungsgruppen noch gelingt, dürfte fraglich sein. Denn die Studie zeigt auch, dass die klassischen Medien offenbar die Gruppe der AfD-Wähler verloren haben. Dagegen sind diese die Einzigen, die die Glaubwürdigkeit der sozialen Medien nicht mit einem negativen Wert belegen.

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