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„Angriff auf mein persönliches Leben“ – Gerald Hensel verlässt Scholz & Friends wegen #keingeldfürrechts-Shitstorm

Gerald Hensel hat angekündigt, Scholz & Friends zu verlassen

Gerald Hensel, bislang Executive Strategy Director Digital bei der Werbeagentur Scholz & Friends, hat im Interview mit stern.de angekündigt, die Agentur zu verlassen. Grund sei der massive Shitstorm, der sich seit Tagen gegen ihn und die Agentur richtet. Hensel hatte privat die Initiative #keingeldfürrechts ins Leben gerufen.

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Mit der Aktion wollte Gerald Hensel erreichen, dass Werbetreibende künftig überprüfen, ob Werbung für Markenartikel auf Webseiten geschaltet wird, die rechts sind. Auf seiner privaten Homepage davaidavai.com hat hat er diverse Seiten präsentiert, die er selbst als rechts einstuft. In einem Begleittext stellte er das Autoren-Blog „Die Achse des Guten“ (achgut.com) unter Federführung des Publizisten Henryk M. Broder in eine Reihe mit rechten Webseiten wie dem US-amerikanischen Breitbart.com oder „Politically Incorrect“. Broder veröffentlichte daraufhin bei achgut.com den Text „Der Denunziant von Scholz & Friends„, in dem er u.a. schreibt:

Zu diesem Zweck hat er einen Hashtag eingerichtet. Der heißt „KeinGeldFuerRechts“. Es ist ein Boykottaufruf mit dem Ziel, Achgut.com zu schaden. Denn wir sind „rechts“. Und „rechts“ ist alles, was Gerald Hensel für „rechts“ erklärt. Alles Nazis außer Gerald! Der Schmock von „Scholz & Friends“ und seine kleinen Kapos machen sich nicht einmal die Mühe, „rechts“ wie auch immer zu definieren. So hat es McCarthy auch gemacht, allerdings andersrum mit „Kommunisten“.

Viele weitere Artikel und Kommentare folgen. Die Empörung richtete sich nicht nur gegen Hensel, sondern schnell auch gegen Scholz & Friends. Stefan Wegner, Partner von Scholz & Friends und Geschäftsführer bei Scholz & Friends Berlin, schreibt auf der Webseite der Agentur:

Wir sammelten innerhalb weniger Tage über 2.000 negative Bewertungen auf Facebook. Wir wurden beschimpft als „ekelhafte Denunzianten“ und „Propaganda glorifizierende Giftzwerge“. Wir bekamen Drohanrufe in der Agentur. Unsere Kunden erhielten massenhafte Mails mit Boykottdrohungen in Bezug auf ihre Produkte sowie der Aufforderung, das Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu kündigen. Gerald bekam Morddrohungen.

Zwar habe die Aktion #keingeldfürrechts an einigen Stellen „unnötig provoziert“, so Wegner, die Agentur stelle sich aber trotzdem hinter Hensel: „Im Namen der Meinungsfreiheit versuchen die Gegner der Aktion einen unserer Mitarbeiter mundtot zu machen („Schmeißt ihn sofort raus!“). Im vermeintlichen Kampf gegen einen Boykott freier Medien rufen sie selber zu einem Boykott unserer Agentur und unserer Kunden auf.“ Man nutze Mittel der „Einschüchterung, Bedrohung und Beleidigung“. Gegen solches „menschenfeindliches und undemokratisches Verhalten“ stelle sich Scholz & Friends. Die Agentur mache sich aber „ausdrücklich nicht zum Absender der kontrovers diskutierten Aktion“.

Im Interview mit stern.de bestätigt Hensel, dass Scholz & Friends rückhaltlos hinter ihm stehe. Trotzdem habe er sich entschlossen, die Agentur zu verlassen: „Nicht weil ich denke, ich hätte etwas falsch gemacht. Ich habe alles richtig gemacht. Aber der Erfolg war insgesamt so groß, dass ich mich für zukünftige Ideen selbst freier machen muss – und meinen Arbeitgeber auch.“

Den Shitstorm, den er erlebt, beschreibt Hensel als dramatisch: „Es ist ein systematischer, konzertierter Shitstorm, der zu einem Angriff auf mein persönliches Leben und mein Arbeitsumfeld, meine Kollegen, meinen Arbeitgeber geworden ist. Ich bekomme seit sieben Tagen täglich Tausende von Hass-Tweets und Facebook-Messages, es wurden mehrere Fake-Profile mit meinem Namen angelegt.“ Seine private Webseite hat er mittlerweile mit einem Passwortschutz versehen.

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