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“Hören, wie Leute sterben”: The Outline, das neue Newsportal für die Snapchat-Generation

The Verge-Gründer Joshua Topolsky, mit Investorengeldern gelaunchtes Newsportal The Outline: “Publikation für eine neue Art Mensch”
The Verge-Gründer Joshua Topolsky, mit Investorengeldern gelaunchtes Newsportal The Outline: "Publikation für eine neue Art Mensch"

Vorhang auf für die Zukunft des Journalismus? Das neue Newsportal The Outline sieht sich so: Als "neue Publikation für eine neue Art Mensch" beschreibt CEO und Chefredakteur Joshua Topolsky sein neues Produkt. Topolsky hat sich als selbstbewusster Tausendsassa in der amerikanischen Medienbranche einen Namen gemacht – erst als Chefredakteur von Engadget, dann von The Verge. The Outline wirkt auf den ersten Blick wie ein News-Angebot für die Snapchat-Generation, das sich zwischen Effekthascherei und ernstzunehmenden Journalismus nicht entscheiden kann.

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Es gibt diese wenig schmeichelhafte Anekdote über Joshua Topolsky und Michael Bloomberg aus dem vergangenen Jahr. Der frühere Bürgermeister vom New York ist nach 12 Jahren in der Politik zu seinem Medien-Imperium Bloomberg zurückgekehrt, das mit einem geschätzten Wert von über 50 Milliarden Dollar zu einem der wertvollsten privat geführten Unternehmen der Welt zählt, und lässt sich von seinen Managern über die digitale Zukunftsstrategie des Terminal-Giganten briefen.

Topolsky, seinerzeit als Digitalchef zu Bloomberg gestoßen, kann die Digitalisierung nicht schnell genug gehen, Bloomberg mauert – Topolsky reagiert sarkastisch, wenig später ist er bei Bloomberg Geschichte. Es ist nicht das erste Mal, dass Joshua Topolsky mit seiner aufreizend selbstbewussten Art aneckt: Der heute 41-Jährige hat schließlich als Chefredakteur von Engadget und Gründer und Chefredakteur vom hochgelobten Tech-Portal The Verge zahlreiche Meriten erworben.

“Eine neue Publikation für eine neue Art Mensch”

Nach dem unrühmlichen Bloomberg-Abgang muss der nächste Schritt sitzen – und das zwar im großen Stil. Also denkt Topolsky groß – sehr groß – und sammelt 5 Millionen Dollar Wagniskapital für sein eigenes Projekt ein, das zahllosen Ankündigungen in eigener Sache zufolge das nächste große Ding im Online-Journalismus zu werden scheint:

– “Eine neue Publikation für eine Art Mensch”
– “Ein verrücktes neues Abenteuer”
– “Eine äußerst moderne, im höchsten Maße ausziehbare Art, Dinge in Echtzeit im Internet zu machen.”
– “The Outline lebt. Und lebt und lebt und lebt und lebt.”


Auf The Verge folgt also The Outline – zu deutsch: Die Skizze. In vielerlei Hinsicht erinnert The Outline an The Verge – nur ohne das Tech-Korsett. Schon unter Topolsky hat The Verge immer wieder Ausflüge in die Popkultur gemacht, bleibt am Ende jedoch immer in der Techwelt zwischen Smartphones, Tablets, Computern, Wearables und Drohnen gefangen.

Eine Schlagzeilenmaschine: “Hören, wie Leute sterben”

Mit The Outline kann Topolsky nun am ganz großen gesellschaftlichen Rad drehen: Es geht um Politik, Popkultur und den Rest der Menschheit. Die Headlines lesen sich so:

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Hören, wie Leute sterben
Kanye West ist ein Mensch
Es gibt keinen Impfstoff für Fake News
– “Wie Trump bei ‘The Apprentice’ geübt hat, ein Diktator zu sein” (Geändert in: Trumps Amerika ist eine Wiederholung (von The Apprentice’.)
“Trump ist eine Marionette, nicht ein Tyrann”.

(Topolskys Glück: The Outline ist erst nach der US-Wahl gestartet und muss – anders als der Rest der Medien – so nicht nach monatelangem Trump-Trashing nachträglich zurückrudern.)

Man merkt schnell: Das Portal ist eine Schlagzeilenmaschine. Mal steckt etwas dahinter – ein langer, popkultureller Erguss, wie er bereits manches Mal in den Longform-Geschichten auf The Verge zu lesen war –, mal werden aber auch nur Info-Häppchen wie griffige Zahlen und Zitate angeboten, die schnell zu twittern sind (Als Erinnerung, bei Uber gibt es die Kein-Sex-Regel).

The Outline definiert sich über sein Design, das an Snapchat Discover erinnert

Social Media-gerecht ist dann auch die Aufmachung, das eigentliche Alleinstellungsmerkmal. Obwohl eine App überraschenderweise noch fehlt, ist The Outline zu 100 Prozent für den mobilen Leser gedacht: Es ist durch und durch eine Smartphone-Publikation für die Post-Facebook-Ära – die Snapchat Discover-Generation (sofern sie Interesse am Lesen hat, aber dafür gibt es ja die kleinteiligen Info-Häppchen).

Die Darreichungsform ist nach tradierten Publishing-Kriterien nahezu verstörend. Es wird gescrollt, aber eben auch gewischt und – ganz neu – gestapelt. “Staked” nennt Topolsky thematisch zusammenhängende Info-Bündel, die in Text, (Bewegt-)Bild und Ton miteinander verbunden sind.

Keine Frage: The Outline, das mit neuen Werbeformen und Anzeigenkunden wie Cadillac, Methode und Under Armour startet, kommt mit einem Wow-Effekt daher, der eine jüngere, unkritischere Zielgruppe sofort anspricht – aber das taten Multimedia-CD-Roms im Jahr 1995 auch.

Die Frage, ob The Outline zur Blaupause für die nächste Generation des Online-Journalismus taugt oder nicht mehr ist als eine Nebelkerze für die Snapchat-Generation, bleibt nach der ersten Launch-Woche vollkommen offen.

Positives Medienecho hält sich nach den ersten Tagen zumindest in Grenzen.

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