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“Nicht mehr State of the Art”: BurdaHome und BurdaLife wollen für Foto-Bereitstellung von freien Bildjournalisten nicht mehr zahlen

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Die Verlagsgruppen BurdaHome und BurdaLife wollen ab sofort Vergütungen an freie Bildjournalisten und -Agenturen für die digitale Bereitstellung von Fotos streichen. Das geht aus einer Informationsmail an betroffene Partner hervor, die MEEDIA vorliegt. Ein Grund: Der "Kostenexplosion zu entgehen" sei "auch bei anderen Verlagen gelebte Praxis".

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Es geht um Bilder, die von Fotojournalisten fotografiert und Verlagen meist über eigene Server oder Webseiten zur Verfügung gestellt werden. Beim Download hochauflösender Bild-Dateien (Fachbegriff: Feindaten) wird eine Gebühr erhoben. Diese so genannten Downloadgebühren werden in der Regel – neben dem Honorar – in Rechnung gestellt, um die Kosten für Soft- und Hardware freier Bildjournalisten und Bildagenturen zu erstatten und zu refinanzieren. Unabhängig davon, ob die Bilder letztlich gedruckt werden oder nicht.

Damit soll ab sofort Schluss sein. Die betroffenen Partner der Burda-Töchter sind am 29. November über die Maßnahme informiert worden. Demnach sei das Arbeiten mit Grobdaten (Fachbegriff für nicht hochauflösende Vorschaubilder) nicht mehr “State of the Art” und erzeuge “in der Prozesskette bei Bildredaktion, Grafik, Repro unnötigen Mehraufwand”, wie es in einem Schreiben von Frank-Jörg Ohlhorst, Geschäftsführer Print bei Hubert Burda Media, heißt. Im “zukünftigen Workflow” wolle man daher zu “100% auf Feindaten” setzen. “Aus diesem Grunde – und weil wir wissen, dass es auch bei anderen Verlagen gelebte Praxis ist – können wir unseren Partnern keine Downloadkosten mehr erstatten.”

Künftig sollen “Weder für Einzeldownloads noch Pauschalen” die so genannten Downloadgebühren gezahlt werden, wie aus einer ergänzenden Mail von Kristine Nicolaides und Kerstin Thomson (Bildeinkauf/Leitung Honorarabrechnung) an die Partner hervorgeht. “Um einer Kostenexplosion zu entgehen”, heißt es darin weiter.

Das Vorhaben stößt bereits auf Kritik. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert “Bildjournalistinnen und -journalisten dazu auf, die vom Medienkonzern Burda geplanten Kürzungen ihrer berechtigten Ansprüche zurückzuweisen”. Die Einsparungen von Burda seien “rechtswidrig, weil Fotojournalisten einen Anspruch auf Ersatz ihrer Auslagen haben”, so DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. Für die Betroffenen wäre der Wegfall der Downloadgebühr eine Katastrophe, heißt es in einer weiteren DJV-Mitteilung: “Kameras, Objektive, Computer und Server für die Fotodatenbank – alles kostet Geld. Rund 40 Prozent der Honorareinnahmen von Bildjournalisten werden durch solche Kosten gefressen.” Bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 1.573 Euro, so der DJV, eine Katastrophe.

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Darüber hinaus sei es keine “gelebte Praxis”, die Downloadkosten nicht mehr zu erstatten: Nach Auffassung des DJV würden fast alle großen Verlage für besagte Gebühren aufkommen, wenn Bildjournalisten und -Agenturen darauf bestehen, erläuterte ein DJV-Sprecher gegenüber MEEDIA.

In einer finanziellen Krise scheint Hubert Burda Media nicht zu stecken. In einem Treffen des Kultur-/Medienausschusses des EU-Parlaments am 24. November zum Thema “Krise der Printmedien” sagte Sebastian Doedens (Head of Public Affairs bei Burda) etwa: “Zum Titel heute: Eine Krise bei den Printmedien – ich kann sagen, die gibt es gar nicht”. Darüber hinaus könnten Print-Objekte “positiv in die Zukunft blicken”.

“Bildjournalisten und Bildagenturen erhalten angemessene Honorare für ihre Lieferungen. Daran wird sich in Zukunft auch nichts ändern.”, so eine Sprecherin der beiden Verlagsgruppen gegenüber MEEDIA. “Das Arbeiten mit Grobdaten ist jedoch heute nicht mehr zeitgemäß. Die Verlage benötigen nur noch Feindaten. Insofern ist die Grundlage für diese ursprünglichen Zusatzkosten nicht mehr gegeben.” Grund hierfür sei “nicht zuletzt der technische Wandel in den Redaktionsprozessen”. Die Intention sei daher, von “Beginn an effektiv mit Feindaten zu arbeiten, worauf die heutige IT-Systeme auch ausgelegt” seien. “Dazu gibt es bereits national Verlagsgruppen übergreifend bei Burda mit den großen Bildagenturen individuelle vertragliche Absprachen, deren Bestandteil auch der Wegfall von Download-Kosten ist.”

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Alle Kommentare

  1. Ich kann mich durchaus der Auffassung anschließen, daß diese Downloadgebühren und die Arbeit mit Bilddaten in verschiedenen Auflösungen nicht mehr “State of the Art” sind. Sie erzeugen, nicht zuletzt für lächerliche Beträge, einen immensen Verwaltungsaufwand.

    Nun führt das aber zwangsläufig zu der Feststellung, daß auch etwas anderes bei vielen Verlagen nicht mehr “State of the Art” ist: Die Bildhonorare!

    Würden die Verlage bei den Honoraren sagen “wir heben die an, so wie der Preis eines 2,8 70-200er Objektivs bei Nikon von (wenn ich mich recht entsinne) 1.600,- DM seit den 90er Jahren auf aktuell 3.200,- € (6258.66 DM) gestiegen ist”; niemand würde mehr was von irgendwelchen Downloadgebühren sagen.

    Wenn der DJV sagt “Für die Betroffenen wäre der Wegfall der Downloadgebühr eine Katastrophe” dann ist das am falschen Ende gejammert. Eine Katastrophe sind bei vielen Verlagen die Nutzungshonorare und Tagessätze.

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