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Die komplett unterschiedlichen Geld-Probleme beim Spiegel und bei der ARD

Tanit Koch, Kurt Kister, Florian Harms, Karola Wille und ein gewisser Peter Thiel in der Mitte
Tanit Koch, Kurt Kister, Florian Harms, Karola Wille und ein gewisser Peter Thiel in der Mitte

Schon wieder Zoff beim Spiegel? Online vs. Print? Das wäre ja nun mal ganz was „Neues“. Die ARD will und muss sparen. Aber nicht so, wie die Bild-Zeitung es aufgeschrieben hat. Geld genug, um in Kompanie-Stärke den scheidenden Bundes-Gauck zu begleiten, haben ARD und ZDF aber noch. Ein schlauer Trump-Spruch macht Karriere und SZ-Chef Kurt Kister verteilt Kuscheleinheiten. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Was ist denn da wieder im Spiegel-Stadl los? Gibt’s da denn nicht einmal a Ruh!? Die Horizonts schrieben diese Woche, dass sich nun auch Print-Chef Klaus Brinkbäumer und Online-Chef Florian Harms nicht mehr ganz so doll lieb haben sollen. Harms dränge bei Spiegel Online auf die Reichweite, Brinkbäumer soll eher für den Ausbau von Paid Content stehen. Ja, sagamal! Na, das gab es ja noch nie. Es soll sogar richtig laut geworden sein zwischen den beiden sonst eher feinen Spiegel-Herren. Kann man sich freilich nur schwer vorstellen. Dass das Experiment Spiegel Plus mit dem Dienstleister Laterpay gescheitert sein soll, wäre jetzt freilich nicht so mega überraschend. Außer vielleicht für Spiegel Online-Chef Florian Harms, der Spiegel Plus bereits kurz nach Start als Erfolg feierte.

Ein Bezahlsystem, das sich leicht umgehen lässt. Dazu Dumpingpreise (39 Cent) für einzelne Artikel und noch ein zweites Paid-Content-System mit dem Digital-Kiosk Blendle nebenher. Das ist doch alles eher Kraut und Rüben. Aber es ist auch wirklich vertrackt mit dem Bezahlen für Journalismus im Netz. Beim Spiegel raufen sie sich jetzt offenbar wieder die Haare, wo die so dringend benötigten Mehreinnahmen denn herkommen sollen. Eine Programmzeitschrift? Ein Best-Ager-Magazin? Klingt alles ein bisschen nach Witz, wird aber ernsthaft diskutiert, bzw. ist im Falle des Best-Ager-Magazins schon angekündigt. Oder soll es die Spiegel Daily-App richten, von der unklar ist, wie die überhaupt nennenswert Geld verdienen soll? Der Spiegel hat derzeit eine Line-Extension-Strategie, die schon von weitem nach Verzweiflung riecht.

Geld-Probleme hat auch die große ARD. Aber dann doch wieder irgendwie anders. Die ARD muss angeblich auch dauernd sparen und hat darum einen Reform-Prozess angestoßen, was für sich genommen schon mal furchtbar anstrengend klingt. Aber so ist sie halt, die ARD. Bis Herbst 2017 sollen Ergebnisse vorliegen, wie die ARD gedenkt, sich selbst zu reformieren. Die Bild ist da heute schon ein bisschen vorgeprescht und hat von Plänen berichtet, die neun ARD-Sender zu vieren zusammen zu fusionieren. Das hat die Bild zwar spekulativ aufgeschrieben, bei der ARD waren sie wegen des Berichts aber ganz aus dem Häuschen. Richtig fuchsig. „Frei erfunden“, „blanker Unsinn“, „starker Tobak“. Na, so ganz „frei erfunden“ werden sie bei der Bild den Bericht auch nicht haben und sie schreiben ja auch nicht, dass es felsenfest so kommen muss. Schaun mer mal. Chefredakteurin Tanit Koch erinnert in dem Zusammenhang daran, dass der Begriff „frei erfunden“ bisweilen auch schon mal vorschnell über die Lippen kommt:

Als ich den Bild-Bericht las, war ich zunächst überrascht und dachte: Hoppla, da haben die sich bei der ARD aber mal wirklich vorgenommen, dicke Bretter zu bohren. Aber nein, natürlich nicht. Die Fusion von neun auf vier ARD-Anstalten ist also in etwa so wahrscheinlich, wie dass es Julia Klöckner bei Promi-„Wer wird Millionär?“ aus eigener Kraft über die 1.000-Euro-Frage schafft. Wäre auch zu schön gewesen. Stattdessen debattiert die ARD über Dinge wie eine „gemeinsame Cloud“, die angeblich 800 Mio. Euro spart. Ja, ja. Da legen wir uns alle wieder hin. Schnappatmung abgesagt.

A propos Öffis und Geld: In der FAZ las ich einen Beitrag des Japan-Korrespondenten über die letzte Auslandsreise des scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck nach Japan. Von der schreibenden Presse waren nur zwei Zeitungsvertreter und einer von der DPA mit dabei. Problem: die Kosten. Zitat:

Fast 1.900 Euro für Mitflug und Hotel kostete die Reise nach der Vorabschätzung, hinzu kommen Zugtickets, Spesen und nicht zuletzt der fünftägige Arbeitsausfall des Redakteurs in der Heimatredaktion. In wirtschaftlich angespannten Zeiten überlegt sich das jedes Medienhaus zweimal.

Und von den Öffentlichen waren mit dabei: zwei Radioredakteure aus dem Hauptstadtstudio der ARD, vom WDR und von einer Gemeinschaftsredaktion kleinerer ARD-Sender. Eine Radioredakteurin vom Deutschlandfunk. Ein Hauptstadtkorrespondent der Deutschen Welle. Ein Fernsehkorrespondent aus dem ARD-Hauptstadtstudio mit Kameramann, um ein Porträt über den scheidenden Bundespräsidenten zu drehen. Ein Fernsehteam für das ZDF, um ein Porträt über den scheidenden Bundespräsidenten zu drehen sowie das Fernsehkorrespondententeam der ARD vor Ort. Und natürlich noch der Radio-Korrespondent der ARD aus Tokio, der aber nichts zu tun hatte außer deppert zu schauen, weil ja ARD-Radioleute aus Deutschland eingeflogen waren.

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„Das Verhältnis zwischen wenigen Vertretern der unabhängigen Presse und vielen öffentlich-rechtlichen Reiseredakteuren legt den Schluss nahe, dass die Sparzwänge bei den Anstalten so groß dann doch nicht sind“, schreibt der FAZ-Mann und man ist geneigt, zuzustimmen. Ob das nach der großen Strukturreform inklusive ARD-Cloud anders wird?

Aufgepasst, jetzt schreibe ich hier mal ganz was Schlaues hin:

Die Medien haben Trump wörtlich genommen aber nicht ernst. Bei seinen Wählern war es umgekehrt!

Extrem geistreich, oder? Ist aber nicht von mir, sondern von US-Investor Peter Thiel. Bzw. von Mr. „Tagesthemen“ Ingo Zamperoni und von Ex-Mr. „Tagesthemen“ Uli Wickert, von AfD-Frau Beatrix von Storch, von der US-Journalistin Salena Zito und was weiß ich von wem noch alles. Es ist halt ein sehr griffiger Spruch, der vermutlich auch viel Wahrheit in sich hat und darum gut im Gedächtnis bleibt. Dass das Zitat sich so viele zu eigen machen, muss dabei gar keine böse Absicht sein. Man hört es in einer Talkshow oder liest es in einem Kommentar und hat kurze Zeit später vergessen, wer es gesagt hat. Das Zitat selbst ist aber noch da und so glaubt man vielleicht sogar, es sei einem selbst eingefallen. Oder es ist mehreren Leuten sogar parallel eingefallen, wer weiß. Ich selbst habe es zuerst bei Peter Thiel gelesen. Ob er aber der erste mit dem schlauen Trump-Spruch war – ich weiß es nicht.

Zum Wochenende freut man sich als Medienmensch ja immer so ein bisschen auf den Abonnenten-Newsletter von SZ-Chefredakteur Kurt Kister. Was hat „Crazy-Kurt“ diesmal auf der Pfanne: Beleidigt er wieder Medien-Manager wegen ihrer Frisuren? Stänkert er über Berater? Schießt er verbale Giftpfeile ins Springer-Hochhaus? Nix da! Sein neuster Letter ist ein reiner Liebesbrief an SZ-Investigativ-Papst und Neu-Ruheständler Hans Leyendecker. Aber auch andere SZ-Größen bekommen Letter-Lob vom Chef:

Das Investigativressort der SZ war immer ein Ressort, in dem mit heftiger, aber meistens kühler Leidenschaft den Dingen nachgespürt wurde. Das ist ein Verdienst des Haischwimmers Leyendecker, aber auch seiner Mitstreiter, den Obermay(ai)ers, Bastian und Frederik, die ähnlich, aber nicht gleich heißen, dafür aber gleich brillant in Panama und anderswo mit Vanessa Wormer recherchieren. Und natürlich Klaus Ott; er hat manches Managergesicht bei Siemens, Kirch (Gott hab den Leo selig) oder Volkswagen erbleichen lassen.

Hach ja, der gute Leo. Und weil er gerade dabei ist, lobt Kuschel-Kister auch noch gleich den Georg Mascolo. Warum auch nicht:

Und seitdem wir unter der Federführung von Georg Mascolo auch noch den Rechercheverbund von SZ, NDR und WDR einsetzen, den Sie aus Film, Funk und Fernsehen kennen, ist mir weder um die Zukunft der Recherche bange noch um die Zukunft dieser Zeitung. Wir haben, ganz unbescheiden gesagt, auf diesem Felde in den letzten Jahren Maßstäbe gesetzt, was wir eben auch Hans Leyendecker verdanken. Dass Mascolo aus alten Spiegel-Zeiten ein enger Mitstreiter von Leyendecker war, dass Nico Richter und Leyendecker sehr gut zusammengearbeitet haben, bevor Richter nach Amerika ging und dass mein Chefredakteurskollege Wolfgang Krach ebenfalls ein erfahrener Recherche-Mensch ist, hilft Ihnen, den SZ-Lesern und uns, der SZ-Redaktion.

Schon toll, diese SZ-Typen. Wenn sie sich nur beim Spiegel mal so lieb hätten wie bei der Süddeutschen.

Schönes Wochenende!

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