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AdBlock-Klage: Landgericht Hamburg lässt auch Spiegel Online abblitzen

Erneuter Teilsieg für Eyeo: Till Faidas Unternehmen setzt sich erneut vor dem LG Hamburg durch
Erneuter Teilsieg für Eyeo: Till Faidas Unternehmen setzt sich erneut vor dem LG Hamburg durch

Das Landgericht in Hamburg musste erneut über die Geschäftspraktiken des AdBlock-Betreibers Eyeo GmbH urteilen und wies nun auch eine Klage von Spiegel Online zurück. Die Begründung des Urteils steht noch aus. Spiegel Online reiht sich damit in eine Reihe von gescheiterten Klägern ein. Einzig und allein Axel Springer konnte bislang in zweiter Instanz einen Teilerfolg verbuchen.

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Wie bereits sechs weitere Medienhäuser sieht auch Spiegel Online durch die Eyeo-Software AdBlock Plus sein Geschäftsmodell gefährdet und reichte deshalb im vergangenen Jahr Klage vor dem Landgericht in Hamburg ein (Az. 315 O 293/15), das heute sein Urteil verkündete. Die zuständige Kammer für Wettbewerbsrecht wies die Klage ab. Eine Begründung steht noch aus.

Eyeo verdient sein Geld mit so genannte AdBlocking und dahinterstehenden Whitelisting. Die Adblocker-Software blockiert zunächst alle Werbung, was als Blacklisting bezeichnet wird. Werbungtreibernde Unternehmen können sich dann von der Blockade “freikaufen”. Dazu wird in Adblocker-Foren darüber diskutiert, welche Werbeformate von der Community als tolerierbar eingestuft werden. Die Firmen müssen für die Freischaltung zahlen. Firmen wie Amazon, Microsoft oder Google sollen bereits hohe Beträge an Eyeo überwiesen haben, um die Werbe-Blockade zu umgehen. Das Verfahren der Community-Diskussionen wurde in der Vergangenheit aber immer wieder als intransparent kritisiert. Die betroffenen Medien sehen vor allem das Kartell- und Wettbewerbsrecht verletzt.

Ihre grundsätzliche Haltung zum Geschäftsmodell von Eyeo machten die Richter des Landgerichts Hamburg bereits in einem anderen Verfahren deutlich. Im vergangenen Jahr scheiterten bereits die Holtzbrinck-Medien Zeit Online und Handelsblatt und bekamen zu hören, dass Eyeo nicht gezielt gegen die Kläger vorgehe. Zudem spielte auch die Beobachtung der Kammer eine Rolle, dass viele Medien dabei sind, alternative Geschäftsmodelle aufzubauen, die nicht mehr von der Werbung abhängig sind. In die Bewertung der Richter könnte durchaus eingeflossen sein, dass Spiegel Online erst kürzlich sein Bezahlangebot Plus gestartet hat.

Ähnliche Urteile wurden auch in München gefällt, wo Süddeutsche Zeitung, ProSiebenSat.1 und RTL geklagt hatten. So hieß es beim Landgericht, dass es keine Verträge zwischen Seitenbetreibern und Nutzern gebe, die sie zum Konsum der Werbung verpflichten. Im SZ-Verfahren betonten die Richter zudem, dass Gesetze nicht dazu da seien, die Geschäftsmodelle der Medien zu retten. Der Verlag beklagte, dass durch die Nutzung der AbBlock-Plus-Software jährlich sechsstelliger Betrag verloren gehe. Gegenüber ProSiebenSat.1 und RTL hieß es, dass die Nutzer in ihrer Entscheidung frei seien und Eyeo auch keine marktbeherrschende Stellung habe.

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Eine bessere Position hatte Springer am Gerichtsstandort Köln. Zwar wurde eine Klage der Axel Springer SE in erster Instanz ebenfalls abgewiesen, allerdings kommentierten die Richter die Praktiken Eyeos als “in hohem Maße bedenklich”. In zweiter Instanz wurde das Urteil widerrufen. Das Oberlandesgericht sah sehr wohl eine Verzerrung des Wettbewerbs und erklärte das Whitelisting für rechtswidrig. Eyeo hindere Publisher daran, ihre Rechte gegenüber Werbepartnern auszuüben und verbot damit den Vertrieb der Software in seiner bisherigen Form. In der Konsequenz wurde für Springer das Whitelisting kostenlos. Eyeo erklärte die Absicht, Revision einlegen zu wollen. AdBlocker im Allgemeinen sind auch nach dem Urteil legal.

Damit wird der Streit um das AdBlocking und die dahinterstehenden Geschäftspraktiken zum Fall für den Bundesgerichtshof. Wie dort die Karten stehen, ist ungewiss. Wohl aus Vorsicht hat Eyeo damit bereits begonnen, sein Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, was ebenso auf Kritik stößt. Das Unternehmen hat eine Plattform für Publisher entwickelt, die es ermöglicht, von Adblock Plus akzeptierte Werbung aus einem großen Acceptable Ads Katalog auszuwählen und direkt auf der eignen Seite einzubinden. Eyeo wird damit selbst zum Vermarkter. Die angebotene Reichweite: 100 Millionen Adblock Plus-Nutzer, die das Einblenden von nicht aufdringlicher Werbung erlauben. Das sind etwa neunzig Prozent aller Adblocker-Nutzer. Nutzer, die dagegen keinen Adblocker nutzen, bekommen die regulär gebuchte Werbung eingeblendet, die der Publisher oder sein Vermarkter akquiriert hat.

Abseits der juristischen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten scheint es, als könnten Publisher etwas optimistischer in die Zukunft blicken. So soll die Nutzungsrate der Software weiter rückläufig sein – wenn auch in kleinen Schritten. Durchschnittlich wurde im dritten Quartal dieses Jahres auf 19,11 Prozent der Page Impressions die Auslieferung von Online-Werbung verhindert, so der BVDW. Im Vorjahresquartal waren es noch 21,16 Prozent. Und auch die Maßnahmen der Seitenbetreiber, von denen mittlerweile einige AdBlock-Nutzer aussperren, sollen erfreulich sein. So melden die Verlage regelmäßig, dass die Zahl der Nutzer, die ihren Blocker ausstellen, weiter zunehme.

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Alle Kommentare

  1. Vermüllung der Webseiten mit Pop-Ups, Banner, Tracker und andere kranke Scripte.
    Eigentlich ist das schon Nötigung und Belästigung.
    Ich habe den Beitrag nur zu 60% gelesen, weil mir kotzübel wird. Wie geisteskrank sind die alle? Auf meinem Tablet kann ich kaum noch vernünfitg Web-Texte lesen, alle 2 sek blenden sich irgend ein Werbemist oder Video ein, die Seite scrollt von allein komplett weg oder wird sogar schwarz und dann kommt Luxusparfümwerbung. Habe dann eine App installiert, die diese Banner u. Popups angeblich blockieren, doch dann erst erfährt man, dass dies nur über ein Abo als Vollversion möglich war. Habe den Browser gewechselt – die gleiche Scheiße nur anders. Einstellungen im Browser kann man vergessen. Nun verzichte ich, ich habe die Faxen dicke von diesen Tracker&Co Firmen. Das war auch der Grund, warum ich keine sozialen Netzwerke nutze – nur Schwachsinn und Kopfeiter. Durch immer neuere Ideen dieser Werbeinblendungen hat man nur noch 20% Nutzfläche für den sachlichen Inhalt den man eigentlich sehen wollte.

  2. Ich blocke immernoch ,schon allein aus dem grund das große medienhäuser zusätzlich geld mit ihrer werbung verdienen ,warum sollte ich das unterstützen ?was habe ich davon wenn ich webung angucke? nix nur der betreiber hat eine zusätzliche geldquelle gefunden die ihren mist auch noch subventioniert,andere leute wie kim dotcom die durch werbung geld verdienten sollen weggesperrt werden ?wo ist da noch ein gesundes maß zu erkennen ?neulich auf dmax.de ,die werbung hat einzug erhalten ,das sitescripting und flash inhalte haben sehr darunter gelitten ,so das eine funktionelle anwendung quasi unmöglich geworden ist .früher hat der inhalt auf dmax.de spaß gemacht ,nach einzug der werbung funzt nix wie es soll ,warum also adblocker verteufeln wenn es zu lasten der inhalte geht und nur eine handvoll mitarbeiter daran verdienen? ich blocke kjonsequent weiter ,mir egal ,ist das meine auflage der ich damit schade solche stupiden inhalte wie bild.de zu umgehen? reibt euch weiter die hände nach der fetten kohle und ihr sitzt alleine da :))

  3. @deltaFox: Der Rückgang der Werbe-blocker entspricht vielleicht der prozentualen Abwanderung auf 99-Euro-Tabletts die es für 10″ bei Supermärkten gibt.

    Firefox ist der einzige Browser der unter Android (und somit auch unter Kindle Fire und Kindle Amazon TV-Box und TV-STICK Plugins ermöglicht.
    Die gängigen Plugins laufen wohl. Die Bedienung ist allerdings unterschiedlich als mit Maus und Tastatur und am SmarTV oder KindleFireStick/Box usw. auch wieder anders wenn man es nicht per Handy steuert.

    Bei Opera Mobile kann man Werbung abstellen. Wenn Firefox unter iOS keine Plugins haben sollte, hilft das vielleicht ein wenig.
    Reine Text-Browser gibts auch. Damit hat man auch Ruhe wenn man Bilder und Scripte abschaltet.
    Table-Reflow hat aber wohl nur Opera und bei den anderen Browsern kann man oft die Schriftgröße nicht einstellen. FullHD am 299-Euro-Handy muss ja nicht in kleinen Buchstaben enden wo man nix lesen kann.

    Text-Werbung wird ja normalerweise weiter angezeigt. Wenn ich ein Hörspiel höre, wieso soll ich mir dann ein Werbe-VIDEO ansehen. Also wenn ich Texte lese, wieso soll ich dann was anderes als Text-Werbung sehen wollen wenn ich keine Bilder einschalte…
    Google macht seine Einnahme-Milliarden vielleicht immer noch überwiegend mit TEXT-Werbung in den Such-Ergebnissen. Das wird eher nicht gefiltert.

    Wegen uBlock: Das ist eigentlich keine schlechte Idee, aber für Normal-Nutzer evtl zu kompliziert. Probiert es bei den eigenen Eltern und Großeltern.
    Je nach Webseite muss man ja diverse Sites/Unter-Sites für Javascript, Cookies usw. ein-schalten um verschiedene Aspekte nutzen zu können.
    Ghostery kam wohl erst länger nach NoScript u.ä. aber hat sich sehr schnell durchgesetzt weil es clever einfach und nachvollziehbar war.
    Warum wohl sind Cola-Dosen, Getränke-Flaschen oder Getränke-Kartons so einfach zu öffnen. Daran nimmt sich Software leider kein Vorbild. Als Folge kommt immer mehr Sprachsteuerung auf, weil die Boni-Managers nachwachsen und Emails selber lesen und Profile bespielen statt von Praktikanten ausdrucken zu lassen. Also kommen Sprach-Steuerung auf weil viele mit den teuren unbrauchbaren User-Interfaces (siehe Fernseher und Smart-TVs welche wohl beweisen wollen, das sie smarter sind als der kleine End-Nutzer) nicht klar kommen, es aber nutzen müssen oder wollen.

    Vermutlich sollte man einen Browser für Onlinebanking, Online-Bestellungen und Full-Featured WEB benutzen und einen für werbefreies Surfen auf Kommerz-Seiten.
    Warum wohl sind die Apps vieler Dienste (Amazon, Ebay,..) vermutlich so beliebt: Weil man dort sehr zielgerichtet genau das macht, was man will und nicht von überladenen Webseiten erschlagen wird wo man weder weiss wo was ist, noch wo man klicken muss und oft auch noch lange auf das Laden warten muss.
    Computer scheinen von der Lebenszeit zu leben, welche die uns täglich stehlen.

  4. Die Werbewirtschaft nötigt InternetuserInnen mit viel zu vielen, mit belästigenden, mit primitiven Ads und mit exzessivem Trackereinsatz zur Nutzung von Werbeblockern. Hinzu kommt Verbreitung von Malware durch unseriöse Werbenetzwerke.

    Ich deaktivierte oft genug auf das Gejammere von Webseiten hin meinen Werbeblocker, wofür sich die Webseiten immer mit Layer Ads Dreck, irgendwelchem blinkenden Müll, automatisch startenden idiotischen Videos etc und einige Werbenetzwerke mit Malware bedankten, was zur Folge hatte, dass ich mein sehr scharf konfiguriertes uBlock Origin mit vielen netten Filterlisten und netten eigenen Regeln wieder aktivierte.

    Liebe WebseitenbetreiberInnen, ersetzt das Dreckszeug durch wenig qualitativ hochwertige und nicht belästigende Ads, dann sinkt auch der Einsatz von Werbeblockern.

    BTW, ich könnte Dutzende von Marken auffführen, deren Produkte heute bei mir wegen ihrer belästigenden und schlechten Ads auf der Boykottliste stehen.

  5. Da kann ich Kritiker nur zustimmen. Habe das Abschalten bei Golem sowie t3n probiert und hab danach den Inhalt vor lauter Werbung nicht mehr sehen können. Also gleich wieder eingeschaltet.
    An die Verlage: macht unstörende Werbung, trackt und verkauft nicht jeden Klick eurer Besucher, sorgt endlich dafür, dass keine Malware mehr über eure Seiten verteilt wird, und ich werde auch meinen Adblocker abschalten.

  6. BTW, aus der Begründung der Entscheidung des LG Hamburg:

    “Die Internetnutzer haben ein schutzwürdiges Interesse an der Abwehr unerwünschter Werbung, an Schutz vor Schadprogrammen sowie an der Kontrolle über ihre Daten.”

  7. BTW aus der schriftlichen Begründung des LG Hamburg:

    “Die Internetnutzer haben ein schutzwürdiges Interesse an der Abwehr unerwünschter Werbung, an Schutz vor Schadprogrammen sowie an der Kontrolle über ihre Daten.”

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