Partner von:
Anzeige

“Große Steuererleichterung und Produktion in den USA”: Das bietet und erwartet Donald Trump von Apple

Donald-Trump-Tim-Cook.jpg
Gemeinsamkeiten? Präsident Trump und Apple-Chef Tim Cook

Es klingt ein bisschen wie beim Arbeitsamt: Fördern und fordern. Das ist der Deal, den Donald Trump dem wertvollsten Konzern des Landes anbietet, wie der gewählte Präsident gestern bereitwillig im einstündigen Interview mit der New York Times offenbarte. Demnach stellte Trump Apple "große Steuererleichterungen" in Aussicht, erwartet im Gegenzug aber auch eine Verlagerung der Produktion in die USA. Das könnte Apple am Ende seiner Wettbewerbsfähigkeit berauben.

Anzeige
Anzeige

Es wird ernst: Nach der Wahlkampfrhetorik ist vor der Realität der Trump-Präsidentschaft. 57 Tage sind es noch bis zur Vereidigung von Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, doch Schatten wirft seine Administration  längst voraus.

Für hoch kapitalisierte Tech- und Internet-Unternehmen ist die Trump-Präsidentschaft ein zweischneidiges Schwert: Einerseits stellt der 70-jährige Republikaner Steuererleichterungen in Aussicht, andererseits will der Globalisierungsgegner Arbeitsplätze aus Asien in die USA zurückholen.

Donald Trump bietet Apple einen Deal an: Steuererleichterungen gegen Arbeitsplätze

Genau dieses Szenario erläuterte Trump Apple-CEO Tim Cook bei dessen Gratulation zur Präsidentschaft, wie Trump gestern im Gespräch mit der New York Times verriet. Trump sagte dem Apple-Chef unverblümt: “Tim, es wäre für mich eine echte Leistung, wenn ich Apple dazu bekäme, dass Sie eine – oder mehrere – große Fabriken in den Vereinigten Staaten bauen würden anstatt von China oder Vietnam.”

Cooks Antwort: “Ich versteh das.”  Trump stellte Apple im nächsten Atemzug dafür steuerliche Anreize in Aussicht: “Ich denke, wir können Anreize für Sie schaffen, und ich denke, Sie werden es dann tun. Wir wollen eine sehr große Steuersenkung für Konzerne durchsetzen, auf die Sie sich freuen können”, sagte Trump.

Trump könnte Apple mit einer günstigen Repatriierung locken

Unklar ist dabei, um welche Steuererleichterungen es sich handelt. Das für Apple lukrativste Szenario ist eine günstigere steuerliche Behandlung bei Rückführung von im Ausland gebunkertem Kapital (Repatriierung). Im September nannte der streitbare Republikaner auf einer Rede beim Economic Club of New York dafür den angestrebten Steuersatz von 10 Prozent auf sich im Ausland  befindlichem Kapital anzuwenden.

Apple sitzt bekanntermaßen auf immensen Barreserven von 237 Milliarden Dollar – davon 215 Milliarden Dollar im Ausland (bei Verbindlichkeiten von 81 Milliarden Dollar). Aktuell fallen bei einer Repatriierung 35 Prozent Steuern an – weswegen sich Tim Cook wie viele andere Konzernchefs seit Jahren gegen eine Rückführung der Auslandsbestände sperrt.

Anzeige

Setzt Trump ein „Tax Holiday“ von 10 Prozent zur einmaligen Rückführung des Auslandskapitals durch, würde Apple auf einen Schlag 54 Milliarden Dollar sparen, was wiederum 9 Prozent des aktuellen Börsenwertes entspricht.

iPhone-Kosten würden bei Produktion made in USA explodieren

Langfristig allerdings dürfte Apple bei einer heimischen Produktion des iPhones deutlich draufzahlen. Bereits im Juni hatte Apple seine Auftragsfertiger Foxconn ausrechnen lassen, wie teuer eine Verlagerung der iPhone-Produktion werden würde. Allein die Komponenten- und Fertigungskosten Made in USA könnten sich um 80 bis 90 Dollar pro iPhone steigern, rechnete der Marktforscher IHS vor.

Das eigentliche Problem wären vielmehr der Aufbau und Betrieb der nötigen Infrastruktur: Eine einzige Produktionsfabrik dürfte mehrere Milliarden Dollar kosten – und um sie zu errichten, würde es Jahre dauern. Dazu kommt die Frage der Auslastung: Apple lässt in China zum Launch neuer iPhones Geräte im zweistelligen Millionenbereich produzieren, fährt die Herstellung in den Folgemonaten aber deutlich herunter.

Verlagerung der iPhone-Produktion in die USA unrealistisch

Summa summarum würden sich die Produktionskosten eines iPhones made in USA mehr als verdoppeln, rechnet die asiatische Tageszeitung Nikkei Times vor – vom fehlenden Know-how einmal ganz abgesehen. In anderen Worten: Donald Trumps Forderungen wären ein sehr schlechter Deal für Apple, dem Tim Cook in dieser Form niemals zustimmen dürfte.

Wahrscheinlicher erscheint eine symbolische Standorteröffnung wie 2013 in Arizona für die Fertigung der Mac Pro-Serie. Die Wall Street reagierte trotzdem beunruhigt auf die Äußerungen des gewählten US-Präsidenten und schickte die Apple-Aktie um ein Prozent nach unten.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. 1. “Apple sitzt bekanntermaßen auf immensen Barreserven von 237 Milliarden Dollar …”

    2. “Eine einzige Produktionsfabrik dürfte mehrere Milliarden Dollar kosten …”

    3. “Allein die Komponenten- und Fertigungskosten Made in USA könnten sich um 80 bis 90 Dollar pro iPhone steigern …”

    4. http://www.chip.de/artikel/So-teuer-ist-das-iPhone-7-in-der-Herstellung-Apples-Produktionskosten-im-Detail_100196799.html

    Unter Berücksichtigung von Punkt 1. dürfte die Aussage von Punkt 2. wohl eher kein Problem darstellen.

    Da das Erstellen der Fertigungsfabriken und der Infrastruktur nicht in die Hände der Erbauer von BER, Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie gelegt werden, ist das alles in wenigen Monaten nach dem Startschuss erledigt. Da ist nichts mit mehreren Jahren Bauzeit.

    Punkt 3. sagt aus, dass dann die Gewinnspanne an jedem einzelnen Gerät nicht mehr riesig, sondern nur noch sehr hoch sein wird – siehe Punkt 4.

    Jammern auf hohem Niveau …

  2. Tim Koch hatnseinemFehler, doch bei Produktionslogistik macht ihm so schnell keiner etwas vor!
    Da die übliche Produktionstechnik in Amerika zu teuer ist, Amerikas Worker in den letzten 15 Jahren stark an beruflichen Qualifikationen verloren haben und es an geschickten asiatischen Händen mangelt fragt er sich vielleicht, ob dieser Probleme “So sprach Zeuss, fraß sich ein Loch in den Bauch und verschwandt darin”!
    Doch im Ernst, was wird er sich einfallen lassen!
    Wenn Trump tatsächlich gewählt wird, was immer noch nicht 100% sicher ist, dann kann er diese Offensive nicht komplett ablehnen!
    Ich könnte mir folgendes vorstellen:
    1. Ein Forschungsprojekt Mensch/Roboter als kombinierte Fabrik.
    2. Recycling-Zentrum für Iphone (Diesbezüglich gibt es schon eine Forschungsprojekt mit Roboter), Ipad und später die Mac-Linie.
    3. Ausweitung der Mac-Linie verknüpft mit eine Offensive diese, nebst Ipad ind Schulen und Universitäten unterzubringen. Da Apple hier durch Google-Chrome in Zugzwang ist, könnte er dort zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.
    4. Nachdem Apple-Car zurückgestutzt wurde, sollte Koch den Fernseher lancieren, er ist weitgehend fertig entwickelt, man könnte ihn modular aufbauen, der Bildschirm könnte einem normalen Monitor entsprechen, der Receiver könnte modular in einem Slot eingeklickt werden, das Herz wäre dann ein handelsübliches Apple TV, welches ja jetzt schon in verschiedenen Versionen gibt. Apple könnte diesen Fernseher auch vermieten, was reizvoll wäre, da sie produktionstechnisch Langlebigkeit garantieren könnten, daher wären im Wege der Vermietung auch lukrative Renditen möglich.
    Fas Herz (Apple TV) wäre austauschbar und upgradefähig, ebenso der Receiver und somit wären auch Reparaturen kostengünstig möglich.
    So etwas wäre neu und innovativ, das hat noch keiner und Apple könnte als Kapitalstock für die Vermietung einen kleinen Teil seiner Auslandsmilliarden verwenden.
    Was entstünde an Arbeitsplätzen bei Uncle SAM?
    A) Der Zusammenbau aller Komponenten.
    B) Entwicklung des Receiver

    5) Das Car-Projekt könnte er schnell mit BMBW oder Anderen neu aufsetzen,
    wenn Apple in Sachen Daten- und Hoheit über die Produktion kleinere Brötchen backt. Daz sollte man Manager außerhalb Apples suchen, die in diesen Bereichen fähiger und kompetender sind als Eddy Cue, der sich, übertrieben ausgedrückt darauf beschränkt zu sagen: Hier unten rechts unterschreiben und wollte ihr Änderungen gehen icht, wegen iss nicht.
    Eddy Cue hat schon die ungeheuer wichte Vereinbahrung mit den Mediengiganten wegen des geplanten Videostreaming vergeigt.

    Würde Tim Koch solches in einem Trump-Deal umsetzen, so wäre dies mehr, als nur ein Show-Effekt und Trump würde sein Gesicht wahren, denn er hätte das maximal Mögliche erreicht.

    6. Die Ausweitung der virtuellen Apple-University auf eine Tatsächlich Präsenz im Sinne einer verkürzten Berufsausbildung nach deutschem Konzept könnte ein weiteres BonBon sein. Durch unsere Autobauer, die auch in Amerika Berufsausbildungen durchführen, ist dieses Konzept in den Staaten ungeheuer
    populär.

    1. 1. Mensch und Roboter arbeiten schon jetzt zusammen in einer Fabrik. Leiterplatten werden inzwischen automatisch bestückt, nicht weil es billiger ist, sondern weil die Bauteile zu klein sind um noch von Menschen verarbeitet werden zu können.

      2. Handys, Pads und PCs werden jetzt schon recycelt – und vorher auf dem Gebrauchtmarkt gehandelt.

      3. Apple war schon in den 80er mit dem Apple II stark in den Schulen und Hochschulen der USA verbreitet. Ist ist es auch heute noch bei Studenten. Jeder der “Think Different” ernst nimmt hat ein Apple Produkt, d.h. so gut wie jeder Student der zum liberalen Mainstream gehört.

      4. Jeder Fernseher ist ein normaler Monitor mit Empfangsteil und sogar modular gebaut. Das Empfangsteil ist übrigens das letzte das veraltet – Verbesserungen finden bei den Displays statt. Egal ob höherer Auflösung, größerer Farbraum, geringere Latenz oder besserer Kontrast – das erhält man nur durch ein neues Display, nicht durch einen neuen Reciver.

      Das grundsätzliche Problem ist das Apple keine eigene Produktion hat. Selbst wenn sie wollten könnten sie keine Produktion auf die schnelle in den USA auf die Beine stellen, das müsste Foxcon übernehmen.

  3. Also so schlimm ist für Apple nun wirklich nicht. Wenn ein iPhone in der Herstellung 100 $ kostet und für 600 € bei uns verkauft, dann erhöhen sich die Herstellungskosten und der Gewinn sinkt ein wenig. Da Apple aber 97 % des Gewinns aller Smartphones weltweit erwirtschaftet, dürfte das nur ein Problem für die Börsianer sein – aber NIE für Apple.

    1. Einmpaar Korrekturen sind angebracht:
      1. Ein Iphone 7 kostet in der Herstellung lt. IFixit rund 240 Dollar, je nach Ausführung wird’s teurer.
      2. Apple streicht im Jahr 2016 etwa 90% aller Gewinne auf dem Smartphone-Sektor ein, es war vormals teolweise weniger, der niedrigste Wert der letzten 10 Jahre lag bei rund 60%, glaube ich.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia