Partner von:
Anzeige

Höchstes Gericht in Österreich: “Durchschnittliche Leser gehen davon aus, dass Medienbeiträge nicht neutral sind”

fotolia.jpg

Der Oberste Gerichtshof (OGH) in Österreich hat ein bemerkenswertes Urteil zur Kennzeichnungspflicht von Gefälligkeitsartikeln gesprochen. Demnach sind Artikel, die als Gegenleistung für Anzeigen erscheinen, nicht kennzeichnungspflichtig. Der "durchschnittliche Leser" gehe nicht davon aus, dass Medien neutral sind, so die Richter in Wien.

Anzeige
Anzeige

Die Tageszeitung Der Standard berichtet in ihrer Online-Ausgabe über das Urteil. Laut dem Standard-Bericht hat der OGH in Wien befunden: “Diese Kennzeichnungspflicht erfasst nur entgeltliche Veröffentlichungen, nicht auch Veröffentlichungen aus bloßer Gefälligkeit.” Konkret ging es um einen Rechtsstreit zwischen zwei Gratiszeitungen. Eine Gratiszeitung klagte dagegen, dass eine andere redaktionelle Beiträge als zusätzliche Gegenleistung zu geschalteten Anzeigen veröffentlichte und diese nicht als Werbung kenntlich machte.

Das Gericht: “Der durchschnittlich aufmerksame und kritische Leser geht heute davon aus, dass auch redaktionelle Beiträge in periodischen Medien nicht ‘neutral’ sind und keine absolute Objektivität in Anspruch nehmen können, weil sie von – zumeist auch namentlich genannten – Journalisten stammen, die ihre persönliche Meinung zum Ausdruck bringen, sei es in politischen, wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Belangen.”

Anzeige

Wenn für die konkrete Veröffentlichung von Beiträgen aber Geld fließt, müssen diese auch in Österreich weiterhin als “Anzeige”, “Werbung” oder “entgeltliche Einschaltung” gekennzeichnet werden.

Der OGH kassierte damit die Urteile von zwei Vor-Instanzen, die jeweils eine Kennzeichnungspflicht auch von solchen Gefälligkeits-Beiträgen bejaht hatten. Der PR-Ethikrat in Österreich kritisierte das Urteil als “hochproblematisch”.  Das Urteil  öffne Tür und Tor für Koppelungsgeschäfte und damit für das Täuschen der Leser, zitiert der Standard Gabriele Faber-Wiener, die Vorsitzende des Ethikrats.

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. wikipedia: Schleichwerbung
    Österreich ist wohl ein wenig anders wie man dem Text entnehmen kann.

    Von Bakterien im Krankenhaus und Nahrung usw. erwartet man auch, das sie weniger werden und dank Digital die Ehre im Handel und Dienstleistungen und Klarheit der Kommunikation auch durch Gerichts-Urteile verbessert wird… Auch daher hat Trump gegen das Establishment-Blabla gewonnen.
    Das Land geht immer weiter kaputt durch mangelnde Kontroll-Funktion der Presse wohingegen fast jedes Formel1-Team fast jedes Rennen schneller wird.
    Korrupte Doping-Länder dopen nur diejenigen, welche Zusatz-Leistung liefern würden und keine leistungs-losen Luscher. Aber wenn man Volkszilliarden verprasst und das Land ins Unglück führt, wird man in korrupten Diktaturen auch noch bejubelt weil man Angst vor Anrufen in der Redaktion hat. Von sowas geht das Land kaputt… Hier hingegen geht es uns wie China (die werden jedes Jahr reicher und kaufen West-Firmen, New York und Afrika-Grundstücke scharenweise auf, bald in der Rezession ganz ganz viele) und zwar jedes Jahr besser. “Danke” Leistungspresse… welche uns schon vor dem neuen Markt und Immobilien-Blase und natürlich Nullzins-Politik, Nullzins-Lebensversicherungen und der kommenden Rezession und Tankstellensterben und Verbrennungs-Auto-Preisverfall (wie damals die Trabbis: keiner wollte sie noch haben) oder der möblierten Miet-Mafia gewarnt hat…

    “Geld” oder “geldwerte Gegenleistungen” für welche sich auch das Finanzamt interessiert ? Die Preislisten der Zeitschriften für Anzeigen sind ja nicht grade geheim und könnten als Gegenwerts-Grundlage gelten.

    Als bei einem Fahrrad-Heft kritisiert wurde, die würden immer nur die voll-ausgestatteten Modelle in höchster Preis-Stufe testen während die Wahrheit weiter unten läge, hiess es auch, die Firmen würden diese Modelle zur Verfügung stellen. Warentest hingegen kauft selber. Was ist z.B. mit Auto-Tests ? Selbst gekauft oder bim Autohändler geliehen oder zur Verfügung gestellt worden in Vollausstattung (Turbo, Standheizung, Klima-Anlage, SuperHIFIStereo-Anlage, persönlicher Assistent, höchste PS-Ausstattung…) wo der Bankberater dem kleinen Abeiter keinen Kredit für rausrückt ?

    An den Ethikrat: Man könnte ja die Regeln überarbeiten. Z.b. das Werbung und Redaktion die sprichwörtlichen “walls” zu trennen hätte also separiert zu (also auch zu handeln) sein haben und gar nicht kommunizieren dürfen. Gute Zeitschriften schwören es in der unterschriebenen Bilanz und öffentliche Liste der guten Zeitungen welche z.B. die Abonnenten-Adresse nicht weiter-verkaufen oder solch ein Verhalten haben, gibts dann auch. Es gibt ja auch Lebensmittel die offen schwören, kein Gluten oder keine Tierprodukte (Eier, usw. ) zu enthalten.. So easy ist das Leben. Transparenz ist der Feind der Miswirtschaft… Seit gut und zeig/sag/beweis es jedem. Dann tut sich Leistung wieder lohnen… Har har har.

  2. Toll, die Pressestelle (“Medienstelle”) des OGH “​Transparenz ist dem Obersten Gerichtshof ein ganz besonderes Anliegen. Der Umgang mit den Medien genießt daher einen sehr hohen Stellenwert.” zeigt zwar tolle Fotos von ihren Mitarbeitern, hat aber nicht mal eine E-Mail-Adresse. Wie wäre es, wenn Meedia mal um eine Presseerklärung in der Sache bittet oder noch besser, um das ganzte Urteil?

  3. Trifft nicht auf Deutschland zu. Jedenfalls bisher noch nicht. Was mir täglich so an BILD- und Tagesschau-Geschädigten über den Weg läuft, ist schon recht beachtlich.

    Hauptsächlich in den alten Bundesländern. Im Osten hält sich die Uninformiertheit halbwegs im Rahmen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia