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„Ströerfeuer“: Geschasste T-Online-Redakteure machen ihrem Ärger in Protestblog Luft

Mitarbeiter und Gewerkschaft protestieren mit einem Blog gegen die Schließung der T-Online-Redaktion in Darmstadt durch Ströer

Ströer macht die Redaktion von T-Online in Darmstadt dicht. 100 Mitarbeiter sind davon betroffen, am neuen Redaktionsstandort in Berlin ist aber nur Platz für 60 Redakteure. Wer dort weiterarbeiten will, muss sich bewerben. Mitarbeiter von T-Online und die Gewerkschaft Verdi machen ihrem Ärger über das Vorgehen nun in dem Protestblog „Ströerfeuer“ Luft. Und spekulieren über weitere Stellenstreichungen.

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„War das nur der Anfang?“ steht über dem jüngsten Beitrag im Protestblog „Ströerfeuer“ und gleich darunter: „Dieses war der erste Streich“. Im Text wird moniert, dass Ströer bislang keine Begründung geliefert habe, warum der Redaktionsstandort Darmstadt geschlossen wird. Technik und Produkmanagement sollen im Rhein-Main-Gebiet bleiben. Die Autoren des Protestblogs melden Zweifel an:

Doch auch für die verbleibenden Mitarbeiter der Ströer Digital Publishing GmbH, vormals Digital Media Products GmbH, vormals und ursprünglich Deutsche Telekom, stellen sich mit Sicherheit mit großer Sorge folgende Fragen:

Für wen macht der Content Management Support (CMS-Support) Support, wenn in Darmstadt niemand mehr da ist, der mit dem CMS-System arbeitet?

Soll der CMS-Support tatsächlich per Telefon oder E-Mail eine neue Redaktion im über 570 Kilometer entfernten Berlin unterstützen?

Klappt, das? Ist das effizient? Macht das überhaupt Sinn?

Wie soll das Produktmanagement wie bisher auf (sehr) kurzen Wegen Dinge mit der Redaktion abstimmen, wenn diese vor Ort nicht mehr existiert, sondern durch neue unerfahrene Leute in Berlin ersetzt wurde?

Wie sollen Sonderthemen oder andere redaktionelle Projekte aber auch Vermarktungen zwischen Produktmanagement und Redaktion konzipiert, besprochen, konkretisiert und bearbeitet werden, wenn Produktmanagement und Redaktion sich nicht mehr zu Konferenzen zusammensetzen können? Zumindest nicht, ohne vorher in den Flieger oder die Bahn zu steigen?

Wobei die Frage nach dem „Warum“ relativ einfach zu beantworten ist. Immerhin betreibt Ströer in Berlin bereits eine rund 170-Mann starke Redaktion, die vor allem Special-Interest-Inhalte für Ströer-Websites wie Von giga.de, kino.de, gemona.de, spieletipps.de, Spielaffe oder erdbeerlouge.de erstellt. Hier sollen nun die 60 neuen Stellen hinzukommen, die sich um Politik, Wirtschaft, Nachrichten und Sport für t-online.de kümmern. Ströer will die Content-Produktion an einem zentralen Standort bündeln.

Ansonsten wird im Protestblog angeprangert, dass der Stellenabbau mit Steuermitteln bezuschusst wird. Und es wird die Bedeutung der Mitarbeiter für den Erfolg des Portals betont:

Mit der Auflösung der Darmstädter Redaktion macht der Plakatekleber Ströer rücksichtslos ein gutes Stück Internet- und Mediengeschichte zunichte.  Bei T-Online von Anfang an dabei waren die Redakteure. Sie waren es, die dem Portal im Verlauf der Jahrzehnte sein Gesicht gaben. Erst durch sie wurde T-Online zum größten General-Interest-Portal im deutschsprachigen Netz – und ist es bis heute geblieben.

Redaktionell verantwortlich für das Protestblog ist ein Mitarbeiter der Gewerkschaft Verdi Hessen.

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